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Grindr gehört jetzt drei Hetero-Männern

«Ich möchte aus Grindr einen positiven Ort für alle machen, nicht nur für die gutaussehenden Menschen»

Ghosting smartphone dating
Foto: Eddy Billard/Unsplash

Grindr ist nun wieder in US-amerikanischer Hand. Die neuen Inhaber – drei heterosexuelle Männer – wollen die Dating-App zu einem «positiven Ort» machen.

In den letzten Jahren bröckelte das Image von Grindr. Die Dating-App kam in die Kritik, nachdem bekannt wurde, dass das Unternehmen Daten HIV-positiver User*innen an Dritte verkauft hatte und LGBTIQ-Angestellte entliess, um heterosexuelle Cis-Personen anzuheuern. Auch die Community äusserte sich immer wieder kritisch zum Nutzerverhalten. Von Ausgrenzung war die Rede, von offenem Rassismus in Profiltexten sowie von Feindseligkeiten gegenüber übergewichtigen oder feminin auftretenden Männern. Im Zuge der Black-Lives-Matter-Bewegung der letzten Wochen kündigte Grindr an, den umstrittenen Ethnienfilter zu entfernen (MANNSCHAFT berichtete).

Für das volle Lesevergnügen – Das ändert sich auf MANNSCHAFT.com

Die App ist nun wieder in US-amerikanischem Besitz. Der Gründer Joel Simkhai hatte Grindr 2018 für rund 250 Millionen US-Dollar an die chinesische Kunlun-Gruppe verkauft. Mit der Übernahme nicht einverstanden war das US-Regierungskomitee zur Kontrolle von Auslandsinvestitionen CFIUS (MANNSCHAFT berichtete). Es stufte die chinesische Eigentümerschaft als nationales Sicherheitsrisiko ein und befürchtete, dass die sensiblen Daten der US-amerikanischen Nutzer*innen, darunter auch HIV-Angaben, in falsche Hände geraten könnte. Bis Mitte 2020 müsse Kunlun die Dating-App wieder verkaufen.

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Dies ist nun offenbar geschehen. Für 608,5 Millionen US-Dollar hat die Investorengruppe San Vicente Acquisition Partners 98,5% der Anteile von Grindr gekauft. Zu den Investoren gehören unter anderem Jeff Bonforte, Rick Marini und Gary Hsueh, die neu als CEO, COO und CFO von Grindr auftreten – drei heterosexuelle Männer, wie advocate.com schreibt. Sowohl Bonforte als auch Marini sind grosse Namen im Silicon Valley, die sich bereits als Investoren oder Unternehmensleiter für Plattformen wie Flickr, Reddit, Snapchat und Yahoo eingebracht haben.

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In einem Exklusivinterview mit der US-amerikanischen Zeitschrift legen Bonforte und Marini ihre neuen Pläne für die Dating-App aus. Sie wollen ein «neues Kapitel» aufschlagen und aus Grindr einen «positiven Ort» machen.

Mit einem Drei-Punkte-Plan möchte die Unternehmensleitung die App wieder auf Vordermann bringen. Zuerst wolle man die Datenarchitektur und die Programmierung überprüfen, damit man die Sicherheit der User*innen gewährleisten könne. Danach wolle man sich der Produktentwicklung widmen und den Ausbau einzelner Features prüfen. Damit versuche man, die «Community weiterhin zu aktivieren», sagt Bonaforte. Grindr sei mehr als nur Sexdates. Er habe von ehemaligen User*innen erfahren, dass sie das Gemeinschaftsgefühl vermissen, nachdem sie aufgrund einer Beziehung die App deinstalliert hatten. Andere würden Grindr auf Reisen verwenden, um Anschluss zu finden und Tipps zu erhalten. Bonforte hofft, dass die App vermehrt auf diese Bedürfnisse eingehen könne.

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Es werde jedoch kein Redesign geben. «Man muss aufpassen, dass man nicht das Kernprodukt verändert», sagt Bonforte. «Wir wollen Grindr nicht schaden. Es ist so gut».

In einem dritten Schritt wolle man die Unternehmenskultur pflegen. Man werde «definitiv» mehr LGBTIQ-Personen anstellen, sei das als Angestellte, als Teamleiter*innen oder als Vorstandsmitglieder. LGBTIQ-Personen in der Firma zu haben sei «wichtig, um die Bedürfnisse der User*innen zu kennen», so Marini.

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Wie Bonforte weiter ausführt, habe er auf Reddit mehrere Geschichten von User*innen gelesen, die bei Grindr aufgrund ihres Alters, ihres Gewichts, ihrer Hautfarbe oder anderen Eigenschaften ausgegrenzt worden seien. Diese Art des Blossstellens sei Teil der menschlichen Natur und käme nicht nur bei der queeren Dating-Apps vor. «Es passiert nicht ausschliesslich bei Grindr oder im digitalen Raum, tritt jedoch an beiden Orten verstärkt auf», sagt er. «Angesichts des Ausmasses, wie es auf Grindr geschieht, versuchen wir sicherzustellen, dass die User*innen eine positive Erfahrung machen können.»

Ausgrenzung im Internet könne viele Gründe haben, darunter fehlendes Einfühlungsvermögen, Naivität oder die Anonymität, so Bonforte. Von einer trans Person habe er erfahren, dass sie auf Grindr wiederholt blossgestellt worden sei. Mit Produktentwicklung und der Sensibilisierung von User*innen wolle man für mehr Einfühlungsvermögen plädieren und ein besseres Nutzungserlebenis fördern.

«Ich möchte aus Grindr einen positiven Ort für alle machen, nicht nur für die gutaussehenden Menschen, die es in der Gesellschaft schon einfach haben», sagte Marini. «Es muss für alle funktionieren. Liebe ist Liebe. Daran werden wir bestimmt arbeiten.»

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