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Nach den Explosionen in Beirut: Die Community kämpft weiter

Im LGBTIQ-Center Helem haben die Aufräumarbeiten längst begonnen

Beirut
Auch das LGBTIQ-Center von Beirut wurde schwer getroffen (Foto: Terek Zeidan/Facebook)

Bei den verheerenden Explosionen in Beirut kamen mehr als 140 Menschen ums Leben. Tausende wurden verletzt. Rund 100 Menschen werden noch vermisst. Auch das LGBTIQ-Center Helem wurde schwer beschädigt.

Im Zuge der Ermittlungen zur Explosionskatastrophe in der libanesischen Hauptstadt Beirut am Dienstag sind 16 Hafenarbeiter festgenommen worden, wie der amtierende Militärrichter Fadi Akiki laut einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur NNA mitteilte.

Weniger Last, mehr Tage wie diese

Demnach seien bislang 18 Personen verhört worden – Hafen- und Zollbeamte sowie um Angestellte, die für die Wartung des Hangars verantwortlich gewesen seien, wo 2750 Tonnen Ammoniumnitrat jahrelang gelagert wurden. Die Ermittlungen seien am Dienstagabend eingeleitet worden.

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Häuser und Wohnungen in der Nähe des Hafens im Zentrum von Beirut ist sind komplett zerstört. Von anderen Häusern, die etwas weiter entfernt stehen, wurden die Balkone abgerissen.

Bei der Explosion wurde auch das LGBTIQ-Center schwer beschädigt. Helems Direktor Terek Zeidan beschreibt via Facebook, dass man sich nicht unterkriegen lassen will. Mitarbeiter*innen und Freiwillige von Helem arbeiteten bereits daran, das Zentrum aufzuräumen und zu reparieren, so wie es die Menschen in ihrer Umgebung in ganz Beirut tun.

Er habe sich am Morgen nach den Explosionen zum Community-Center Helem geschleppt, das weniger als 700 Meter vom Epizentrum der Explosionen entfernt ist. «Ich hatte in der Nacht der Explosion Fotos vom Zentrum bekommen und bereitete mich auf einen zweiten emotionalen Zusammenbruch vor. Das Team und ich arbeiten seit Jahren Tag und Nacht, um ein Community-Center zu haben, auf das wir stolz sein können, und man sagte mir, dass nichts mehr übrig ist.» Die Türen und Fenster wurden aus ihren Verankerungen gezogen, die Küche liege in Trümmern, Computer und weiteres Equipment seien verloren.

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Er habe überlegt, wie er das Team davon überzeugen könne, dass es sich lohne, es wieder aufzubauen, zu kämpfen und zu bleiben? «Für die Gemeinschaft eintreten? Welche Community? Warum sich die Mühe machen, Gesetze in einem gesetzlosen Land zu ändern? Koalitionen mit auswandernden Verbündeten bilden? Diskriminierung am Arbeitsplatz in brennenden Unternehmen bekämpfen?»

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Zwar gilt der Libanon nach einer Einschätzung des Auswärtigen Amtes in Berlin im Vergleich mit den Staaten der Region als vergleichsweise liberales Land. «Reisende sollten sich jedoch bewusst sein, dass homosexuelle Handlungen im Libanon strafbar sind», heisst es auf der Homepage des Auswärtigen Amtes. Die Arbeit von LGBTIQ-Aktivist*innen im Land ist mühsam und sicher oft frustrierend.

Aber als Tarek im Zentrum ankam, habe er gesehen, dass Mitarbeiter*innen und Unterstützer*innen schon mit dem Putzen und Wiederaufbau begonnen hatten. «Ich hatte keine Ahnung, dass sie das taten – es sagte mir niemand. Ich habe niemanden mobilisiert oder organisiert, ich habe niemanden gebeten, aufzutauchen. Ich habe nicht um ein Treffen gebeten oder um einen Gefallen gebeten. Tatsächlich befahl ich allen, sich wegen der Dämpfe vom Zentrum fernzuhalten und mir Zeit zum Nachdenken zu geben.»

Aber sie hätten ihn völlig ignoriert. «Sie kamen herein und säuberten und reparierten und hämmerten und organisierten sich, als ich dort stand und mich völlig nutzlos fühlte und wie ein Idiot weinte. Mama Jad stand mitten im jetzt fensterlosen und türlosen Zentrum und rauchte eine Zigarette. Sie schenkte mir ein Lächeln und sagte: Jetzt kann ich endlich mittendrin rauchen, ohne zu hören, wie du darüber meckerst.»

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Helem wird also wieder in Stand gesetzt, die LGBTIQ-Community von Beirut lässt sich nicht unterkriegen.

Auch die LGBTIQ-Organisation Proud Lebanon ist betroffen. Die Büros wurden durch die Explosionen beschädigt, einige Mitarbeiter*innen werden vermisst und viele gefährdete Mitglieder der Community seien jetzt obdachlos und hungrig, heisst es in einem Hilferuf von Allout. Hier kann man spenden.

2017 gab es in Beirut erstmals eine Pride, 2018 wurde sie jedoch nach Repressionen seitens der Behörden abgesagt (MANNSCHAFT berichtete) Schwule Reiseblogger wie die «Nomadic Boys» sind im Libanon allerdings für immer unerwünscht (MANNSCHAFT berichtete).

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