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Kerze von Polens Premier brennt jetzt für toten trans Mann

Wir haben für den feigen Premierminister getan, was er selbst hätte tun sollen, erklären die Aktivist*innen von Stop Bzdurom

Mateusz Morawiecki
Foto: Twitter

Nachdem die Jesus-Statue in Warschau von der radikalen queeren feministischen Gruppe Stop Bzdurom (Stop Bullshit) mit einer Regenbogenflagge geschmückt worden war, hatte Mateusz Morawiecki dort eine Kerze aufgestellt. Die haben Aktistiv*innen derselben Gruppe entführt und zu einer Brücke gebracht, wo sich im Mai 2019 ein junger trans Mann das Leben genommen hatte.

Ende vergangener Woche hatte Premier Mateusz Morawiecki von der LGBTIQ-feindlichen  Regierungspartei PiS eine Kerze an die Christusstatue in Krakowskie Przedmieście aufgestellt. Bei Facebook hatte er von der «geschändeten Gestalt Jesu» gesprochen und dass das «Aggressionsniveau» seine Grenzen habe. Und weiter: «Millionen von Polen wollen heute in einem toleranten Land leben, das unterschiedliche Standpunkte respektiert. Ich unterstütze das voll und als Premierminister der polnischen Regierung werde ich die Rede-und Gedankenfreiheit immer schützen. Diese Werte waren und sind untrennbar mit Polen und Solidarität verbunden.»

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Das sehen die Aktivist*innen von Stop Bzudorum anders. Sie haben die Kerze von Morawiecki nach eigenem Bekunden gestohlen, die er aufgestellt hatte, «um die beleidigten Gefühle aller polnischen Homophoben zu besänftigen», erklärten sie via Twitter. Sie brachten die Kerzen zur Warschauer Łazienkowski-Brücke. Dort hatte am 6. Mai 2019 der 24-jährige Milo Mazurkiewicz, ein trans LGBTIQ-Aktivist Selbstmord begangen. Sein Körper wurde über eine Woche später gefunden. Im Juni dieses Jahres hatte sich ein schwules Model das Leben genommen – der junge Mann hatte den Homohass in seiner Heimat nicht mehr ertragen (MANNSCHAFT berichtete).

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Vor seinem Suizid hatte er erklärt: «Ich habe genug gehabt. Ich habe es satt, wie Scheisse behandelt zu werden.» Er habe es satt, dass ihn Psycholog*innen, Ärzt*innen und Therapeut*innen immer wieder sagten, dass er nicht der sein könne, der er ist, weil er «falsch aussehe».

Für ihn brennt nun die Kerze des Premiers. «Polen ist voller transphober Gewalt – und die Regierung ist ihr gleichgültig», so die Aktivist*innen weiter. «Wir haben für den feigen Premierminister getan, was er selbst hätte tun sollen.»

Die Jesus-Statue in Warschau war vergangene Woche als eins von drei Denkmälern von der radikalen queeren feministischen Gruppe Stop Bzdurom (Stop Bullshit) mit einer Regenbogenflagge umhüllt worden (MANNSCHAFT berichtete). Das hatte bei den rechten Führer*innen des Landes Empörung hervorgerufen.

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Der polnische Ministerpräsident Morawiecki erklärte danach, dass die Figur Christi durch einen «Akt des Vandalismus» «entweiht» worden sei, und fügte hinzu, dass dies «zu nichts Gutem führen und einen Zweck haben würde – die Gesellschaft noch mehr zu spalten». Die Staatsanwaltschaft in Warschau leitete Untersuchungen wegen der verhüllten Denkmäler ein.

Der Pole Donald Tusk, ehemaliger Präsident des Europäischen Rates, ermahnte den polnischen Premierminister, nachdem der die sogenannte «Entweihung» einer Jesus-Statue mit der Flagge verurteilt hatte.

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Tusk erinnerte seine Landsleute daran, dass die Reaktionen auch nicht gerade christlich waren. «Als Chef der europäischen Christdemokrat*innen möchte ich Sie daran erinnern, dass Jesus immer auf der Seite der Schwächeren und Geschädigten war, niemals auf der Seite der unterdrückenden Regierungen», twitterte Tusk.


Brauchst du Hilfe? Wende dich in der Schweiz telefonisch an die Nummer 143 oder schreibe an die Berater*innen von Du-bist-Du.ch. In Österreich hilft die HOSI Wien (zu Büroöffnungszeiten) unter (+43) 660 2166605, das Kriseninterventionszentrum oder für LGBTIQ die psychosoziale Beratungsstelle Courage. In Deutschland gibt es die Notfall-Nummer 19446, zudem hilft u.a. der Verband für lesbische, schwule, bisexuelle, trans, intersexuelle und queere Menschen in der Psychologie, in Städten wie Köln kann man sich an Rubicon wenden.

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