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Thüringer Städte irritiert über Polens «LGBT-freie Zonen»

Weimar will nun handeln

LGBT-freie Zonen
Symbolbild: Bart Staszewski (Der Aktivist hat in Polen queere Menschen vor dem Ortschild ihrer «LGBT-freien» Stadt fotografiert)

Der LSVD hatte über 300 Bürgermeister*innen angeschrieben und sie gebeten, LGBTIQ-feindliche Resolutionen anzusprechen, zu kritisieren und zu handeln. Das Antwortschreiben der Stadt Weimar liegt nun vor. Auch Gotha hat sich geäussert.

Man habe bisher nicht reagiert, da die Pandemie eine neue und sehr fokussierte Agenda vorgegeben habe, heisst es aus Weimar. Der LSVD Thüringen hatte ein deutliches Zeichen vom Oberbürgermeister gefordert (MANNSCHAFT berichtete).

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Nun teilte die Stadt dem LSVD mit: «Die Stadt Weimar verfolgt die Geschehnisse in Polen – und natürlich insbesondere in ihrer Partnerstadt Zamosc – mit Unverständnis und grosser Besorgnis. Wir pflegen bisher eine freundschaftliche Beziehung zu unseren Partnern in Zamosc und sind aus diesem Grund natürlich zusätzlich irritiert. Die Stadt Weimar kann und will schon vor dem Hintergrund ihrer Geschichte und der Nähe zur Gedenkstätte Buchenwald keine Ideen und schon gar keine aktiven Prozesse von Ausgrenzung, Entrechtung, Diffamierung und physischer wie auch psychischer Gewalt tolerieren.»

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Nachdem man zum Ende des vergangenen Jahres noch hoffnungsvoll davon ausgegangen sei, dass sich der politische Wind in Polen wieder drehen würde, habe man nun als ersten Schritt in Richtung aktive Kommunikation mit Zamosc einen entsprechenden Brief an den Stadtpräsidenten aufgesetzt und sei in Terminabsprachen für einen Video Call zwischen ihm und unserem Oberbürgermeister.

«Wir hoffen inständig, dass sich in ganz Polen wieder humanitäre Grundprinzipien durchsetzen und für die Stadt Weimar ein weiterhin partnerschaftlicher Austausch mit Zamosc auf Grundlage gemeinsamer Werte möglich sein kann.»

Auch die thüringische Stadt Gotha hat sich auf das Sammelschreiben des LSVD geäussert. Die Residenzstadt habe insgesamt sechs Partnerstädte in Europa, den USA und Äthopien. Dementsprechend befremdlich empfinde man die zunehmende LGBTIQ-Feindlichkeit in Polen. Die polnische Partnerstadt Kielce habe sich dieser Bewegung jedoch nicht angeschlossen. Im Gegenteil, im vergangenen Jahr fand dort der erste «Marsch der Gleichberechtigung statt».

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Im Brief von Oberbürgermeister Knut Kreuch (SPD) an Kielces Stadtpräsidenten Bogdan Wenta vom 2. April 2020 heisst es: «Wir, und damit meine ich auch die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Gotha, sind sehr stolz, dass wir mit Kielce eine so weltoffene Partnerstadt vorzuweisen haben, die ein solches Statement nicht nötig hat. Mir war es wichtig, dies einmal zum Ausdruck zu bringen.»

Der LSVD hatte über 300 Bürgermeister*innen angeschrieben und sie gebeten, LGBTIQ-feindliche Resolutionen und Beschlüsse offen anzusprechen und auch die Art der Zusammenarbeit zu überdenken. Sie sollten deutlich machen, dass der Schutz der Grundrechte von LGBTIQ die Grundlage einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit ist.

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