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Wie schnell verlässt US-Botschafter Richard Grenell Berlin?

Es ist der höchstrangige offen schwule Vertreter der US-Regierung – Trump nennt ihn «Superstar»

Richard Grenell
Richard Grenell (Foto: Facebook)

Nach seiner Ablösung als Geheimdienstkoordinator der US-Regierung wolle Richard Grenell auch seinen Posten als Botschafter in Berlin räumen, hiess es am Sonntag zunächst. Das sei aber noch nicht entschieden, stellte wiederum Grenells Sprecherin klar.

Eine Sprecherin des US-Botschafters Richard Grenell hat einen Bericht der Deutschen Presse Agentur zurückgewiesen, wonach bereits entschieden sei, dass Grenell innerhalb der nächsten Wochen als US-Botschafter abtreten werde.

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«Die Berichterstattung der dpa kann ich aktuell nicht bestätigen», sagte Grenells Sprecherin gegenüber der Rheinischen Post (Montag). Es sei Richtlinie der US-Botschaft, keine Kommentare zu Reisen oder Zeitplänen abzugeben. «Aber Botschafter Grenell hat sich weiterhin aktiv an den Prioritäten der Verwaltung für Deutschland beteiligt, während er als amtierender Geheimdienstkoordinator tätig war», sagte die Sprecherin.

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Grenell ist der höchstrangige offen schwule Vertreter der Trump-Regierung. Der Präsident lobte seinen Botschafter am Sonntag geradezu überschwänglich für dessen Arbeit als kommissarischer Geheimdienstkoordinator. «Richard Grenell ist ein Superstar», so Trump in einem US-Fernsehinterview. Was er für das Land getan habe, sei unglaublich. «Er hat einen der besten Jobs gemacht, den ich je gesehen habe.»

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Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur wolle der 53-Jährige bereits innerhalb der nächsten Wochen abtreten – deutlich vor der Präsidentenwahl in den USA am 3. November. Seine Amtsgeschäfte wird dann voraussichtlich vorübergehend Robin Quinville übernehmen, die seit Juli 2018 Gesandte an der Botschaft und damit Stellvertreterin Grenells ist.

Grenell war im Februar überraschend von US-Präsident Trump nach Washington berufen worden, um kommissarisch den Posten des Geheimdienstkoordinators zu übernehmen. Hintergrund war, dass der bis dahin geschäftsführende Koordinator Joseph Maguire bei Trump in Ungnade gefallen war und zurücktrat, weswegen eine schnelle Zwischenlösung gefunden werden musste. Nun ist aber ein neuer, permanenter Koordinator für die 17 Geheimdienste gefunden: Am Donnerstag wurde der Kongressabgeordnete John Ratcliffe vom Senat bestätigt.

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Damit endet eine dreimonatige Amtszeit Grenells. Dass er nun auch seinen Botschafterposten abgeben will, kommt nicht ganz überraschend. Zwar hatte Grenell im Februar noch erklären lassen, dass er Botschafter bleiben wolle. Zwei Wochen später berichtete aber das US-Online-Magazin The Daily Wire, Grenell habe dem Weissen Haus seine Rücktrittsabsicht mitgeteilt. Darauf wies Grenell am heutigen Sonntag bei Twitter hin.

Im Februar 2019 hatte die Trump-Administration in Berlin eine weltweite Kampagne für die Rechte von Homosexuellen gestartet – mit Richard Grenell an der Speerspitze (MANNSCHAFT berichtete). Was daraus geworden ist, ist allerdings unklar.

In der LGBTIQ-Zeitschrift them.us schrieb der US-Aktivist Matt Baume damals: «Die neuen Pläne sind sehr vage, und sie kommen nach zwei Jahren, in denen die Trump-Regierung intensiv daran gearbeitet hat, LGBTIQ-Menschen zu unterdrücken.»

Baume fragte Jeremy Kadden von der Organisation Human Rights Campaign, wer eigentlich bei dem Strategiegespräch in Berlin dabei sei. Kadden antwortete: «Wir haben keine Ahnung. Uns hat niemand gefragt.»

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Die Berliner LGBTIQ-Community wird Grenell wohl nicht vermissen. Er sorgte schon für reichlich Unmut. So hatte der geschäftsführender Vorstand der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld Jörg Litwinschuh-Barthel im Sommer 2018 ein Foto veröffentlicht, das ihn Arm in Arm mit Grenell auf dessen CSD-Empfang zeigte. Es hagelte Kritik aus der Community und vom Stadtmagazin Siegessäule. Deren Kolumnist Dirk Ludigs sprach von einem naiven «Umgang der neuen amerikanischen Rechten», Johannes Kram vom Nollendorfblog sah in dem Foto einen «Erfolg der Anführer der Gegen-Emanzipation». Litwinschuh-Barthel entschuldigte sich schliesslich auf Facebook.

Er habe aus persönlicher Eitelkeit bei dem Foto sein eigentliches Anliegen konterkariert, mit dem Botschafter in einen kritischen und selbstbewussten Dialog eintreten zu wollen. Dies bedauere er. «Den Dialog mit dem Botschafter und weiteren konservativen Kräften setze ich fort.»

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