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Nach Eklat im Blumenladen: Kleinstadt verbietet Diskriminierung

Die Floristin berief sich auf ihre Religionsfreiheit

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In Alaska weigerte sich eine Floristin Blumen für eine queere Hochzeit zu liefern. (Symbolbild: iStockphoto)

In einer Kleinstadt in Alaska weigerte sich eine Floristin, einen Auftrag für eine gleichgeschlechtliche Hochzeit entgegen zu nehmen. Die Bewohner*innen waren damit gar nicht einverstanden und erliessen kurzerhand ein neues Gesetz. 

Nicht Fuchs und Hase, sondern Wolf, Bär und Adler sagen sich in Ketchikan gute Nacht. Die Kleinstadt befindet sich an der südöstlichen Küste des US-Bundesstaats Alaska und zählt etwas über 8000 Einwohner*innen. Der Ort ist eine Anlaufstelle für Kreuzfahrtschiffe und ein beliebter Ausgangspunkt für Wildtierbeobachtungen. Im beschaulichen Städtchen sorgte nun der Blumenladen «Heavenly Creations» (deutsch: «Himmlische Kreationen») mit der Forderung nach Religionsfreiheit für einen Aufruhr.

Floristin Heather Dalin hatte sich geweigert, Blumenarrangements für eine gleichgeschlechtliche Hochzeit anzufertigen. Ein farbiger Protest vor dem Blumenladen war die Folge, der grosses Thema in den regionalen Medien wurde. Kurz darauf wurde Dalin vor den Stadtrat zitiert, der aufgrund des Vorfalls ein neues Gesetz entwarf, um LGBTIQ-Personen vor Diskriminierung zu schützen.

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«Ich habe eigenhändig Bouquets für Mitglieder der LGBTIQ-Community gemacht und geliefert – mehrmals», sagte sie gemäss dem öffentlichen Radiosender KTOO. «Wir diskriminieren nicht und haben es auch nicht getan.»

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Beim Thema Ehe für alle schlug Dalin jedoch andere Töne an. Eine LGBTIQ-Hochzeit zu beliefern verstosse gegen ihre religiösen Überzeugungen. «Geht es um das heilige Ehesakrament geht, ist Gottes Wort klar», sagte sie. «Die Ehe ist eines der sieben Sakramente, in denen der Herr Jesus Christus gegenwärtig ist. Dass Sie ein unnötiges Gesetz erlassen, um mich zur Teilnahme an einer Zeremonie zu zwingen, die nicht nur gegen Gottes heilige Wahrheit verstösst, sondern mich auch meiner Rechte als amerikanische steuerzahlende und gesetzestreue Bürgerin beraubt, ist unvernünftig.»

Dalins Aussagen konnte den Stadtrat nicht überzeugen. Die sieben Mitglieder verabschiedeten das neue Gesetz einstimmig. Das Diskriminierungsverbot geht einen Schritt weiter als der Supreme Court, der sich im Juni für einen Schutz von LGBTIQ-Personen am Arbeitsplatz aussprach (MANNSCHAFT berichtete). Die neue Regelung greift auch im Wohnungswesen und in öffentlichen Geschäften.

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Der Anspruch auf Religionsfreiheit ist nicht neu

Der Museumskurator Ryan McHale äusserte sich ebenfalls während den Anhörungen im Stadtrat. So hätten sich auch die Befürworter*innen der Segregation auf die Bibel berufen, um die Ungleichheit und die Rassentrennung beizubehalten. «Der heutige Anspruch auf Religionsfreiheit ähnelt demjenigen der Segregationisten, die nicht gezwungen werden wollten, Afroamerikaner*innen oder indigene Amerikaner*innen einzustellen, ihnen zu dienen oder mit ihnen zu verkehren», sagte er.

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Nach Sitka, Anchorage und der Hauptstadt Juneau ist Ketchikan die vierte Stadt Alaskas, die einen LGBTIQ-Diskriminierungsschutz erlässt. Das neue Gesetz tritt Mitte August in Kraft.

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