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«Systemrelevant» – das erste #Stayathome-Musical

Zwei Musiker*innen aus Hamburg haben aus der Not eine Tugend gemacht

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Lukas Nimscheck (Foto: Screenshot)

Wer ist in diesen Tagen systemrelevant und darf sich, allen Ausgangsbeschränkungen zum Trotz, relativ frei bewegen? Künstler*innen sind es jedenfalls nicht, und zwei Hamburger Musiker*innen haben aus der Not eine Tugend gemacht.

Medizinisches Personal, Polizist*innen und Feuerwehrleute gehören zu denen, die in der Krise die Ordnung und das Leben aufrecht erhalten – sie sind «systemrelevant». Kein schönes Wort (vor allem, wenn man zu denen zählt, die damit nicht bezeichnet werden), aber: Es lässt sich gut singen.

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Das hat auch Lukas Nimscheck festgestellt. Der offen schwule Sänger der Band Deine Freunde und Autor moderierte einst den «Tigerentenclub» (ARD) und schrieb Musicals wie «Gabi Mut – Vom Leben geschlagert» und, zusammen mit Franziska Kuropka, «Jana & Janis – Sag einfach Jein», wofür die beiden 2018 mit dem Deutschen Musical Theater Preis geehrt wurden.

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Nun hat er gemeinsam mit Franziska die Krise kreativ genutzt und das Mini-Musical «Systemrelevant» geschrieben, das sich seit Donnerstag in Sozialen Medien verbreitet und bei Facebook bald 3000mal geteilt wurde. Sie sprechen das aus, was derzeit viele denken: Dass es öde ist, auf Dauer auf Laptop und Fernsehen angewiesen zu sein, und die Mutter Recht hatte: Hätten sie doch nur etwas Anständiges gelernt! Dann wären sie jetzt vielleicht auch «systemrelevant».

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Würde Lukas sagen, die Krise weckt kreative Kräfte – oder ist der Clip eine (sehr gelungene) Verzweiflungstat? «Ich glaube, dass beides richtig ist», sagt er gegenüber MANNSCHAFT.

«Viele freischaffende Künstler haben sich ja freiwillig für ein Leben in der Improvisation entschieden und können sich an die verschiedensten Gegebenheiten anpassen. Manchmal musst du für einen Job spontan umziehen, manchmal über Nacht eine Rolle lernen. So ist es für uns ganz natürlich, auch aus diesem Drama irgendwie Unterhaltung zu zaubern. Der Clip ist aber in erster Linie aus reiner Langeweile entstanden und dann später komplett aus dem Ruder gelaufen, als plötzlich 40 Kollegen ihre Videos schickten.»

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Lukas zählt sich zu den wenigen Künstler*innen, denen es finanziell ganz gut geht, wie er sagt. «Ich habe also einen gewissen Krisenpuffer, der ein paar Monate hält. Geht mir aber auch erst seit etwa vier Jahren so, vorher war es finanziell eher hässlich, denn du weisst als Musiker auch ohne Corona manchmal nicht, was du nächste Woche so beruflich machst. Die Perspektive, bis zum Sommer gar nicht mehr zu arbeiten, ist für die meisten Kollegen schlicht existenzbedrohend.»

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Lukas und Franziska wohnen und arbeiten zusammen (Foto: Screenshot)

Es wurden schon zahlreiche Solidaritätsaktionen gestartet, um die zwangsgeschlossenen Clubs und Theater zu unterstützen (MANNSCHAFT berichtete). Auch zahlreiche Pride-Events wurden in diesem Jahr schon abgesagt (MANNSCHAFT berichtete).

Aktuell habe er noch keine Existenzangst, obwohl ihm schon mulmig zu Mute sei. Er musste die Tour seiner Band in den Herbst verlegen. Wenn auch diese Termine nicht stattfinden können, werde es problematisch – auch für Bookingagenturen, Techniker und Crew, sagt Lukas.

Ich vermisse meine lauten, kreischigen Freunde.

Was ihm gerade besonders fehlt? «Ich vermisse meine lauten, kreischigen Freunde, mit denen ich mich am Wochenende normalerweise hysterisch anschreie.»

Klopapier hortet er jedenfalls nicht. «Gehamstert haben wir in der WG bisher noch nicht. Mein Mann und ich wohnen mit Franzi zu dritt zusammen – die Speisekammer ist gut gefüllt, aber wir haben generell keinen Schiss vor einem Engpass.»

Was ihm in diesen Tagen gar nicht fehlt? «Die AfD! Der Fremdenhass! Die Anti-Flüchtlingskommentare! Die halten jetzt alle die Fresse, das ist wunderbar und kann so bleiben.»

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