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Marzahn Pride – In Berlin demonstriert der «Teufel»

Weil sich queere Menschen nicht nur im Regenbogenkiez sicher fühlen wollen

Marzahn Pride
Marzahn Pride am 18. Juli (Foto: Quarteera)

Mit der Marzahn Pride wollen LGBTIQ-Aktivist*innen bei der russischen Community in Berlin für Vielfalt und Toleranz werben. Der Zug zieht am Samstag durch den Stadtteil Marzahn, weil dort der Anteil russischer Bewohner sehr hoch sei.

Mit der Marzahn Pride wollen die Aktivist*innen von Quarteera ihren russischsprachigen Mitbürger*innen zeigen, dass die LGBTIQ-Community aus Menschen besteht, die die gleichen Rechte besitzen.

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Aus diesem Grund wollen sie im Zentrum von Marzahn, dem Berliner Stadtteil mit den meisten russischsprachigen Einwohnern, auf sich aufmerksam machen. Ziel: Stereotype auflösen und Marzahn überzeugen, LGBTIQ ohne Wenn und Aber zu akzeptieren, damit sie sich nicht nur am Nollendorfplatz, aber auch in der Landsberger Allee sicher und wohl fühlen können. Auch wenn hier, in Marzahn West, bei der Bundestagswahl 2017 die AfD mit 28,5 Prozent das berlinweit beste Ergebnis geholt hat.

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Und tatsächlich übertragen sich die LGBTIQ-feindlichen politischen Einstellungen in Russland auch auf die russische Community hierzulande, wie die Sprecherin des Vereins Quarteera, Victoria Plekhanova, gegenüber der taz sagte.

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«Viele leben zwar schon lange in Deutschland, sind mit der Seele aber russisch und stehen auch politisch dem russischen Regime nahe. Da passt ein nicht heterosexuelles Paar einfach nicht ins Weltbild. Das gilt leider auch für diejenigen, die schon in zweiter oder dritter Generation hier leben. Anfeindungen wie Satan oder Teufel sind keine Seltenheit.» Bald werde möglicherweise ausserdem in Russland ein Gesetz beschlossen, das es gleichgeschlechtlichen Paaren verbieten soll, zusammenzuwohnen, so Plekhanova.

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller (SPD), erklärte: «Die erste Marzahn Pride ist ein ganz besonderes Ereignis. Sie führt Menschen zusammen, die gemeinsam für Freiheit und Gleichberechtigung demonstrieren und so ihren russischsprachigen Mitbürgerinnen und Mitbürgern und allen in unserer Gesellschaft zeigen, dass Vorurteile und Diskriminierungen fehl am Platz sind. Zugleich lenkt die Marzahn Pride Aufmerksamkeit auf jene LGBTI-Menschen, die in russischsprachigen Ländern bis heute nicht frei leben können.»

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Seit 2017 sorgt etwa die staatliche Verfolgung von Schwulen, Lesben und Bisexuellen in Tschetschenien immer wieder für Schlagzeilen – eine Doku nimmt das Thema auf (MANNSCHAFT berichtete).

Müller dankt dem Verein Quarteera für die Organisation der ersten Marzahn Pride, die aufnehme und stärke, was der Senat 2019 als Massnahmenplan für die Initiative «Berlin tritt ein für Selbstbestimmung und Akzeptanz geschlechtlicher und sexueller Vielfalt» beschlossen habe, nämlich unter anderem LGBTIQ-Geflüchtete zu schützen.

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Auch Kulturstadträtin Juliane Witt (LINKE) findet, dass die Marzahn Pride ein «starkes Signal» sendet. «Eine gute Aktion, sich bei uns im Bezirk mit einer solchen Botschaft auf der Strasse zu zeigen und klar deutlich zu machen, dass Respekt, Gleichberechtigung und Miteinander für die deutsch-russische Gemeinschaft wichtig sind. Das Bezirksamt hat sich mehrfach beim Hissen der Regenbogenflagge deutlich für einen bunten Bezirk, für Stadtteile ohne Angst und für das Respektieren aller Formen selbstbestimmten Lebens ausgesprochen.»

Man freue sich, dass in Marzahn-Hellersdorf mit der Marzahn Pride auch deutlich werde, dass Menschen aller Länder willkommen sind und die Community hier Unterstützung fänden.

An diesem Samstag startet die Marzahn Pride um 12.00 Uhr (zum Facebook-Event). Spenden zur Unterstützung der Pride werden hier gesammelt. Mehr über russisches Leben in Berlin wie etwa Schulen und Restaurants gibt es hier.

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