in

DIE LINKE.queer will «queere Infrastruktur stützen und erhalten»

Grund ist die Corona-Pandemie

LGBTIQ-Organisation
Ein Regenbogen-Zebrastreifen während der New York City Pride 2018 (Bild: New York City Department of Transportation)

Die Corona-Krise bedroht zahlreiche queere Projekte, Vereine und Unternehmen in ihrer Existenz, Beschäftigte und freie Mitarbeiter*innen stehen ebenfalls vor existenziellen Fragen. Vor diesem Hintergrund fordert DIE LINKE.queer umfangreiche Sofortmassnahmen, damit queere Infrastruktur erhalten bleibt.

Das Berliner SchwuZ ruft bereits zu Spenden in eigener Sache auf. Die Clubs der Hauptstadt müssen offiziell ab Dienstag wegen der Coronavirus-Epidemie schliessen, das SchwuZ hat das bereits umgesetzt.

View this post on Instagram

Liebe SchwuZ-Besucher_innen, durch eine eben stattgefundene Pressekonferenz des Landes Berlins, mit Aufforderung und ab Dienstag zwingender Beschlusslage, sieht sich auch das SchwuZ gezwungen DEN GESCHÄFTSBETRIEB MIT SOFORTIGER WIRKUNG und im Interesse der Gesundheit aller unserer Mitarbeiter_innen, Künstler_innen und Gäste EINZUSTELLEN. Wir verstehen die Gründe dafür, sehen jedoch auch die massiven Probleme vor denen wir jetzt stehen. Wir wollen es euch nicht verschweigen: Diese Schließung trifft uns hart. Unsere Solidarität gilt dabei unseren über 100 Mitarbeiter_innen, den vielen freien Künstler_innen, die jeden Monat bei uns und für euch arbeiten, den Veranstalter_innen und Dienstleister_innen und auch allen anderen, für die wir an allen Abenden unsere Türen öffnen: Migrant_innen, FLTI* und Queers aus allen Ecken der Welt – und aus unserer Stadt. Euch. Weil wir das jetzt schon die letzten 43 Jahre oft auch unter großem finanziellen Einsatz tun, und weil wir ein Ort durch und für die Community sind, hat das SchwuZ allerdings nicht die notwendigen Rücklagen, die es uns gestatten würden, jetzt unbeschadet monatelang zu schließen. Das ist für den ältesten und größten queeren Club im deutschsprachigen Raum existenzbedrohend. Wir sind darum auf eure Hilfe angewiesen!
Unterstützen könnt ihr uns sofort, indem ihr spendet – via PayPal oder per Überweisung: PayPal:
spende@schwuz.de Banküberweisung:
IBAN: DE94 7001 1110 6059 6140 78
BIC: DEKTDE7GXXY
Empfänger: SchwuZ Kulturveranstaltungs GmbH
Verwendungszweck: Spende SchwuZ Wenn ihr außerdem Ideen habt, die uns helfen können, dann schreibt uns eine E-Mail an die eigens eingerichtete E-Mail-Adresse: help@schwuz.de Im Interesse unserer Mitarbeiter_innen, Künstler_innen, Dienstleister_innen, Veranstalter_innen und Besucher_innen werden wir natürlich kämpferisch und solidarisch mit der Community, den Verbänden und Behörden Lösungen entwickeln, die Zeit der Schließung gut zu überstehen und die Zeit nach der Wiedereröffnung noch besser zu meistern. Seid gut zueinander, achtet auf euch und andere. Unterstützt euch gegenseitig, besonders ältere Queers, die oft keine Unterstützung haben.

A post shared by SchwuZ (@schwuz) on

Werbung


Ähnlich sieht es in ganz Deutschland aus: Das Stuttgarter Eagle, das ohnehin seit Wochen ums Überleben kämpft (MANNSCHAFT berichtete), hat geschlossen. In Hamburg wurden im Schulterschluss mit nahezu allen grossen Kulturbetrieben auch die Stage-Musicals eingestellt.

In Köln hat das anyway – der Raum für lesbische, schwule, bisexuelle und trans Jugendliche und junge Erwachsene und deren Freunde*innen von 14 bis 27 Jahre – nun erstmal das Café geschlossen.

Unterdessen sind die Veranstalter der Pride Events gezwungen, über eine Absage oder Verschiebung der Veranstaltungen nachzudenken. Bei der Zurich Pride gibt man sich derzeit noch optimistisch. «Wir freuen uns auf die Pride-Saison», hiess in am Samstag in einem Post bei Instagram. Genaues können man derzeit einfach noch nicht sagen.

Zu den Forderungen der Bundesarbeitsgemeinschaft DIE LINKE.queer gehört, dass bereits zugesagte und/oder ausgezahlte Fördermittel der öffentlichen Hand für queere Strukturen (Beratungszentren, CSD- und Kulturvereine usw.) unverzüglich und vollständig ausgezahlt werden müssten. Das solle auch für Projekte gelten, die nun nicht durchgeführt werden können. Auf gesonderte Verwendungsnachweise sei für 2020 zu verzichten. Dort, wo Förderungen an einen Eigenanteil gebunden sind, müsse dieser Eigenanteil ebenfalls von der fördernden Stelle bereitgestellt werden.

Und: Analog zum Kurzarbeitergeld müsse es Regelungen für Freiberufler*innen und Minijobber*innen geben. Gerade in der Gastronomie, in Clubs, Saunen, in der Sexarbeit und im Kulturbereich arbeiten zahlreiche Menschen entweder als Selbstständige oder auf der Basis flexibler, schichtabhängiger Minijobs. Ihnen droht ein Komplettausfall ihrer Einnahmen.

Hierzu gibt es bereits eine Petition: Sie fordert Hilfen nach Absagen von Veranstaltungen wie Konzerten, Messen, Aufführungen in Theatern, Opern- und Konzerthäusern u.a., was Freiberufler*innen betrifft, die von den Einnahmen aus solchen Veranstaltungen ihren Lebensunterhalt bestreiten.

Warum der Coronavirus LGBTIQ häufiger treffen kann

Weitere Forderungen sind vollständige Stundungen bei festgesetzte Steuervorauszahlungen für 2020, Kulanz bei ausbleibende Mietzahlungen für die nächsten sechs Monate sowie ein Liquiditätsfonds, der unbürokratische und sofortige Unterstützung vor allem für die Kultur- und Kreativwirtschaft garantieren soll.

«Insgesamt darf sich nicht wiederholen, was wir bei der Bankenkrise erlebt haben: Rettungspakete für Konzerne und ein Abschieben der Kosten der Krise auf grosse Teile der Bevölkerung», heisst es in einer Erklärung. Queere Strukturen und die in ihnen tätigen Menschen seien essentiell für unsere Gesellschaft. Das muss durch schnell wirkende Hilfsmassnahmen deutlich werden.

Werbung

Pinkwashing

Pinkwashing? Konsument*innen haben die Macht

Pete Buttigieg

Pete Buttigieg: «Ich war 38 Jahre zu schwul»