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«Einigkeit! Recht! Freiheit!» – Tumult wegen Pride-Motto

Das diesjährige Motto der Cologne Pride ist heftig umstritten

Cologne Pride
Foto: Facebook/Cologne Pride

In fünfeinhalb Monaten steigt die Cologne Pride 2020. Das diesjährige Motto «Einigkeit! Recht! Freiheit!» führt wegen seiner Nähe zur Nationalhymne seit Wochen zu heftigen Diskussionen. Nun gab es eine Veranstaltung in Köln, die aus dem Ruder lief. Mitglieder des KLuST-Vorstands sollen von Teilnehmer*innen körperlich angegangen worden sein.

Das Motto der Cologne Pride 2020 ist höchst umstritten, wie sich u. a. an den Facebook-Kommentaren im Profil des Cologne Pride zeigt. «Einigkeit Recht und Freiheit? Sorry, dieses Jahr dann nicht mit mir», schreibt einer.

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Ein andere meint dagegen: «Einigkeit und Recht und Freiheit sind die Grundsäulen unserer demokratischen Grundordnung die in der dritten Strophe der Nationalhymne ausgedrückt werden. Es ist mir absolut unverständlich wie man sich nicht zu solchen tollen Werten bekennen kann um die uns andere Länder wirklich nur beneiden. Wie gehirngewaschen sind wir denn mittlerweile?»

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In der Frankfurter Rundschau erschien dazu im Dezember ein Kommentar. «Ist das euer Ernst? Das stimmt doch hinten und vorne nicht», schrieb Katja Thorwarth dazu. Der gesellschaftliche Rollback habe Einfluss auch in jene Szene genommen, die sich seit Jahrzehnten von patriarchalen Gesellschaftsmodellen emanzipiert, so die Autorin weiter.

Kritik kommt auch von linken Parteien, unter anderem von den Kölner Jugendorganisationen von Grünen, SPD und Linken. In einem gemeinsamen Offenen Brief nennen sie das Motto «unverantwortlich in Zeiten von verstärktem Nationalismus und immer noch andauernder Diskriminierung queerer Menschen durch den deutschen Staat». Der Brief wurde u. a. vom Bundesverband der Grünen Jugend, Fridays for Future Köln sowie den LGBTIQ-Gruppen der Uni Bonn und der Technischen Hochschule Köln unterzeichnet.

Man befürchte, das Motto «Einigkeit! Recht! Freiheit!» sei unverantwortlich in Zeiten von verstärktem Nationalismus und immer noch andauernder Diskriminierung queerer Menschen durch den deutschen Staat. Für einige Gruppen wäre eine Teilnahme unter diesem Motto unmöglich. Man weist den CSD-Veranstalter, den Verein KLuST, nachdrücklich darauf hin, dass es zeitlich noch möglich sei, das Motto neu zu fassen. Der hält wiederum dagegen, man wolle die Deutungshoheit der Werte Einigkeit, Recht und Freiheit nicht den Rechtspopulist*innen überlassen.

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Um über das Motto der Cologne Pride zu diskutieren, gab es am Donnerstag nun einen öffentlichen Talk in Köln. Doch man habe direkt zu Beginn der Veranstaltung feststellen müssen, dass von einigen Teilnehmer*innen eine «Bereitschaft zu einem respektvollen Umgang und einer konstruktiven Diskussion nicht vorhanden und auch nicht erwünscht war», heisst in einer Stellungnahme des KLuSt am Freitagnachmittag.

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Wie Norbert Blech für das Portal queer.de berichtet, gab es zu Beginn des Talks eine Art Flashmob, als zur eingespielten Deutschland-Nationalhymne Besucher*innen Kurz-Biografien verlasen, etwa die eines Mannes, der nach Paragraf 175 verfolgt wurde. Es wurde hitzig diskutiert, Tränen flossen.

Eine Annäherung der denkbar konträren Positionen war so natürlich nicht möglich. Es sei, schreibt der KLuST, eine Chance vertan worden, «gegenseitige Bedenken, Ängste, Wut und Sorgen anzusprechen und gemeinsam eine Lösung hierfür zu finden».

Der Vorstand des KLuST verurteile jegliche Form von Gewalt, Sexismus und jegliche Beleidigungen und Bedrohungen, die während der Veranstaltung angewandt worden sei. Zudem weise man den Vorwurf, mit den Rechten zusammenzuarbeiten, entschieden zurück.

Man sei darüber erschrocken, dass Vorstandsmitglieder nach der Veranstaltung von Teilnehmer*innen physisch angegangen worden seien. Ein konstruktiver Umgang mit dem Motto, mit der Kritik hieran und einem respektvollen Umgang miteinander sei aus KLuST-Sicht nicht zu erkennen gewesen.

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Man habe die Veranstaltung vorzeitig abbrechen müssen, ohne dass sich der Vorstand in die Diskussion habe einbringen können. Über das weitere Vorgehen wolle man sich nun beraten.

Bisher sieht es nicht so aus, als wollte der Verein das Motto überdenken. Wie man gestern erneut betonte, sei das Motto zur Cologne Pride in einem demokratischen Prozess gewählt worden. Das könne man nicht einfach ignorieren.

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