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Muss einer der wichtigsten LGBTIQ-Alliierten gehen?

In Kanada steht der konservative Herausforderer von Justin Trudeau in Sachen Menschenrechte für LGBTIQ für eine andere Politik

Justin Trudeau
Justin Trudeau bei der Toronto Pride 2014 (Foto: Flickr/Justin Trudeau)

Kanada wählt an diesem Montag ein neues Parlament. Justin Trudeau hat sich immer wieder als wichtiger Verbündeter der queeren Community gezeigt, doch in der Vergangenheit haben Skandale das Verhältnis zwischen den Kanadiern und ihrem Premier erschüttert.

Das Social-Media-Team arbeitet bis zum Schluss auf Hochtouren. So wurde in einem Post bei Facebook am Sonntag noch einmal klargestellt, dass der konservative Herausforderer Andrew Scheer in Sachen Frauenrechte und Menschenrechte für LGBTIQ keine Alternative sein könne, auch nicht bei dem wichtigen Thema Klimaschutz.

Doch diverse Skandale haben dem Ansehen von Justin Trudeau geschadet, der gerade in der LGBTIQ-Community hohes Ansehen geniesst: In Vancouver zur Pride schaute er auf ein Bier in einer Schwulenbar vorbei (MANNSCHAFT berichtete). Zudem gilt Kanada neben Portugal und Schweden als reisefreundlichstes Land für LGBTIQ (MANNSCHAFT berichtete)

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Nun war ein Partyfoto aufgetaucht, das Kanadas amtierenden Premierminister vor 18 Jahren mit braun geschminktem Gesicht zeigte. Auch ein Video wurde bekannt: Auch darin war Trudeau mit braunem Make-up zu sehen. Trudeaus Partei bestätigte die Echtheit des Videos und erklärte, es zeige den Premierminister Anfang der 90er Jahre.

Der heute 47-Jährige entschuldigte sich bei einer Pressekonferenz in Winnipeg: «Ich gebe zu, dass es absolut inakzeptabel ist, das zu tun», sagte er. Zu viele Menschen lebten mit Diskriminierung unter anderem «wegen der Farbe ihrer Haut und ich habe das aus der Sicht meiner Privilegien nicht gesehen», sagte der 47-Jährige.

Zudem ist Trudeau in einen Korruptionsskandal verwickelt: Er soll Ermittlungen seiner damaligen Justizministerin gegen einen Baukonzern in seinem Wahlkreis unterdrückt haben. Zwei Ministerinnen traten zurück. Im August rügte ihn die Ethik-Kommission des Landes: Er hat sich falsch verhalten. Der Premier entschuldigte sich.

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Ungeachtet seiner Verfehlungen bekommt er prominente Unterstützung: Der ehemalige US-Präsident Barack Obama hat via Twitter seine Hoffnung geäussert, Justin Trudeau würde für eine weitere Amtszeit gewählt.

Viele der 37 Millionen Kanadier*innen tendieren zu liberaler und linker Politik. Da kommen Andrew Scheers konservative Positionen etwa bei Abtreibung oder Eheöffnung nicht gut an. Ob es hilft, dass er immer wieder erklärt, die bestehenden Gesetze nicht antasten zu wollen?

Die Umfragen deuten darauf hin, dass keine der Parteien die absolute Mehrheit von 170 Sitzen erreichen kann, Liberale und Konservative liegen fast gleich auf. In vielen Wahlkreisen sind sie so nah beieinander, dass eine Prognose schwierig ist.

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Ausschlaggebend könnten am Ende neben dem regionalen Bloc Québécois die Sozialdemokrat*innen von Jagmeet Singh sein. Der Sohn indischer Einwanderer hatte nämlich wie auch die Grünen-Kandidatin Elizabeth May klar gemacht, Scheer nicht unterstützen zu wollen. Vor allem Singh hatte bis zum Ende des Wahlkampfes mehr und mehr Leute begeistert und stellte etwa in der TV-Debatte die beiden grossen Gegenspieler beim Thema Klima in den Schatten: Kanada müsse «nicht zwischen Mister Verzögerung (Trudeau) und Mister Leugnung (Scheer) wählen», sagte er. «Es gibt eine andere Option.»

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