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Nach Fahnenverbot: Spanisches Dorf versinkt im Regenbogen

Etwa 500 Regenbogenfahnen machen Villanueva de Algaidas zum farbenfrohsten Dorf Spaniens.

Villanueva de Algaidas
Grosse Solidarität in Villanueva de Algaidas (Bild: Twitter)

Nachdem die Regenbogenfahne am Rathaus von Villanueva de Algaidas aus rechtlichen Gründen entfernt werden musste, solidarisierten sich zahlreiche Einwohner*innen mit der LGBTIQ-Community. Das Farbenmeer ist einem andalusischen Ladenbesitzer zu verdanken – und indirekt auch dem Coronavirus.

An Balkonen, Fenstern, Wänden und Menschen – plötzlich war der Regenbogen überall. Etwa 500 Regenbogenfahnen machen Villanueva de Algaidas zum wohl farbenfrohsten Dorf Spaniens. Angefangen hatte alles mit einer Beschwerde dreier Einwohner*innen. Diese behaupteten nämlich, dass die von Bürgermeister Juan Cívico montierte Flagge am Rathaus illegal im andalusischen Wind flatterte.

Spanien einmal anders

Polizei setzt Verbot durch
Tatsächlich bekam das nörgelnde Trio recht, wie Reuters am gestrigen Sonntag berichtete. Laut einem Urteil des höchsten Gerichts Spaniens dürfen nur «offizielle» Flaggen die Gebäude der Gemeinden schmücken. Dazu zählen etwa Fahnen der spanischen Regionen und der EU.

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Die Polizei verlangte nach der Beschwerde das Abhängen der acht Meter langen Fahne. Dabei hing diese schon in den Jahren zuvor für den Pride-Monat am Rathaus. Doch der Bürgermeister sah keine Alternative. «Wir sahen, dass wir gemäss geltendem Recht die Flagge entfernen mussten», sagt Cívico. Den 4’200 Einwohner*innen von Villanueva de Algaidas stünde es jedoch natürlich frei, ihre Häuser mit Regenbogenfahnen zu schmücken.

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Riesige Solidarität
Dies brachte Antonio Carlos Alcántara, der in Villanueva de Algaidas aufgewachsen war, auf eine Idee. In seinem Laden im nahegelegenen und bei LGBTIQ-Tourist*innen beliebten Urlaubsort Torremolinos führt er selbst Regenbogenfahnen. Sie waren für die längst abgesagten Pride-Feierlichkeiten in der Region gedacht. Wegen der Corona-Krise blieb er nun auf ihnen sitzen.

«Es nervte mich, dass sie eine Flagge entfernen mussten, die niemandem Schaden zufügte», sagt Alcántara dem Guardian. Auf der Facebookseite der Gemeinde fragte er deshalb, ob jemand eine von den Flaggen hissen möchte. Daraufhin erhielt er sogleich mehr als hundert Anfragen.

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Weitere Bestände leergekauft
Die enorme Nachfrage veranlasste Ladenbesitzer Alcántara schliesslich, in seine alte Heimat zu fahren und weitere 300 Regenbögen zu verteilen. Nun versinkt das Dorf fast in der Farbenpracht. «Ich finde, die Menschen sollten frei sein, zu lieben, wen sie möchten, solange das niemandem schadet», findet eine Einwohnerin der Ortschaft gegenüber Reuters. An ihrer Fassade hängen gleich zwei Regenbogenfahnen.

Nachdem Alcántara keine Flaggen mehr auf Lager hatte, kauften die Bewohner*innen noch aus weiteren Beständen in lokalen Geschäften.

Gesetz sorg für Kopfzerbrechen
Das neue Regenbogenverbot Spaniens sorgte in der Pride-Saison auch in anderen Orten für Kopfzerbrechen. In Cádiz und Barcelona widersetzte man sich der Anordnung sogar offen und montierte die Fahnen trotzdem, wie der Guardian berichtet.

Spanien gilt als liberales Land im Umgang mit Homosexualität. Beispielsweise war es 2005 das weltweit dritte Land, das gleichgeschlechtlichen Paaren die Ehe und Adoption erlaubte (MANNSCHAFT berichtete).

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