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So werden LGBTIQ-Inhalte auf TikTok und Grindr zensiert

Unter anderem geht Pakistan gegen unerwünschten Content vor

LGBTIQ-Inhalte
Foto: AdobeStock

Es betrifft Grindr, Tinder und andere Dating-Apps, aber auch TikTok: Angeblich «unmoralischer» Content, aber auch LGBTIQ-Inhalte sind unerwünscht und werden blockiert.

Pakistan gab vergangene Woche bekannt, dass es Grindr, Tinder und drei andere beliebte Dating-Apps wegen Verstosses gegen eine Reihe neuer Regeln blockiert, die Anfang dieses Jahres in Kraft getreten sind. Die neuen Vorschriften, die offiziell zum Schutz der Bürger*innen im Netz dienen sollen, zielten darauf ab, Online-Hassreden, gefälschte Nachrichten sowie terrorbezogene, aber eben auch als unmoralisch empfundene Inhalte einzudämmen.

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Kritiker*innen warnen jedoch davor, dass dies ein kaum getarnter Versuch sei, Zensur auszuüben. Die Hindustan Times berichtet, dass die Pakistan Telecommunications Authority (PTA) Mitteilungen an das Management der Apps gesendet habe, in denen sie erklärten, dass ihre Plattformen unmoralische Inhalte unter Verstoss gegen die neuen Regeln verbreiteten.

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Zuvor hatte die PTA neben Grindr und Tinder auch die Betreiber*innen von Tagged, Skout und SayHi vor den «negativen Auswirkungen von unmoralischem / unanständigem Streaming von Inhalten« gewarnt. Wenn die Unternehmen nicht innerhalb der festgelegten Zeit antworteten, würden die Apps blockiert.

Pakistan ist, nach Indonesien, das weltweit zweitgrösste Land mit muslimischer Mehrheit. Aussereheliche Beziehungen und Homosexualität sind hier illegal. Immerhin, es ist trans Pakistaner*innen nun gestattet, sich mit ihrer bevorzugten Identität zu identifizieren und die von der Regierung ausgestellte Identität zu aktualisieren, um ihr angemessenes Geschlecht widerzuspiegeln.

In Pakistan werden wiederholt schwule Männer nach Begegnungen via Facebook und Gay-Dating-Apps ermordet. Das wird in der Serie «Blackout» beleuchtet (MANNSCHAFT berichtete).

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Die neuen Regeln sind seit ihrer Einführung umstritten. Kritiker*innen sagen, sie bedeuteten eine Zensur von Online-Inhalten, die die Behörden als unangenehm empfinden. Laut dem Information Society Project der Yale Law School wurden die Regeln im Januar bekannt gegeben und traten unverzüglich und ohne Übergangsfrist in Kraft

Kritiker weisen darauf hin, dass die neuen Regeln die Privatsphäre der User*innen gefährden. Zudem gelte neuerdings, dass alle online in Pakistan verfügbaren Websites ein ständiges physisches Büro im Land haben müssen und dass alle Entscheidungen bezüglich der Durchsetzung der Regeln von einem nicht rechenschaftspflichtigen nationalen Koordinator innerhalb des Ministeriums  für Informationstechnologie und Telekommunikation getroffen würden.

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Die PTA schickte ähnliche Briefe an YouTube und TikTok. In dem Brief an YouTube wurde die Video-Sharing-Plattform gebeten, die Anzeige von unerwünschtem Material in Pakistan sofort zu blockieren. Die Behörden hatten kürzlich ihre Bedenken gegenüber TikTok geäussert und die Live-Streaming-App Bigo Live aus ähnlichen Gründen für 10 Tage blockiert.

In Pakistan wurde auch schon das Titelbild der New York Times zensiert. Grund: Dort wurden küssende Männer gezeigt (MANNSCHAFT berichtete).

Die Betreiber*innen von TikTok zensieren zudem weltweit Hashtags zu LGBTIQ-Themen in russischer und arabischer Sprache. Das wurde vom Australian Strategic Policy Institute nach intensiven Recherchen aufgedeckt. Die Zensur betreffe laut einem Bericht auf netzpolitik.org nicht nur Videos in Russland oder arabischsprachigen Länder, sondern weltweit alle Nutzer*innen.

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Demnach würden Hashtags zu LGBTQ-Themen in mindestens acht Sprachen zensiert und versteckt. Betroffen sind etwa der arabische Hashtags مثلي_الجنس# («schwul») und المتحول جنسي# («transgender») und die russischen Hashtags #гей («schwul») und #ялесбиянка («Ich bin lesbisch»).

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