in

«Die Community ist nicht gespalten»

Das Komitee verschickte rund 20’000 Regenbogenfahnen

Bild: zvg

Am 9. Februar 2020 stimmt die Schweiz über die Erweiterung der Anti-Rassismusstrafnorm auf die sexuelle Orientierung ab. Tobias Urech leitet die Kampagne des Ja-Komitees mit.

Tobias, warum müssen wir am 9. Februar unbedingt ein Ja in die Urne werfen?
Die aktuelle Gesetzeslage schützt Schwule, Lesben und Bisexuelle nicht, wenn zu Hass oder Hetze aufgerufen wird. Mit der Ausweitung wird diese Gesetzeslücke endlich geschlossen.

Das Ja-Komitee hat fleissig Regenbogenfahnen verschickt. Welche Bilanz ziehst du?
Wir haben die letzten von insgesamt 20 000 Fahnen verschickt, zwischen 40 und 50 Freiwillige haben grosse Arbeit geleistet. Es ist nicht selbstverständlich, dass Menschen am Sonntag ihre Freizeit opfern und Fahnen einpacken, was zugegeben nicht die prickelndste Arbeit ist. Wichtig ist jetzt, dass die Regenbogenfahnen an Fenstern und Balkonen rausgehängt werden. Wenn das alle Menschen tun, können wir ein starkes Zeichen setzen.

Werbung

Im Rahmen von Abstimmungen gibt es oft Fahnen, die mit Datum und Parolen bedruckt sind. Warum sind die Regenbogenfahnen unbedruckt?
Wir haben im Abstimmungskomitee lange diskutiert und haben uns aus mehreren Gründen für eine unbedruckte Regenbogenfahne entschieden. Zum einen ist es unserer Meinung nach nicht nachhaltig, etwas produzieren zu lassen, das man hinterher wegwirft. Ohne Datum kann man die Fahne auf unbestimmte Zeit hängen lassen oder an die nächste Pride mitnehmen. Zum anderen ist die Regenbogenfahne als Zeichen für die LGBTIQ-Community klar erkennbar – es braucht keine Schriftzüge und ist so viel schlichter und ästhetischer. Die Fahne ist übrigens aus recyceltem PET und unter ethischen und klimaverträglichen Bedingungen hergestellt worden.

Coca-Cola zieht in den Abstimmungskampf

Im November sorgte ein Inserat der Nein-Kampagne im Magazin Display für Schlagzeilen, auch in den Tagesmedien. Hat die Aufmerksamkeit der Sache geschadet?
Nein, die Diskussion um das Inserat hat uns nicht geschadet. Es ist jedoch schade, dass sich eine Handvoll libertärer und rechter Schwulen vor den Karren der Gegner spannen lassen und Stimmung gegen den dringend notwendigen Schutz machen. Daraus zu folgern, dass die Community gespalten ist, wäre aber eine Verzerrung. Mit dem Ja-Komitee haben wir über 80 Organisationen im Rücken und die Community steht geeint für ein Ja ein. Das sieht man nur schon an den Hunderten Personen, die sich für ein freiwilliges Engagement für die Kampagne gemeldet haben.

Ein LGBTIQ-Magazin sollte auch eine politische Meinung haben.

Wie siehst du es? Sollte ein Magazin mit LGBTIQ-Inhalten ein Nein-Inserat ablehnen?
Eine schwierige Frage (denkt nach). Ich glaube, dass ein Magazin, das explizit LGBTIQ-­Inhalte bringt und ihre Werte vertritt, auch eine politische Haltung haben sollte und nicht alle Inserate annehmen muss, annehmen sollte. Ich erwarte, dass ein LGBTIQ-Magazin zumindest klare Richtlinien hat, welche Inserate angenommen werden und welche nicht.

Werbung

Die Gegner begründen ihr Nein mit dem Argument der Meinungsfreiheit. Wie kann man es entkräften?
Die Ausweitung der Antirassismusstrafnorm hat nichts mit Zensur zu tun. Man darf sich auch bei einem Ja weiterhin kritisch über Schwule, Lesben und Bisexuelle äussern. Auch schlechte Stammtischwitze sind weiterhin erlaubt (lacht). Was verboten wird, ist der Aufruf zu Hass und Hetze. Und Hass ist keine Meinung – Punkt.

Schutz vor Hass? Die Zustimmung sinkt

Wie schätzt du die Stimmbevölkerung ein?
Ich glaube, dass die Stimmbürger*innen den Unterschied zwischen Meinung und Hass kennen. Gerade in den letzten Monaten war immer wieder von Übergriffen auf schwule Paare zu lesen. Die Öffentlichkeit ist sich bewusst, dass ein Handlungsbedarf besteht und wir das Problem der Homophobie bei der Wurzel abpacken müssen. Denn viel zu oft folgen auf Worte Taten. Diese Worte bleiben heute straflos. Das muss sich ändern.

Umfrage: Wie gross ist dein Vertrauen in die Polizei?

Kannst du unserer Leserschaft ein weiteres griffiges Argument mitgeben, mit dem sie ihr Umfeld von einem Ja überzeugen kann?
Hass ist schädlich für die ganze Gesellschaft. Er schadet nicht nur der betroffenen Gruppe, sondern schürt ein aggressives und negatives Klima. Zudem hinkt die Schweiz im europäischen Vergleich hinterher, was den Diskriminierungsschutz von LGBTIQ-Personen angeht. Im ILGA-Ranking belegt die Schweiz gar einen Platz im hinteren Mittelfeld. Es ist wichtig, dass endlich etwas passiert.

Das ausführliche Interview ist im Januar/Februar-Heft der MANNSCHAFT (Schweiz) erschienen. Hier geht es zum Abo Deutschland und hier zum Abo Schweiz.

Werbung

LGBTIQ Polizei

So wenig Vertrauen geniesst die Polizei in der LGBTIQ-Community

Adam Lambert Velvet

«Roses»: Adam Lambert macht’s jetzt mit Nile Rodgers