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Trump-Administration erklärt, wie man trans Frauen «erkennt»

Als Hinweise werden Körpergrösse, Adamsapfel und Barthaare aufgeführt

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Bild: iStockphoto

Ein neues Memorandum der US-Regierung schreibt über «Erkennungsmerkmale» von trans Frauen und ermöglicht es Unterkünften für Obdachlose, trans Personen abzulehnen. Derweil spitzt sich die Situation für trans Personen in den USA weiter zu.

In den USA dürfen künftig Unterkünfte für Obdachlose trans Personen verweigern. Anfang Monat gab das Ministerium für Wohnungsbau und städtische Entwicklung bekannt, dass man eine von der Obama-Administration eingeführte Regelung rückgängig machen werde. Die Regelung hatte staatliche unterstütze Einrichtungen dazu verpflichtet, trans Personen gemäss ihrer Geschlechtsidentität in Unterkünften unterzubringen.

In den USA sind viele Unterkünfte für Obdachlose nach Geschlechtern getrennt. Mit der Aufhebung der Obama-Regelung ist es beispielsweise Frauenhäusern fortan freigestellt, ob sie trans Frauen aufnehmen möchten oder nicht. Damit wolle man den «religiösen Überzeugungen der Betreiber besser entgegenkommen».

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In einem von der Newsplattform VOX publik gemachten Memorandum erklärte das Ministerium, wie man das biologische Geschlecht einer Person identifizieren könne. Betreiber*innen dürfen «Faktoren wie Körpergrösse, das Vorhandensein (nicht aber das Fehlen) von Barthaaren, das Vorhandensein eines Adamsapfels und weitere äusserliche Merkmale» berücksichtigen, die «zusammen betrachtet hinweisend auf das biologische Geschlecht einer Person sind».

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Sollte das Auftreten einer obdachlosen Person «zu transgender» sein, dürfen die Einrichtungen einen «Beweis» für das biologische Geschlecht verlangen, darunter unter anderem eine Geburtsurkunde oder einen amtlichen Ausweis. Es sei den Unterkünften jedoch nicht erlaubt, den Genitalbereich von trans Personen zu untersuchen.

Eine*r aus drei trans Amerikaner*innen war zu einem Zeitpunkt im Leben obdachlos

Mit der Aufhebung der Obama-Regelung gebe man Einrichtungen die Macht, über die Geschlechteridentität anderer Menschen zu befinden, kritisierte das National Center for Transgender Equality. «Eine*r aus drei trans Amerikaner*innen war zu einem Zeitpunkt im Leben obdachlos», schrieb die Leiterin Mara Keisling in einer Medienmitteilung. «Nun würden sie lieber auf der Strasse schlafen statt Hilfe holen.»

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Die Obama-Regelung war Ben Carson, seit 2017 Vorsteher des Ministeriums für Wohnungsbau und städtische Entwicklung, schon lange ein Dorn im Auge. In der Vergangenheit hatte er trans Frauen als «grosse haarige Männer» bezeichnet, die die «Rechte von cis Frauen beschneiden». Cis Frauen «fühlen sich nicht wohl dabei, gemeinsam in einer Unterkunft, in einer Dusche, zu sein mit einer Person, die eine ganze andere Anatomie hat.»

Die Haltung gegenüber trans Personen in den USA verschärft sich weiterhin. Im Bundesstaat Maryland weigerte sich das University of Maryland St. Joseph Medical Center, einem trans Mann die Gebärmutter zu entfernen. Wie der Union Bulletin schreibt, hat der Patient Jesse Hammons nun Klage wegen Diskriminierung eingereicht. Das Krankenhaus führe an cis Frauen immer wieder sogenannte Hysterektomien durch, habe sie ihm jedoch verweigert.

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Das University of Maryland St. Joseph Medical Center gehört zwar zu einem Netzwerk von Universitätskliniken, wird jedoch von einer katholischen Gesundheitsinitiative betrieben. Das Krankenhaus begründet seinen Entscheid mit den «ethischen und religiösen Weisungen» des Erzbistums Baltimore.

2017 besuchte Mannschaft Magazin das «Casa Ruby» in Washington D.C., eine Notunterkunft für LGBTIQ-Personen. Ruby Corado hat das Projekt ins Leben gerufen, um die von Arbeitslosigkeit, Armut und Gewalt betroffene Community in den Aussenquartieren der US-amerikanischen Hauptstadt zu helfen.

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