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Hass im Stadion – Drei-Stufen-Plan auch bei Homophobie?

Der Plan der UEFA und FIFA finde bei jeglichen Formen der Diskriminierung Anwendung, behauptet der DFB

Hass im Stadion
Foto: Pixabay

Am vergangenen Wochenende kam es in der deutschen Fussball-Bundesliga in mehreren Stadien zu Aktionen gegen Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp. Mehrere Partien wurden unterbrochen. Hass im Stadion ist immer wieder ein Thema. Was passiert eigentlich im Fall von homofeindlichen Sprüchen und Beschimpfungen?

Am Samstag wurde die Partie zwischen Hoffenheim und Bayern München wegen Schmähplakaten gegen Hopp zweimal unterbrochen. Die Begegnung Dortmund gegen Freiburg, ebenfalls am Samstag, wurde unterbrochen, dort gab es beleidigende Rufe gegen Hopp. Am Sonntag stoppte der Schiedsrichter das Spiel Union Berlin gegen Wolfsburg, ebenfalls zweimal. Zuerst wegen eines Banners, das gegen den DFB gerichtet war; später zeigte ein Plakat im Union-Fanblock Hopp im Fadenkreuz.

Homophobe Transparente im Stadion – der DFB ermittelt

Dass gegen Hass im Stadion vorgegangen wird, ist richtig und wichtig. Aber sind künftig auch rigorose Schritten zu erwarten, wenn es homophobe Beschimpfungen gibt – wie etwa beim Berlin-Derby im November (MANNSCHAFT berichtete)? Das wollte wir vom DFB wissen.

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«Der Drei-Stufen-Plan der UEFA und FIFA findet bei jeglichen Formen der Diskriminierung Anwendung, also auch bei homophoben Vorkommnissen», teilte man uns schriftlich mit. Das ist eine erstaunliche Antwort, gab es doch in den letzten Jahren keine Unterbrechung – etwa bei rassistischen Rufen oder bei homophoben Plakaten oder antisemitischem Gegröle.

MANNSCHAFT im März: Raus aus gesellschaftlichen Zwängen!

Weiter heisst es in der Antwort: «Der DFB wurde durch die gesellschaftlichen Entwicklungen und Vorkommnisse in der jüngeren Vergangenheit zusätzlich sensibilisiert, sodass dieser – bereits seit vielen Jahren existierende – Drei-Stufen-Plan mit Beginn des vergangenen Spieltag-Wochenendes noch konsequenter umgesetzt wird.» Das kann man nur hoffen.

Zur Erklärung: Stufe eins sieht im Falle von diskriminierenden Äusserungen in Form von Rufen oder Spruchbändern eine kurze Unterbrechung sowie eine Durchsagen per Lautsprecher vor, die das Einstellen der Äusserungen verlangt. Bei Wiederholung oder Steigerung der Rufe folgt Stufe zwei. Hier ist der Schiedsrichter angehalten, mit den Mannschaften das Feld zu verlassen und für einige Minuten in die Kabine zu gehen. Ausserdem wird in Form einer Durchsage die dritte Stufe angekündigt: der Spielabbruch.

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Wir wollten konkret wissen, ob das französische Vorgehen im Herbst – dort wurde der Banner «Die Marseiller sind Schwuchteln» gezeigt, worauf der Schiedsrichter die Begegnung unterbrach und die Spieler in die Kabine schickte (MANNSCHAFT berichtete) – ein nachahmenswertes Beispiel sein könnte für den deutschen Fussball. Darauf antwortete der DFB nicht.

Inzwischen hat sich u. a. die Fan-Vereinigung «Club Nr. 12» von den Schmäh-Plakaten der Bayern-Fans gegen Hopp distanziert. Der Verein, der sich als Vereinigung der aktiven Bayern-Fans versteht, erklärte: «Die gezeigten Spruchbänder stammen nicht vom Club Nr. 12. Der Club Nr. 12 distanziert sich von den gezeigten Beleidigungen», heisst es in der Mitteilung vom Sonntag. Man wolle sich ausdrücklich gegen jede Form von Rassismus, Sexismus, Homophobie und Diskriminierung aussprechen.»

«Das Coming-out von Thomas Hitzlsperger war eine grosse Hilfe»

Die nächste Bewährungsprobe folgt an diesem Dienstagabend: beim DFB Pokalduell zwischen Bayern und Schalke. Der Gelsenkirchener Verein hatte nach dem vergangenen Wochenende angekündigt, das Team werde bei «solchen Vorkommnissen in der heimischen Arena» künftig vom Platz gehen «ungeachtet der Spieldauer, des Resultats oder etwaiger Konsequenzen». Die Werte des Klubs lassen «keinerlei Spielraum für Toleranz angesichts von Hass, Intoleranz und Diffamierung».

Das klingt gut, sah aber im Herbst 2018 noch ganz anders aus: Beim Spiel zwischen RB Leipzig und Schalke hatten die Gelsenkirchener Fans die Leipziger Fangruppe «Rainbow Bulls» homophob beleidigt. Wie die LGBTIQ-Fans in einer Stellungnahme mitteilten, riefen manche Schalke-Fans immer wieder «Schwuchteln, haut ab» oder «Schwule Sau». Passiert ist – nichts.

«Niemand schritt ein, kein Ordner, und auch kein Fan sonst», erklärten die Bulls nach dem Vorfall. Wenn man den DFB beim Wort nehmen darf, sollte sich so etwas in der deutschen Bundesliga nicht mehr wiederholen.

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