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Von Ausserirdischen besamt: Der Pornhub-Jahresbericht 2019

Was sind die meistgesuchten Begriffe, wer sind die beliebtesten Darsteller und wieso findet sich Popstar Shawn Mendes in den Pornhub-Listen wieder, neben Aliens und Analsex?

Der Darsteller Johnny Hazard im Film «The Wrong Side of the Tracks», Regie: Chi Chi LaRue (Foto: Greg Thompson/c1r.com, aus dem Buch «Porn: From Andy Warhol to X-Tube»)

Alle Jahre wieder veröffentlicht Pornhub seinen Jahresbericht, der tiefe statitische Einblicke über die sexuellen Präferenzen der Menschheit gewährt. Das Pornoportal zählt zu den 50 meistgenutzten Seiten im Internet. Übers Jahr verteilt wurde die Website 42 Milliarden Mal aufgerufen. Das entspricht 115 Millionen Aufrufen pro Tag. Pro Sekunde werden von der Seite aus 209 Gigabyte an Filmen ins Netz gestreamt. Im Jahresreport erfährt man u. a. auch, welche Schlagworte schwule Männer am häufigsten gesucht haben und wer ihre beliebtesten Pornostars sind.

Erstmal zu den Basics: Die meisten Pornhub-User finden sich in den USA, mit weitem Abstand gefolgt von Japan, Grossbritannien, Kanada, Frankreich und Deutschland auf Platz 6. Österreich und die Schweiz haben es nicht in die Top 20 geschafft, Polen und die Niederlande schon.

Die Top-20-Länderliste mit den meisten Pornhub-Nutzern 2019 (Quelle: Pornhub)

Nutzer verbringen im Durchschnitt zehneinhalb Minuten auf der Plattform. Oder wie das Unternehmen selbst schreibt: «Unsere treuen Nutzer verschwenden keine Zeit.»

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Digitale Wende
Bemerkenswert ist eine Veränderung in den Nutzungsgewohnheiten. Immer mehr Menschen schauen sich Sexfilme auf Smartphones an, es wurde ein Plus von sieben Prozent verzeichnet. Die Nutzung von Desktop-Rechnern liegt bei -18 Prozent, die von Tablets bei -17 Prozent. Ganz weit vorn liegen bei diesem Trend die Philippinen mit 91 Prozent Handynutzung und Indien mit 89 Prozent.

Während das die eher «fortschrittlichen» Länder sind, was Technologie betrifft, so findet sich Deutschland in der Gruppe der «konservativen Pornogucker», mit 28 Prozent PC-Schauern, was nur übertroffen wird von Russland (34 Prozent) und knapp vor der Ukraine liegt (27 Prozent). Man könnte fragen, wie’s da in der Bundesrepublik um die digitale Wende steht?

Übrigens: Stationär liegt Windows mit 75,5 Prozent weit vorn. Apples macOS kommt bei Pornhub nur auf einen Anteil von 16,7 Prozent. Bei Mobilgeräten erreicht Apples iOS dagegen bei Pornhub einen Anteil von mehr als 50 Prozent!

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Amateure und Aliens
Aus der Statistik für alle User geht hervor, dass die herausragenden Suchbegriffe des Jahres 2019 lauten: «Amateur», «Alien» und «PoV» (Point of View), und zwar in dieser Reihenfolge.

Lana Rhoades und Mia Khalifa sind die meistgesuchten weiblichen Pornostars, Jordi El Nino Polla und Alex Adams die meistgesuchten heterosexuellen männlichen Darsteller. Allerdings hat Pornhub ja bekanntlich eine eigene «Gay»-Seite und veröffentlicht dazu gesonderte Zahlen unter der Überschrift «Pornhub Pride».

Was die meistgesuchten Stars dort angeht, so überholt Zilv Gudel aus Essex (Grossbritannien) den Favoriten vom letzten Jahr, William Seed. Gefolgt werden beide in der Top-10-Liste von Austin Wolf und Joey Mills, Rocco Steele, Armond Rizzo, Diego Sans, Colby Keller, Johnny Rapid und Rafael Alencar.

Die meist gesuchten Begriffe und Darsteller bei Pornhub Gay 2019 (Quelle: Pornhub)

Die meist gesehenen Filme 2019 stammten aus der Kategorie «Straight Guys», während «Daddy» und «Bareback» aufgerückt sind und «Black» als Kategorie auf Platz 4 verdrängt haben, gefolgt von «Big Dick» und «Twink». Damit liegen Twinks jetzt vor «Rough Sex».

Das passt in gewisser Weise zu Zilv Gudel, und zwar in mehrfacher Hinsicht. Während Gudel sich selbst als «Exclusive Pornhub Amateur Model» bezeichnet und in der «Daddy»-Kategorie zu verorten ist, tritt er meist mit seinem Partner Rourke auf, einem «Twink», der inzwischen offiziell 19 sein soll, bei dem man sich als Pornhub-Nutzer allerdings fragen kann, ob nicht gleich die Polizei vor der Tür steht wegen des Verdachts auf Kinderpornografie, besonders in den frühen Filmen der beiden «Amateure». Ein grosses und schwieriges Thema, das im Pornhub-Jahresbericht nicht wirklich angesprochen oder problematisiert wird. Und das auf Twitter und Instagram mit dem Hashtag #cutestcouple und unter @rourkeandzilv eher verniedlicht wird. Es ist auch ein Thema, das in Berichten zum Jahresreport in diversen Medien nicht angesprochen worden, soweit sich diese überhaupt für die Kategorie «Gay» interessieren.

Zilv Gudel (l.) zusammen mit seinem Partner Rourke bei den Pornhub Awards 2019 (Foto: Pornhub)

Transgender und Femboy
Spannend sind die Trends in der «Gay»-Kategorie, die ein verändertes Sexualverhalten auch innerhalb der LGBTIQ-Community spiegeln. Auf Platz 2 der Trends liegt der Suchbegriff «transgender» mit einem Plus von 121 Prozent, hinter «camp buddy» (+222 Prozent). Auf Platz 3 kommt hier «femboy» (+99 Prozent), gefolgt von «furry» (+71 Prozent) und «hentai» (+63 Prozent).

«Euphoria» – das trans-amouröse Begehren von Schwulen

Wie viele weibliche Teenager-User möglicherweise nach diesen Begriffen gesucht haben – im Zusammenhang mit der «Gei»-Manga-Welle bzw. den beliebten Boys-Love-Geschichten («Shonen» bzw. «Yaoi») – erfährt man im Jahresbericht nicht.

Man erfährt aber sehr wohl, was weltweit die meistgesuchten Begriffe im Bereich «Gay» waren. Angeführt wird diese Liste von «korean» und «japanese».

Deutsche Bahn

Um nochmal auf die Deutschen zurückzukommen. Wonach diese generell am meisten gesucht haben waren die Begriffe «German» und «Deutsch».

Einigermassen unterhaltsam kann man es finden, dass der Begriff «Deutsche Bahn» eine Suchanfragensteigerung von 1544 Prozent verzeichnet. Gleich nach «cum in mouth» (+1907 Prozent) und «german femdon» (+1878 Prozent).

Es ist bei Deutschen laut Pornhub-Report ausserdem um 117 Prozent wahrscheinlicher, dass sie «Pissing»-Videos schauen, sich für «Fetisch» interessieren (+107 Prozent) und für «Bondage» (+86 Prozent).

Jeder kann ein Pornostar sein!
Dass insgesamt der Begriff «Amateur» am meisten gesucht wurde, liegt laut Pornhub auch daran, dass immer mehr verifizierte Amateurdarsteller*innen ihre Filme hochladen.

Szene aus dem Chi-Chi-LaRue-Film «Sized Up» mit Benjamin Bradley und Tommy Blade (Foto: c1r.com, aus dem Buch «Porn: From Andy Warhol to X-Tube»)

Der Report zitiert Dr. Laurie Betito vom Sexual Wellness Center. Sie sagt: «Es scheint, dass Menschen nach realistischen Darstellungen von Sex suchen. Echte Menschen statt Schauspieler*innen scheinen zu ziehen. Es ist interessant, dass immer mehr Leute sich als Amateure zeigen wollen. Sex ist inzwischen fast kein Tabu mehr, oder das Tabu wird überwunden vom Kick, den viele durch exhibitionistisches Verhalten bekommen. Das setzen sie oft mit wenig Erfahrung oder technischer Ausrüstung um. Die Botschaft lautet: Jeder kann ein Pornostar sein!»

Die Suchanfragen zum Thema Ausserirdische bei Pornhub 2019 (Quelle: Pornhub)

Was die «Aliens» auf Platz 2 aller weltweiten Suchanfragen angeht, so führt Pornhub den Ansteigt auf ein Facebook-Event namens «Storm Area 51» im Sommer zurück. Dabei ging es um einen «Top Secret» Militärstützpunkt in Nevada, in den eingedrungen werden sollte. Das führte dazu, dass bei Pornhub auf einmal alles rund um extraterrestrischen Sex gesucht wurde: «alien impregnation» führte hierbei die Top-20-Liste an.

Teenie-Schwarm Shawn Mendes
Und zum Schluss noch der Hinweis, dass es Teenie-Pop-Schwarm Shawn Mendes als Mann auf die Liste der meistgesuchten «Celebrities» bei Pornhub geschafft hat, mit einer Suchanfragensteigerung von 682 Prozent. Ob da besorgte Eltern oder schwule Onkel wissen wollten, was es genau mit dem Idol ihrer Töchter und Nichten auf sich hat?

Die Liste der meistgesuchten Celebrities bei Pornhub 2019 (Quelle: Pornhub)

Mit anderen Worten: Der Jahresreport von Pornhub bietet für jeden etwas, der Daten liebt. So wie Porno auch für jeden etwas im Angebot hat. Allerdings ist der Verkehr am Heiligabend dramatisch zurückgegangen, ebenso an Silvester, in Deutschland sogar um -55 Prozent.

In diesem Sinne: «Fröhliche Weihnacht überall!»

Der vollständige Pornhub-Jahresbericht 2019 findet sich hier.

Kevin Clarke

Geschrieben von

Dr. Kevin Clarke hat in Berlin und Mailand Musikwissenschaft sowie Literaturgeschichte studiert. Er spezialisierte sich früh auf LGBTIQ-Themen im Kulturbereich. 2007 veröffentlichte er das Buch «Glitter and be Gay: Die authentische Operette und ihre schwulen Verehrer», ab 2010 kuratierte er im Schwulen Museum verschiedene Ausstellungen, u. a. «Porn That Way» und «Superqueeroes». Von ihm gibt es mehrere international erfolgreiche Bücher, z. B. «Beards: An Unshaved History» und eine Biografie von Charles Leslie («The Art of Looking»). Clarke lebt mit seiner Familie in Berlin. Er unterrichtet an verschiedenen Hochschulen im In- und Ausland.

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