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Keshet Deutschland mit Kompassnadel geehrt

Die Initiative junger jüdischer Queers will die Vereinbarkeit von jüdischer Religiosität und LGBTIQ-Identität selbstverständlicher machen

Kompassnadel
Keshet erhält die Kompassnadel (Foto: Schwules Netzwerk NRW)

Seit 1993 lädt das Schwule Netzwerk NRW im Juli zu einem CSD-Empfang anlässlich der Cologne Pride ein – seit 2000 gemeinsam mit der Aidshilfe NRW. In diesem Rahmen verleiht das Schwule Netzwerk auch regelmässig die Kompassnadel, im 20. Jahr an Keshet Deutschland.

Im Corona-Jahr 2020 ist vieles anders: Zwar wird am 11. Oktober im Rahmen der verschobenen Cologne Pride demonstriert, aber den Umständen der Pandemie angepasst. Die Verleihung der Kompassnadel findet allerdings schon jetzt statt.

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Im Jahr 2020 zeichnet das Schwule Netzwerk NRW die Organisation Keshet Deutschland aus, eine Initiative junger jüdischer Queers. Keshet bietet in derzeit einzigartigem Umfang eine Plattform für lsbtiq* Jüd_innen und ihre Lebensrealitäten. Ziel der Organisation ist es, die Vereinbarkeit von jüdischer Religiosität und LGBTIQ-Identität sowohl in jüdischen Gemeinden als auch in der Mehrheitsgesellschaft sichtbarer und selbstverständlicher zu machen.

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In dieser Form ist Keshet (hebräisch für: Regenbogen) in Deutschland momentan das einzige Angebot seiner Art. Zwar gibt es in einigen wenigen jüdischen Gemeinden bereits länger existierende Angebote von und für queere Jüd*innen, als bundesweit aktive Organisation, die sich sowohl Empowerment als auch Sichtbarkeit zum Ziel gesetzt hat, besitzt Keshet allerdings ein Alleinstellungsmerkmal, teilt das Schwule Netzwerk mit.

Der Verein wurde 2018 in Berlin gegründet und hat mittlerweile rund 100 Mitglieder. Regionale Angebote ausserhalb der Hauptstadt sind im Aufbau, etwa in Köln. Zu den Aktivitäten von Keshet gehören Netzwerk- und Austauschangebote im On- und Offlinebereich, Vorträge und Fortbildungsveranstaltungen, interreligiöse Austauschformate und vieles mehr. Dabei bewegt Keshet ganz klar auch eine politische Verantwortung.

«Wir haben alle die gleiche Verantwortung. Die Verantwortung dafür, gegen Antisemitismus, gegen Rassismus, gegen Homo- und Transfeindlichkeit, gegen Sexismus und Vergangenheitsabwehr einzutreten», so Keshet-Vorstandsvorsitzender Monty Ott.

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Sein Stellvertreter Leo Schapiro spricht im MANNSCHAFT-Interview von einem «hohen Konformitätsdruck. Es werde aus traditionellen Gründen gemeinhin von Eltern und Mitmenschen erwartet, dass man möglichst früh einen heterosexuellen jüdischen Partner finde, heiratet und Kinder bekommt. «Schwule jüdische Männer schrecken daher häufig vor einem Coming-out zurück oder kehren den Gemeinden den Rücken, weil Ihnen das Gefühl gegeben wird, sie müssten sich zwischen ihrer jüdischen und sexuellen Identität entscheiden.»

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Die Preisverleihung wurde im Vorfeld aufgezeichnet und ist an diesem Samstag ab 13 Uhr hier zu sehen. Im Vorjahr ging die Kompassnadel beim CSD-Empfang an den Nollendorfblogger Johannes Kram. Auch Claudia Roth (Grüne) hat sie schon bekommen.

Vorbehalte, Ressentiments oder Ausschluss aus der Gemeinschaft – diesen Problemen müssen sich gläubige Schwule stellen, wenn sie sich outen. Damit beschäftigt sich die SWR-Reportage «Jung, schwul, gläubig – Geht das für Christen, Juden und Muslime?», die noch bis Mai 2021 in der Mediathek abrufbar ist.

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