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«Wir zelebrierten es, dass wir das einzige Team ohne Lesbe waren»

28 lesbische Spitzensportlerinnen erzählen

vorbild vorurteil
Isabel Jud ist eine von 28 porträtierten Spitzensportlerinnen. (Bild: Lilian Salathé, «Vorbild und Vorurteil»)

Ein neues Buch wirft einen Blick auf offen lesbische Frauen im Schweizer Spitzensport. In ihren eigenen Worten sprechen sie in «Vorbild und Vorurteil» über ihren Werdegang, ihr Coming-out und den Faktor Homosexualität, wenn es um Sponsorenverträge geht.

«Scheisse, ich bin lesbisch.» Dieser Gedanke fuhr Isabel Jud durch den Kopf, als sie sich mit 24 Jahren in eine Frau verliebte. Die damalige Eishockeyspielerin tat sich anfänglich schwer damit, ihrem Team etwas zu erzählen. Denn: «Wir zelebrierten es, dass wir das einzige Team der Liga waren, in dem es keine Lesbe gab», erzählt sie im neuen Buch «Vorbild und Vorurteil», das im April erschienen ist.

Den Mitspielerinnen fiel jedoch auf, dass Jud ständig mit einer Frau unterwegs war. Auf der Fahrt an ein Eishockeyspiel wollten sie wissen, wo sie sich denn ständig herumtreibe. «Da bin ich in Tränen ausgebrochen und habe ihnen erzählt, dass ich mich in eine Frau verliebt hätte», sagt die heute 44-jährige Jud. «Zu meinem Erstaunen reagierten alle Teamkolleginnen herzlich und umarmten mich. Ich bin extrem dankbar, dass ich solch positive Erfahrungen machen konnte.»

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Heute ist Jud Schweizer Nationaltrainerin der Snowboard Freestyle Frauen. In der relativ jungen Sportart Snowboard gibt es noch weitere offen lesbische Sportlerinnen, etwa die dreifache Olympionikin Simona Meiler oder die «Snowboard Big Air»-Weltcupsiegerin Carla Somaini.

Überhaupt sind offen lesbische Frauen in den verschiedensten Sportarten vertreten. «Vorbild und Vorurteil» porträtiert 28 lesbische Spitzensportlerinnen aus unterschiedlichen Disziplinen wie Handball, Fussball, Ski Alpin, Leichtathletik, Boxen, Tanz, Rad oder Judo. Im Buch ebenfalls zu Wort kommt etwa Lara Dickenmann, achtfache Schweizer Fussballerin des Jahres, oder Maja Neuenschwander, Schweizer Rekordhalterin im Marathon.

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Die porträtierten Sportlerinnen stammen aus verschiedenen Generationen und erzählen offen über ihren Werdegang – und sie reflektieren, welche Rolle es spielte oder spielt, dass sie lesbisch sind. Wie war ihr Coming-out? Ist Homosexualität auch heute noch von Bedeutung, wenn es um Sponsorenverträge geht?

In einer Medienmitteilung resümieren die fünf Autorinnen Corinne Rufli, Marianne Meier, Monika Hofmann, Seraina Degen und Jeannine Borer.: «Für ältere Ikonen im Schweizer Spitzensport ist der offene Umgang mit dem Thema Frauenliebe oft schwieriger, für viele jüngere Sportlerinnen ist er selbstverständlich. Doch auch das trifft nicht immer zu.» Sie schreiben: «Mehr Vorbilder, weniger Vorurteile – so könnte der Titel dieses Buches auch lauten.»

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Im Schweizer Spitzensport sind offen lesbische Frauen um einiges sichtbarer als schwule Männer. Doch auch in dieser Domäne scheint sich etwas zu tun. Im März outete sich der Spitzenschwinger Curdin Orlik (MANNSCHAFT berichtete), im Mai folgte der Volleyballprofi Dennis Del Valle (MANNSCHAFT berichtete).

Pernille Harder, offen lesbische Fussballnationalspielerin Dänemarks, fordert die Männer zum Coming-out auf. «Auch bei den Männern wünsche ich mir, dass ein aktiver Profispieler den Mut aufbringt, sich zu seiner Homosexualität zu bekennen, denn es gibt diese Spieler ganz sicher», sagt sie im Interview mit dem Fussballmagazin Elfen.

Das Buch «Vorbild und Vorurteil» ist im Verlag Hier und Jetzt erschienen.

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