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Britisches Museum nimmt neue queere Objekte auf

Die kulturhistorische Stätte bietet kostenlose LGBTIQ-Führungen an

lgbtiq britisches museum
Ein Zeitdokument der Gegenwart: Die Neun-Schilling-Note mit dem schwulen Gangster Ronnie Kray. (Bild: Britisches Museum)

Das Britische Museum erweitert seine Dauerausstellung mit fünf Zeugnissen der LGBTIQ-Geschichte. Die Exponate sollen die Tatsache unterstreichen, dass homosexuelle Liebe und geschlechtliche Vielfalt «schon immer Teil der menschlichen Erfahrung gewesen seien».

Grossbritannien befindet sich zwar noch im Lockdown, doch das Britische Museum in London bereitet sich schon auf die Wiedereröffnung vor. Das kulturhistorische Museum nimmt den Pridemonat Juni zum Anlass und ergänzt seine Dauerausstellung mit fünf Exponaten mit einem ausschliesslich queeren Kontext.

«Wir freuen uns sehr, diese fünf Objekte im Rahmen unserer Bemühungen, das volle Spektrum an Geschichten und Identitäten der LGBTIQ-Geschichte besser zu repräsentieren, in unserer Daueraufstellung aufzunehmen», sagte Stuart Frost vom Britischen Museum gegenüber der britischen Gay Times. «Zusammen mit anderen Objekten in der Dauerausstellung zeigen sie, dass homosexuelle Liebe, Lust und geschlechtliche Vielfalt schon immer ein integraler Teil der menschlichen Erfahrung waren.»

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Die Ausstellungsstücke stammen aus den unterschiedlichsten Epochen und Ecken der Welt. Das älteste davon ist eine römische Öllampe aus dem ersten Jahrhundert, die das Museum bereits in 2005 erworben hatte. Die Lampe aus Terrakotta zeigt zwei Frauen beim Oralsex – ein Akt, der dem Museum zufolge in der Antike als Tabu galt. Unter diesem Aspekt bilde die Darstellung eher die Fantasie eines heterosexuellen Mannes dar als eine in der römischen Gesellschaft offen gelebte Realität.

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Lesbische Symbolik: Die römische Öllampe (links) und die Münze mit der Dichterin Sappho (Bild: Britisches Museum)

Das zweite Exponat ist eine griechische Münze aus dem zweiten Jahrhundert, die das Museum 1877 als Geschenk der Bank von England erhalten hatte. Auf der einen Seite ist der Kopf der Sappho zu sehen, Namensgeberin des Begriffs «Lesbe». Die griechische Dichterin lebte im siebten Jahrhundert vor Christus auf der griechischen Insel Lesbos und verfasste die «Ode an Aphrodite». Bis zum 19. Jahrhundert hatte sich aufgrund ihrer Gedichte die Bezeichnung «Lesbe» für Frauen liebende Frauen etabliert. Die Münze ist das älteste Abbild der Sappho im Besitz des Museums.

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Iwai Hanshiro V war ein prominenter Vertreter der Wakashu, dem dritten Geschlecht in Japan. (Bild: Britisches Museum)

Ein japanischer Farbholzschnitt zeigt Iwai Hanshiro V, der von 1776 bis 1847 gelebt hatte. Der junge Kabuki-Tänzer war ein Spezialist für weibliche Rollen und ist hier in Frauenkleidung abgebildet. Sogenannte Wakashu – männliche Jugendliche – galten mit ihrer Androgynität als drittes Geschlecht und wurden von Frauen und Männern begehrt. Das Britische Museum besitzt mehrere solcher Farbholzschnitte mit LGBTIQ-Motiven und wird diese regelmässig rotieren.

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Ein weiteres Exponat ist die Bronzemedaille des Chevaliers d’Éon, dessen Gesichtszüge typisch männlich sind – die Aufschrift lautet jedoch «Madame». Der französische Soldat, Diplomat und Spion lebte zeitweise mit weiblicher Identität. Im politischen Exil in London sorgte der Chevalier d’Éon mit der Veröffentlichung von Geheimdokumenten für einen Eklat, der das öffentliche Interesse in seine Geschlechtsidentität nur noch weiter befeuerte. Anfang des 20. Jahrhunderts prägte der Sexualforscher Havelock Ellis den Begriff «Eonismus» für «transvestitische Neigungen»

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Der Chevalier d’Éon lebte zeitweise als Frau. (Bild: Britisches Museum)

Das letzte der fünf Exponate ist ein Zeitdokument der Gegenwart: Eine Neun-Schilling-Banknote des Kunstprojekts «Gay Shame» aus 2008, das die Kommerzialisierung der jährlichen Prideveranstaltungen in Frage stellte. Das Objekt ist eine Visualisierung der Redewendung «queer wie eine Neun-Schilling-note» und zeigt statt der Queen das Konterfei den schwulen Gangsters Ronnie Kray (1933–1995). Nachdem die Bank von England 1970 die offizielle Zehn-Schilling-Note aus dem Verkehr gezogen hatte, kam auch die Redewendung aus der Mode. Die Neun-Schilling-Note kann bereits in der virtuellen Ausstellung des Britischen Museums bei Google Arts & Culture bewundert werden.

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Das Britische Museum bietet jährlich mehrere kostenlose Führungen über LGBTIQ-Objekte an. «Wir freuen uns auf die Wiedereröffnung und die Wiederaufnahme unserer sehr beliebten LGBTIQ-Führungen, sobald es sicher ist», sagte Sarah Saunders vom Britischen Museum bezüglich des gegenwärtigen Lockdowns in Grossbritannien. Zurzeit sei das Museum auf der Suche nach einem Sponsoren, um vermehrt queere Objekte kuratieren zu können. «Wir wollen LGBTIQ-Perspektiven einem möglichst breiten Publikum zugänglich machen.»

In der Onlinekollektion «Desire, Love and Identity» und auf dem offiziellen Blog des Britischen Museums gibt es weitere queere Zeitdokumente zur Ansicht.

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