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In Uganda sind festgenommene LGBTIQ weiter in Haft

Der Historiker Lutz van Dijk berichtet von Bedrohungen, Verhaftungen und Schlägen.

Uganda SMUG
Frank Mugisha, Leiter der SMUG an der Norad-Konferenz 2014 (Foto: Fredrik Naumann)

Sexuelle Minderheiten werden in Uganda als Massnahme gegen die Corona-Pandemie verfolgt, meldet Lutz van Dijk. Die Polizei attackiere gezielt LGBTIQ-Einrichtungen.

In Uganda stürmt die Polizei unter dem Deckmantel der Corona-Krise queere Schutzhäuser und Obdachlosenheime. Vor einem Monat wurden 23 Personen der Children of The Sun Foundation Uganda (COSF Uganda) unter diesem Vorwand verhaftet (MANNSCHAFT berichtete).

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Mittlerweile seien vier der Verhafteten aus Krankheitsgründen wieder freigelassen. Die übrigen 19 Personen sind jedoch weiterhin in Haft. Der Gerichtstermin, der auf den 29. April angesetzt war, sei auf Mitte Mai verschoben worden. Eine Freilassung ist nicht in Sicht. Ihnen werde Missachten der Regeln gegen die Verbreitung von Covid-19 vorgeworfen.

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Laut Frank Mugisha, Leiter der Sexual Minorities of Uganda (SMUG) ist das allerdings nur ein Vorwand. Er berichtet aus Kampala: «Auf einem mit Handy aufgezeichneten Video ist zu sehen, wie der lokale Bürgermeister Abdul Kiyimba zwei der jungen Verhafteten schlägt und anschreit zuzugeben, dass sie homosexuell seinen.» Vor Gericht sei später aber behauptet worden, sie hätten sich nicht an die Regeln gegen die Verbreitung von Covid-19 gehalten.

Obwohl es bislang nach offiziellen Statistiken nur 97 Infektionen bei insgesamt circa 43 Millionen Einwohnern und angeblich keine Corona-Toten gibt, werden die landesweiten Lockdown Vorschriften zu Attacken auf Einrichtungen zum Schutz obdachloser LGBTIQ+ Menschen missbraucht.

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In den letzten Jahren gab es wiederholt Bemühungen im Parlament in Kampala, die Todesstrafe für «homosexuelle Wiederholungstäter» einzuführen. Das Verfassungsgericht erklärte das  «Kill the Gays»-Gesetz 2014 für für ungültig. Die Todesstrafe für gleichgeschlechtlichen Sex soll aber wieder im Parlament diskutiert werden (MANNSCHAFT berichtete). Zu Repressionen und selbst Morden an Vertreter*innen sexueller Minderheiten kommt es auch ohne neue Gesetze immer wieder.

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Vor genau sieben Monaten wurde der 28-jährige Brian Wasswa in seinem Dorf im Osten Ugandas von Nachbarn mit Hacken erschlagen. Brian sei ein ruhiger junger Mann gewesen, der Konflikten prinzipiell aus dem Weg ging. Mit 17 Jahren jagten ihn seine Eltern aus dem Haus, nachdem sie gehört hatten, dass er schwul sei (MANNSCHAFT berichtete).

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In seinem Roman «Kampala – Hamburg» erinnert Lutz van Dijk an Brian Wasswa und greift die Situation der jungen LGBTIQ in Uganda auf. Alle seiner Buch-Honorare kommen vollumfänglich der SMUG zu Gute.

Auch in anderen afrikanischen Ländern komme es zu gewalttätigen Übergriffen von Polizei und Militär bei der Durchsetzung der Corona-Ausgangssperren. Frank Mugisha sagt: «Wir wussten es bereits – die Pandemie wird uns am härtesten treffen.» Gerade Flüchtlingslager wie dem Kakuma in Kenia trifft die Pandemie hart (MANNSCHAFT berichtete).

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