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«LGBTIQ-freie Zonen» sind «Einladungen zum Pogrom»

Über 300 deutsche Gemeinden pflegen eine Partnerschaft zu Polen – an sie wendet sich der LSVD

LGBT-freie Zonen
Symbolbild: Bart Staszewski (Der Aktivist hat in Polen queere Menschen vor dem Ortschild ihrer «LGBT-freien» Stadt fotografiert)

Seit Monaten erklären sich immer wie mehr polnische Städte und Gemeinde als «LGBTIQ-freie Zone». Der Lesben- und Schwulenverband bittet Partnergemeinden von Polen, zu handeln.

In den letzten Monaten haben sich 16 Regierungsbezirke sowie 37 Landkreise und 55 Gemeinden ein LGBTIQ-feindliches Label gegeben und rühmen sich offen damit, eine sogenannte «LGBTIQ-ideologiefreie Zone» oder «Pro Family-Zone» zu sein (MANNSCHAFT berichtete). Es ist damit zu rechnen, dass sich dieser Flächenbrand, der bereits ein Drittel Polens betrifft, ausbreitet. Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) hat sich in einem Schreiben an über 300 deutsche Städte und Gemeinden gewandt, die eine Partnerschaft zu Polen pflegen und ruft zu Solidarität und Handeln auf.

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Mit grosser Sorge beobachte der LSVD die sich weiter verschlechternde Menschenrechtssituation für Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans und inter Menschen in Polen. Wer LGBTIQ-feindliche Stadtratsbeschlüsse unterstützt, gefährde nicht nur den Zusammenhalt und die Demokratie in Polen, sondern greife auch die Grundfesten unseres Hauses Europa an, so Stefanie Pawlak aus dem LSVD-Bundesvorstand.

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Beschlüsse zu «LGBTIQ-freien Zonen» seien keine Folklore, sondern eine Einladung zum Pogrom (davor hatte auch bereits Stefan Mielchen Ende Januar in seinem MANNSCHAFT-Kommentar gewarnt). In Polen würden bereits diejenigen, die dies mutig benennen, strafrechtlich verfolgt. So etwas dürften wir mitten in Europa nicht zulassen.

In ihrem Schreiben bittet der LSVD die Bürgermeister*innen, LGBTIQ-feindliche Resolutionen und Beschlüsse offen bei ihren polnischen Partner*innen anzusprechen, zu kritisieren und auch die Art der Zusammenarbeit zu überdenken. Sie sollten deutlich machen, dass der Schutz der Grundrechte von LGBTIQ die Grundlage einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit ist. Partnerstädte in Deutschland könnten auf polnische LGBTIQ-Vereine und Initiativen in ihren Partnerregionen zugehen, das Gespräch suchen und diese unterstützen.

So kann jede*r etwas gegen «LGBT-freie-Zonen» in Polen tun

Das polnische Onlineportal Oko startete schon vor zwei Monaten eine Aktion, bei der es Partnergemeinden aufforderte, die Partnerschaft zu überdenken. Die französische Gemeinde Saint-Jean-de-Braye beispielsweise, hat ihre Verbindungen mit der Stadt Tuchów bereits beendet (MANNSCHAFT berichtete).

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Die Künstlerin Pamela Porwen macht sich derzeit mit Hochzeitsfotos mit LGBTIQ-Personen gegen Homophobie stark (MANNSCHAFT berichtete). Viele Galerien lehnten ihre Ausstellung ab. Im Mai kann sie das Projekt aber in Warschau ausstellen, sofern die Corona-Krise ihr keinen Strich durch die Rechnung macht.

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