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40 Jahre Die Grünen – «Ohne sie wäre alles nichts»

Das wünschen sich prominente Vertreter*innen der LGBTIQ-Community von der Partei

40 Jahre Die Grünen
Wünsche und Hoffnungen zu 40 Jahre Die Grünen: Sigrid Grajek, Johannes Kram, Ralf König (v.l.n.r. - Foto: Pixabay plus diverse)

Die Grünen feiern an diesem Montag ihr 40. Gründungsjubiläum. Für einen Grossteil der queeren Community scheint die Partei ein natürlicher Partner beim Kampf um gleiche Rechte zu sein. MANNSCHAFT hat Aktivist*innen prominente Vertreter*innen wie Ralf König und Rosa von Praunheim um ein Grusswort gebeten.

40 Jahre Die Grünen auf Bundesebene! Schon vorher gab es Landesverbände wie in Bremen oder Baden-Württemberg. 1983 zogen die Grünen erstmals in den Bundestag ein; im November 1992 folgte die Fusion des östlichen Bündnis 90/Die BürgerInnenbewegung mit den Grünen. 1998 gingen die Grünen erstmals eine Koalition auf Bundesebene ein, damals mit der SPD unter Gerhard Schröder – insgesamt sieben Jahr lang. Unter Rot-Grün wurde 2001 die Eingetragene Lebenspartnerschaft in Deutschland eingeführt.

Das bringt die erste MANNSCHAFT des Jahres 2020

Die Karlsruher Stadthalle war hoffnungslos überfüllt damals, Mitte Januar im Jahr 1980. Tausend Deligierte wollten «Die Grünen“ als Bundespartei aus der Taufe heben. Das geschah dann schliesslich am 13. Januar. Auch Fritz Kuhn war damals, der heutige Oberbürgermeister von Stuttgart, der sich für Unsittlichkeitsvorwürfe der Stadt gegenüber der Schwulenbar Eagle entschuldigen musste (MANNSCHAFT berichtete).

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Für viele Mitglieder der queeren Community scheinen die Grünen heute ein natürlicher Partner zu sein. Vor der Bundestagswahl 2017 gaben in einer vom LSVD vorgestellten Wahlstudie 29 Prozent der Befragten an, die Grünen zu wählen. Mit 22,6 Prozent liegt die Linke auf Platz zwei, knapp gefolgt von der SPD mit 21,2 Prozent. Die Union kam in der als Kooperation mit Politikwissenschaftlern der Universitäten Gießen und Wien entstandenen, nicht repräsentativen Wahlstudie mit rund 5300 wahlberechtigten Befragten aus der LGBTIQ-Community in allen deutschen Bundesländern bloss auf 6,9 Prozent.

Die Grünen kämpfen seit Jahren für Gleichberechtigung und Akzeptanz von LGBTIQ, was auch  einzelnen Personen zu verdanken ist. Der ehemalige grüne Bundestagsabgeordnete Volker Beck gilt neben dem kürzlich verstorbenen Manfred Bruns als Vater der Eingetragenen Lebenspartnerschaft, auch an der im Juni 2017 beschlossenen die Eheöffnung im Bundestag (MANNSCHAFT berichtete) hatte er grossen Anteil. Er hatte auf dem Parteitag der Grünen durchgesetzt, dass die Ehe für alle zur roten Linie, also zur absoluten Bedingung für eine Koalition erklärt wurde – SPD und FDP folgten dem Beispiel.

Trotzdem landete die Grünen bei den Wahlprüfsteinen des LSVD zur Europawahl im vergangenen Jahr hinter SPD und FDP (MANNSCHAFT berichtete). In Österreich regieren die Grünen, 1986 gegründet (in der Schweiz bereits 1983), aktuell erstmals auf Bundesebene mit – und die Kritik an zu wenig LGBTIQ-Themen im Koalitionsvertrag ist gross (MANNSCHAFT berichtete). Ob das übertragbar ist auf Deutschland und eine potenzielle schwarz-grüne Bundesregierung nach den Wahlen 2021? Man wird sehen.

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Wir wollten von prominenten Vertreter*innen der LGBTIQ-Community wissen, was sie den Grünen zum 40. Geburtstag wünschen – oder was sie sich von der Partei wünschen.

Ralf König, Comic-Zeichner & Autor:

Ralf König
Foto: Ralf König in: König des Comics/Rosa von Praunheim 2012

«Als sie damals langhaarig, bärtig und strickend und turnbeschuht im Bundestag sassen, das war schon kurios. Aber als Gegengewicht zu den behäbigen, selbstherrlichen Politikern der Kohl-Zeit waren sie eine echte Hoffnungsleuchte. Hoffnung, dass sich was ändern kann. Dass Demokratie auch ‚uns‘ zur Macht kommen lässt, langhaarige linke Softies in selbstgestrickten Pullis, denen Umweltschutz, Entspannung und Humanismus das Anliegen war.

Es gab viele Enttäuschungen, natürlich. Es gab Abstürze vom Wolkenkuckucksheim, es gab manchen Crash mit der Realität. Ich selbst hätte mir gewünscht, dass manches, was später kurzzeitig die Piraten anstiessen, Sache der Grünen gewesen wäre. Die konsequentere Trennung von Staat und Kirche zum Beispiel. Wenn die SPD weiter schwächelt (was sie nicht verdient hat und was fatal wäre) werden vor allem die Grünen das Gegengewicht zu all den rechtspopulistischen Irrlichtern werden, gegen die die liberale Gesellschaft sich stemmen muss. Die Partei hat immer noch meine Sympathie, und die politische Ausrichtung ist wie ein Kompass, es so richtig falsch mit meinem Wahlkreuz nicht zu machen.»

Johannes Kram, Aktivist & Nollendorfblogger:

Johannes Kram
Johannes Kram (Foto: Markus Lücke)

«Es gibt viel zu meckern an den angepassten, bürgerlichen Grünen und ich hoffe so sehr, dass uns Schwarz-Grün im Bund erspart bleibt. Dass es nicht möglich war, Volker Beck an Bord zu halten, darf man ihnen nie verzeihen. Und trotzdem: Ohne die Grünen wäre alles nichts. Sie sind die einzige politische Partei, die immer unbeirrt für die Emanzipation unserer Minderheiten gekämpft hat und das weiter tut.

Vom Vorwurf, eine «Verbotspartei» zu sein, sollten sie sich nicht beeindrucken lassen, denn die wahren Verbotsparteien sind die, die uns verbieten wollten, der zu sein, wer wir sind. Danke an Bündnis 90 / Die Grünen, dass Ihr dieses Land zu einem so viel lebenswerteren Ort gemacht habt!»

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Enough is Enough, Initiative zur Unterstützung der LGBTIQ-Community:
«Die Grünen haben im Vergangenheit viel für die LGBTIQ- Rechte getan: Wahrscheinlich hätten wir ohne die Grünen den Wegfall des Paragraphen 175 nicht gehabt, der Homosexualität unter Strafe stellte. Die Grünen tun auch immer noch viel mehr als CSU/CDU und andere Parteien, das fängt schon bei so Sachen wie Fördergeldern für Aufklärungsarbeit an. Sich in einer Kritik der Grünen zu verfahren, weil nicht genug getan wird, weil sie Koalitionen mit Parteien eingehen die nicht unbedingt für ihre pro-LGBTIQ-Einstellung bekannt sind, ist unverantwortlich.

Geprägt von Pragmatismus
Der Ansatz der Grünen ist deutlich durch eine Form von Pragmatismus geprägt, das kann und sollte man durchaus kritisch betrachten, aber Berichterstattung sollte in dem Bezug vielleicht erstmal etablieren, wie die Grünen relativ zu anderen Parteien stehen, das fängt z. B. bei der CSU an und der Tatsache, dass Seehofer heute Innenminister ist, nachdem er in den 90ern noch vorgeschlagen hat HIV-positive Personen in Konzentrationslager unterzubringen oder AKK für die CDU die ja sowieso für ihre «hot takes» in Bezug auf die trans und inter Community bekannt ist (MANNSCHAFT berichtete)

Sigrid Grajek, Aktivistin & Kabarettistin:

Sigrid Grajek (Foto: Berliner Kabarett Anstalt BKA)

«Feiern und Mahnen liegen ja immer nah beieinander. Es gibt keinen guten Grund, sich auf errungenen Lorbeeren auszuruhen… Ich gehe davon aus, dass LGBTIQ-Anliegen bei den Grünen auch weiterhin eine wichtige Rolle spielen – egal mit wem sie koalieren. Ich denke, das liegt in der DNA dieser Partei. Die Situation in Österreich lässt sich meines Erachtens generell nicht mit Deutschland vergleichen. Allerdings bin ich da nicht gerade Expertin… Ich gratuliere den Grünen herzlich zu den ersten 40 Jahren und rufe ihnen zu: Bleibt dran! Wer stehen bleibt, wird überholt.»

Rosa von Praunheim, Aktivist & Filmemacher:

Rosa von Praunheim
Rosa von Praunheim (Foto: Kriss Rudolph)

«Ich wünsche den Grünen viel Glück. Verstand und die Möglichkeit ihre Politik ohne zu viel Kompromisse durchzusetzen.»

Ulrich Michael Heissig alias Irmgard Knef:

Foto: Irmgard Knef (Promo)

«Die Grünen waren das Salz in der Suppe der Politik der alten Bundesrepublik und haben auf neue Problemfelder hingewiesen, die mittlerweile von fast allen Parteien als vorrangig anerkannt werden. Emanzipationspolitisch hat keine Partei für LGBTQ so viel getan und erreicht und an Veränderung und Bewegung in Gang gesetzt.

Familienpolitik ist lesbisch-feministisch dominiert
Die Regenbogenfamilienpolitik mit dem Einsatz der Änderung des Abstammungsgesetzes halte ich für falsch. Kein Mensch kann von einer biologischen Mutter und deren Partnerin oder Ehefrau abstammen, solange zur Entstehung eines Menschen Mann und Frau zusammen wirken müssen.
Die Familienpolitik ist lesbisch-feministisch dominiert, wohl auch weil sich zu wenig schwule Männer darin engagieren und deren Standpunkte und Rechtsvorstellungen nicht genug vertreten werden . Schwule, die Regenbogenväter werden wollen: Engagiert euch mehr in den grünen familienpolitischen Ausschüssen!»

Christian Hesse, CSD Pirna:

«Wir, der CSD Pirna e.V., gratulieren zu 40 Jahren Grüne Partei in Deutschland sowie in Sachsen. Wir wünschen auch den Grünen alles Gute im sächsischen Landtag und hoffen sehr, dass die Arbeit im Bereich LGBTIQ gleich geführt wird wie von der SPD, und das wir alle keinen Schritt zurück gehen, sondern nach vorne gehen.»

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