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Dragqueens beklagen Pinkwashing bei Agenturen und Firmen

Candy Crash aus Berlin hat ein emotionales Video veröffentlicht

Pinkwashing
Klagen Pinkwashing an: Candy Crash und Jurassica Parka (Foto: Instagram)

Alle Jahre wieder, zur Pride Saison: Viele Firmen versuchen, mit dem Anschein von Support für die LGBTIQ-Community Geschäfte zu machen. Jetzt macht eine Berliner Dragqueen die Pinkwashing-Masche öffentlich – und viele Kolleginnen stimmen ihr zu.

Viele Unternehmen setzen beim Marketing auf Diversity und Inklusion, gerade zur Pride-Saison. Aber nicht überall wo LGBTIQ draufsteht, ist auch LGBTIQ drin (MANNSCHAFT berichtete).

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Candy Crash ist eine Berliner Dragqueen, die im vergangenen Jahr bei der ProSieben-Show «Queen of Drags» mitgemacht hat (MANNSCHAFT berichtete) und in der dritten Folge ausschied. Mit ihrer Reichweite von rund 75.000 Abonnent*innen ist sie eine begehrte Werbebotschafterin, gerade zur CSD-Saison. Doch zahlen wollen die meisten Agenturen oder Firmen nichts. In einem emotionalen Video klagt sie über verbreitetes Pinkwashing.

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Üblicherweise bekäme sie zur Pride-Saison Anfragen, die beginnen mit: «Wir lieben was Du tust, wir lieben Deinen Content … » Die Firmen oder Agenturen bieten einen 20%-Rabattcode für die Community an. Wenn Candy aber nach dem Honorar fragt, heisst es: «Es ist Pride, deshalb haben wir kein Budget – aber es ist ja für die Community.»

Als Drag Queen und Influencerin verdient sie aber ihr Geld teilweise mit Werbeposts. Umsonst arbeiten zu sollen, unter dem Deckmantel des Supports für die Community, kommt für sie nicht mehr in Frage. «Liebe Leute, es reicht mir!» Mit diesen Worten beginnt ihr Video, das sie jetzt via Instagram veröffentlichte. Ihr Vorwurf an Firmen und PR-Agenturen: «reines Pinkwashing»!

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Das Vorgehen der Agenturen macht die Dragqueen so wütend, dass sie dazu das Video gepostet hat, das mittlerweile über 133.000 mal angesehen wurde. Sie prangert an, dass hier Pinkwashing betrieben werde. Und erklärt, dass sie das Spiel nicht mehr mitspiele.

Über das ganze Jahr werde sie für Werbeaufträge nicht anfragt oder abgelehnt, weil sie  homosexuell ist. Über Jahre sei sie nicht gesehen worden. Aber sobald die Pride-Saison beginnt, ändert sich alles. Dann melden sich deutsche Agenturen, die zumeist internationale Firmen vertreten, so Candy gegenüber MANNSCHAFT.

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Ihr sei immer wieder versprochen worden, nach der unentgeltlichen Kooperation komme ein Auftrag mit Budget – doch das sei nie passiert. «Es reicht mir!», erklärt sie.

Sie hat es jahrelang geschluckt, aus Angst, die Kund*innen wollten nicht mehr mit ihr arbeiten. Aber  nun steht für sie fest: Sie werde nicht mehr ohne Honorar arbeiten. Den Agenturen, denen sie nun Pinkwashing vorwirft, antwortet sie höflich – und hört von den meisten nie wieder.

Für ihre Anklage bekommt sie viel Zuspruch. Etwa von Katy Bähm, die ebenfalls in der ersten Staffel von «Queen of Drags» teilnahm. Auch von Marvyn Macnificent, der bei Instagram 604.000 Abonnent*innen hat, gibt es Zustimmung.

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«Hass ich! Arbeite grundsätzlich nicht mit Marken zusammen zum Pride Month, die vorher auch noch nie mit mir gearbeitet haben. Dafür ist man dann immer gut genug, aber vorher und danach komplett irrelevant und wird noch nicht mal in Erwägung gezogen.»

Auch die Dragqueen Jurassica Parka kennt diese Fälle von Pinkwashing. Immer zu Beginn der Saison bekomme sie die krudesten Anfragen von Leuten, die sich sonst nicht für die Szene interessieren, sagt sie dem Berliner Kurier. «Ich kaufe den grossen Unternehmen nicht ab, dass sie wirklich daran interessiert sind, die Szene zu unterstützen.»

Da merkt man, dass die null Ahnung von der CSD-Parade hatte.

Gegenüber MANNSCHAFT erzählt Jurassica von der Anfrage eines E-Scooter-Verleihers. «Die haben zum CSD extra mit Regenbogen gebrandete Roller in die Stadt gestellt. Das Marketing rief mich an und fragte, ob ich am CSD-Tag an fünf verschiedenen Orten in Berlin Selfies mit den Rollern machen kann – für ein Honorar. Als ich dann sagte, dass ich auf dem Wagen der DAH auflege und es nicht machen kann – ich hätte auch sonst abgelehnt -, sagte die Frau, ich könnte doch bestimmt mal für eine Stunde runter vom Wagen und schnell zu den Rollern fahren. Da merkt man, dass die auch null Ahnung von der Parade hatte.»

Ein anderes Mal wurde die Berliner Dragqueen von einem Smoothie-Hersteller anfragt; da sollte sie Selfies mit dem Smoothie mit Regenbogen machen, ebenfalls gegen Honorar. «Da habe ich aber gesagt, dass ein Smoothie für mich nicht viel mit meiner schwulen Emanzipation zu tun hat und ich ablehne.»

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Sie nehme lieber Jobs an, wenn es sich für sie echt anfühle. «Für die Berliner Stadtreinigung (BSR) habe ich mal ein Selfie vor einem Plakat der BSR-Kampagne gemacht, mit einem Lesben-Hochzeitspaar.»

Es gibt aber auch Firmen, mit denen Candy Crash schon länger zusammenarbeitet und diese lobend erwähnt – Mac Cosmetics etwa. «Die Zusammenarbeit macht mich stolz», sagt Candy gegenüber MANNSCHAFT, «weil das Unternehmen für Vielfalt und Gleichberechtigung und gegen Rassismus eintritt.»

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