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Ob Maskenpflicht oder nicht – überall wird fleissig genäht!

Von Zürich bis Berlin produzieren Mitglieder der schwulen Community Masken

Maskenpflicht
Masken aus der schwulen Community (Fotos: privat)

Die Sache mit den Masken ist eins der grossen Rätsel in der Corona-Pandemie. Bringt nichts!, hiess es lange. Doch nun gibt es in Deutschland eine Maskenpflicht, in Berlin etwa ab kommenden Montag (27. April) in Bussen und Bahnen. Überall werden sie jetzt fleissig genäht, von Zürich bis Berlin sitzen Mitglieder der schwulen Community an der Nähmaschine.

In Deutschland gibt es nun doch die Pflicht zur Maske – je nach Bundesland nur in Bussen und Bahnen, in einigen Ländern auch beim Einkaufen. In österreichischen Supermärkten gilt das schon eine Weile. In der Schweiz gibt es auch weiterhin keine Maskenpflicht. Gesundheitsminister Alain Berset (SP) hatte schon vor einer Woche erklärt: Masken seien ausserhalb von Krankenhäusern nicht verboten, man hindere aber auch niemanden daran, sie zu tragen.

Die Menschen selber haben für sich längst beschlossen: Eine Maske zu tragen, schützt vermutlich besser als gar keine (wobei es immer noch Unterschiede zwischen den verschiedene Modellen gibt und es natürlich darauf ankommt, dass man sie nicht ständig an und auszieht).

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Heitor Monte aus Zürich gehört zu denen, die jetzt angefangen haben, Masken zu produzieren. Eigentlich ist er Pfleger, schneidert aber derzeit nebenher «Mund-und-Nasenmasken», wie er sie nennt. Als «Schutzmasken» darf man die selbstgenähten Masken laut Bundesamt für Gesundheit (BAG) nicht bezeichnen. Er setzt dabei auf unauffällige, hautfarbene Stoffe. «Es ist so wie mit Make-up-Tönungen», sagt er. «Diskret und doch cool.» Er verwendet u. a. einen hautverträglichen Biostoff und arbeitet derzeit 15 Bestellungen ab, sagt der gebürtige Brasilianer gegenüber MANNSCHAFT.

Die Masken, die Andreas Hochrein-Margeit aus Würzburg mit seinem Team fertigt, sind dagegen poppig und auffällig. Es gibt in seinem Shop Masken in Regenbogenfarben, aber auch in der Ausführung Trans und Bären.

Maskenpficht
Andreas Hochrein-Margeit (li) trägt die Maske Bären, sein Mann Axel trägt das Modell Regenbogen

Insgesamt gibt es fünf verschiedene Designs. Wenn man bei Andreas eine Maske ordert, spendet man zu gleich 20 % des Kaufpreises an die Akademie Waldschlösschen.

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Andreas ist spezialisiert auf Fetisch-Bekleidung aus hochwertigem Leder und fertigt seit 2008 in seiner Werkstatt in Dettelbach. Er und sein Team stellen derzeit etwa 100 Masken pro Tag her.

Vom Covermodel zum Corona-Aktivisten

In Berlin näht u. a. die selbsternannte «Anna Wintour of Drag», Kaey Kiel, Masken, u. a. mit Motiven von Tom of Finland, die schon von vielen Mitgliedern der LGBTIQ-Community getragen werden.

Auch der Berliner Modedesigner Timmi Taubenschreck näht seit Wochen Masken, zusammen mit seiner Geschäftspartnerin (MANNSCHAFT berichtete). Er besitzt ein Atelier, er hat die Maschinen und: einen grossen Stofffundus.

Es sind keine hohen Stückzahlen, die sie schaffen, zumal alle Masken handgefertigt sind. Etwa 10-15 Masken nähen sie am Tag – und nebenher produziert er noch dringend benötigte Exemplare für ein Pflegeheim.

Im Moment haben wir «sehr sehr sehr viel zu tun», sagt Timm zwei Tage nach Ostern, darum kann es bei ihm mit der Lieferung etwas länger dauern. Den Erlös, den sie mit den Masken erzielen, wollen sie spenden. Ein konkreter Empfänger ist noch nicht bestimmt, aber: «Unser Ziel ist, die Spenden an Menschen, Künstler und Mini-Einrichtungen zu verteilen, die durchs Raster fallen – ohne Soforthilfe und ohne Chance auf Unterstützung.»

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