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Karlsruher Klinik schmeisst homophoben Chirurg raus

Der Chirurg hatte getwittert, Homosexualität und Transsexualität seien Krankheiten

Helios-Klinik
Symbolbild: Piron Guillaume/Unsplash

Der Arzt, der seit vielen Jahren an der Karlsruher Helios-Klinik als Herzchirurg arbeitete, hatte getwittert, Homosexualität und Transsexualität seien Krankheiten. Nun ist er seinen Job los.

Der Herzchirurg, der Ende April auf Twitter Homo- und Transsexualität als Krankheiten bezeichnet hatte, wird nicht länger an der Karlsruher Helios-Klinik arbeiten. Der Klinikgeschäftsführer David Assmann erklärte am Mittwoch auf Anfrage der Badischen Neuen Nachrichten (BNN), die Zusammenarbeit sei beendet. Zuvor hatte die Klinik den Arzt bereits beurlaubt (MANNSCHAFT berichtete).

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«Nach eingehender Prüfung und auch nach mehreren Gesprächen mit dem Arzt haben wir uns entschlossen, die Zusammenarbeit ab sofort zu beenden. Wir bedauern den Vorfall sehr und haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht, wir halten das Vorgehen aber für den richtigen Schritt», so Assmann jetzt.

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Metin C. hatte einen homo- und transfeindlichen Tweet abgesetzt und erhielt darauf schnell Zehntausende Likes.

Homosexualität ist krank
Homosexualität ist krank, findet Metin C. (Screenshot)

Derzeit prüft die Staatsanwaltschaft Karlsruhe, ob gegen den Arzt ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wird, etwa wegen Volksverhetzung und Beleidigung. Zwar hatte ein erstes Prüfverfahren ergeben, dass kein Anfangsverdacht bestehe. Doch nach der Anzeige eines Bürgers werde die Sache nun erneut geprüft, heisst es in dem BNN-Bericht weiter.

Der Tweet des Chirurgen hatte in der Helios-Belegschaft zu heftigen Diskussionen geführt. Daraufhin hatten Mitarbeiter*innen der Klinik spontan eine Fotoaktion unter dem Motto «Wir stehen für Vielfalt» gestartet. Binnen weniger Stunden setzte die diensthabende Belegschaft damit ein Statement für Diversität und Inklusion.

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Schon aus fachlicher Sicht sollte es der Arzt besser wissen. Zunächst hatte die Weltgesundheitsorganisation Homosexualität 1990 von der Liste psychischer Krankheiten gestrichen. Und Transsexualität wurde im vergangenen Jahr als «Zustand sexueller Gesundheit» definiert. Man wolle die Stigmatisierung von trans Menschen beenden, so die WHO. Die neue internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, kurz ICD 11, soll ab 2022 international gelten (MANNSCHAFT berichtete).

Kürzlich hatte der Präsident des türkischen Amtes für religiöse Angelegenheiten, Diyanet, in seiner Predigt zu Beginn des Fastenmonates Ramadan gegen Homosexuelle gehetzt: «Kämpfen wir gemeinsam gegen die Homosexuellen gegen diejenigen, die unverheiratet die Sex haben, sie bringen die Krankheiten wie HIV, sie zerstören die Folgegenerationen». (MANNSCHAFT berichtete).

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