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Blutspendeverbot für MSM wird laut Jens Spahn überprüft

Die zuständigen Institutionen wie die Bundesärztekammer seien dazu in einem Prozess

Blutspende-Verbot
Symbolbild: AdobeStock

Das Blutspendeverbot für schwule und bisexuelle Männer wird nach Angaben von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) derzeit überprüft. Wie die dpa berichtet, seien die zuständigen Institutionen wie die Bundesärztekammer dabei, die bisherige Praxis zu überprüfen, sagte Spahn am Montag in Berlin.

Der Gesundheitsminister sei diesbezüglich im Gespräch mit diesen Institutionen, um zu schauen, wie hier eine «Auflösung» geschaffen werden könne. Noch Ende Mai hatte es geheissen, der Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter wolle die bestehenden Blutspende­re­geln für MSM auch in der Corona-Pandemie nicht verändern. Spahn hatte auf die Risikobewertung des Robert Koch-Ins­ti­tuts (RKI) verwiesen. Warum er das Thema jetzt erneut angeht, war zunächst nicht bekannt.

Mit der neuen MANNSCHAFT durch den Sommer

 

«Der politische Druck zeigt offenbar Wirkung: Nachdem Jens Spahn bisher nur den Status Quo verteidigt hat, sieht er endlich den Handlungsbedarf zur Abschaffung des ewig gestrigen Blutspendeverbots für homo- und bisexuelle Männer. Besser spät als nie», erklärte Jens Brandenburg, Sprecher für LGBTI der FDP-Bundestagsfraktion. «Vorsichtige Signale reichen aber nicht aus. Der Gesundheitsminister muss seinen Worten jetzt Ergebnisse folgen lassen.» Brandenburg und die FDP-Abgeordnete Katrin Helling-Plahr hatten Spahn und die Bundesärtzekammer im März in einem offenen Brief zur Aufhebung des diskriminierenden Blutspendeverbots aufgefordert.

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Sven Lehmann, Grünen-Sprecher für Queerpolitik, erklärte: «Es ist überfällig, dass Jens Spahn endlich Gespräche mit der Bundesärztekammer zur Überprüfung des diskriminierenden Blutspendeverbotes aufnimmt. Es ist aber enttäuschend, dass dafür erst der massive Druck von Petitionen, Unternehmen, Landtagen und der Opposition im Bundestag notwendig war.»

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In der «Richtlinie zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen und zur Anwendung von Blutprodukten (Richtlinie Hämotherapie)» heisst es: «Zeitlich begrenzt von der Spende zurückzustellen sind Personen, deren Sexualverhalten ein gegenüber der Allgemeinbevölkerung deutlich erhöhtes Übertragungsrisiko für durch Blut übertragbare schwere Infektionskrankheiten, wie (…) HIV bergen, für zwölf Monate.» Neben «heterosexuellen Personen mit sexuellem Risikoverhalten» werden hier «Männer, die Sexualverkehr mit Männern haben», genannt.

Bundesländer wie Hessen und NRW wollen die Diskriminierung bei der Blutspende beenden. Ziel; Die Bundesärztekammer soll eine diskriminierungsfreie Blutspendepraxis auf dem bisherigen Sicherheitsniveau umsetzen (MANNSCHAFT berichtete).

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Die Deutsche AIDS-Hilfe kritisiert die Regelung als diskriminierend, wonach schwule und bisexuelle Männer in Deutschland nur Blut spenden dürfen, wenn sie ein Jahr lang keinen Sex mit einem Mann hatten. Lucas Hawrylak aus Berlin hat eine Petition an den Gesundheitsminister gestartet und will nach einem ersten Etappensieg 50.000 Unterschriften zusammenbekommen.

Jeden Sommer schlagen die Blutspendedienste des Deutschen Roten Kreuzes Alarm: Die Corona-Pandemie und die Ferienzeit verschärfen derzeit die Situation. Doch während Krankenhäuser Blut in Therapie und Notfallversorgung zur Behandlung der Patienten –benötigen, kann der Blutspendedienst den Bedarf kaum decken. Deshalb will das DRK mehr Menschen zur Blutspende zu motivieren. Allein in Nordrhein-Westfalen läge der Bedarf bei über 2.500 Blutkonserven pro Werktag.

In der Schweiz sieht es nicht anders aus. Darum wirbt etwa die Stiftung Blutspende SRK Aargau-Solothurn mit einer Sommeraktion um Spender: Wer vom 1. bis 31. Juli 2020 Blut spendet, kann u.a. Kurzferien im 4-Sterne-Hotel am Vierwaldstättersee gewinnen.

Andernorts wie hier im hessischen Braunatal lockt das DRK mit Kinotickets:

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