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Neue Forschungsresultate: Revolution in der HIV-Therapie?

Bald benötigen HIV-positive Menschen womöglich nur noch eine jährliche Spritze

Revolution in der HIV-Therapie
(Symbolbild: Unsplash/CDC)

Eine Spritze im Jahr soll die tägliche Einnahme von Medikamenten ersetzen: US-amerikanische Wissenschaftler*innen stehen von einer Revolution in der HIV-Therapie. Noch muss die Behandlung jedoch erfolgreich an Menschen getestet werden.

Die Wissenschaft kann HIV zwar nicht heilen, aber zumindest mit Medikamenten die Infektion wirksam behandeln und kontrollieren. Die Präparate entlasten das Immunsystem und ermöglichen den Betroffenen ein fast normales Leben. Doch diese Medikamente müssen die HIV-positiven Menschen konsequent jeden Tag einnehmen – aber vielleicht nicht mehr lange. US-Wissenschaftler*innen stehen nämlich möglicherweise vor einer Revolution in der HIV-Therapie.

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Wirkung für ein Jahr
In der Fachzeitschrift Nature Materials veröffentlichten die Forscher*innen der University of Nebraska in Omaha ihre Zwischenresultate. Die tägliche Einnahme von Medikamenten könnte bald durch eine Spritze in den Po ersetzt werden. Diese Dosis reicht für ein ganzes Jahr und verhindert in diesem Zeitraum auch die Virusübertragung.

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Dabei handelt es sich um eine chemische Modifizierung des Medikamentes Cabotegravir. Dieses steht bereits in einer viel späteren Phase der Entwicklung und müsste HIV-positiven Menschen jeweils alle acht Wochen gespritzt werden. Die US-Forscher*innen konnten den Wirkstoff abändern und die Dauer der Wirkung auf ein Jahr verlängern.

Vereinfachung der Therapie
Um die Vermehrung des HI-Virus im Körper zu verhindern, sind HIV-positive Menschen auf eine regelmässige Einnahme der Medikamente angewiesen. Ohne wirksame Behandlung führt die Infektion zu Aids und damit früher oder später zum Tod. Eine jährliche Spritze wäre also eine Revolution in der HIV-Therapie und das Risiko, die tägliche Dosis zu vergessen, würde wegfallen.

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Die Aids-Hilfe Schweiz würde eine Therapie mit einer jährlichen Spritze begrüssen. «Denn die sogenannte Therapietreue ist sehr wichtig. Dabei sollte keine Medikamentendosis ausgelassen werden, die tägliche Einnahme der HIV-Medikamente muss genau nach Vorschrift erfolgen. Wenn Dosen ausgelassen werden oder die Medikamente nicht nach Vorschrift eingenommen werden, erhöht sich das Risiko, dass die HI-Viren im Körper gegen die Medikamente resistent werden, oder gegen Medikamente derselben Wirkstoffklasse. Das bedeutet, dass die Behandlung unwirksam werden kann», erklärt Vinicio Albani von der Aids-Hilfe Schweiz.

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«Eine Spritze ein- oder zweimal jährlich könnte jeweils bei der regelmässigen HIV-Kontrolle gemacht werden und würde vor allem für Patienten entlastend sein, die Schwierigkeiten haben, die Therapietreue einzuhalten», so Albani weiter.

Allerdings ist das Medikament in einer frühen Phase und noch längst nicht zugelassen, wie der New Telegraph berichtet. Bisher gab es noch keine Tests an Menschen.

Übrigens: Wer eine HIV-Therapie konsequent durchführt, kann das Virus nicht weitergeben. Gemäss einer Umfrage weiss diese Tatsache in Deutschland nur etwa jede zehnte Person. (MANNSCHAFT berichtete).

Silvan Hess

Geschrieben von

Silvan Hess (*1992) lebt in der Nähe von Zürich, hat an der Uni Zürich Deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft im Hauptfach und Filmwissenschaft und Philosophie in den Nebenfächern studiert und arbeitet seit 2012 als freischaffender Journalist.

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