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Die Auslieferung der 50-Euro-PrEP läuft

An der Initiative des Kölner Apothekers Erik Tenberken nehmen erstmal v. a. Apotheken in deutschen Grossstädten teil. Es stehen aber bereits weitere 30 Apotheken auf der Warteliste.

Für Männer, die Sex mit Männern (MSM) haben und einem grösseren Risiko ausgesetzt sind, sich mit HIV zu infizieren, und die andere Schutzmassnahmen wie Kondome nur schlecht oder gar nicht nutzen können (oder wollen), ist die HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP) in diesem Herbst erschwinglich geworden.

Daten aus den USA und England belegen seit Jahren einen Rückgang der HIV-Neuinfektionen dank PrEP. Gerade wurden in Grossbritannien Zahlen veröffentlicht, die zeigen, dass bei schwulen und bisexuellen Männern die HIV-Diagnosen zurückgegangen sind – nicht zuletzt wegen der erhöhten Verbreitung von PrEP.

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Zurück nach Deutschland: Anfang September wurde bekannt, dass der Kölner Apotheker Erik Tenberken, Mitglied in der Deutschen Arbeitsgemeinschaft HIV- und Hepatitis-kompetenter Apotheken, den Generika-Hersteller Hexal gewinnen konnte, sein Truvada-Nachahmerpräparat in einer ausschliesslich für die PrEP zugelassenen Form und individuell für jeden Klienten in Blistern verpackt vertreiben zu dürfen. Kosten: 51 Euro für 28 Tabletten.

50-Euro-PrEP
Erik Tenberken (Foto: Birkenapotheke)

Die Pillen werden von der Kölsche Blister GmbH mit einer speziellen Maschine in einer Sichtverpackung „verblistert“, d. h. sie werden individuell an die Bedürfnisse der Kunden bzw. Patienten angepasst. So werden Monatsblister angefertigt, bei denen in vorgefertigte Blisterkarten die Medikamente abgefüllt werden. Dann schickt Tenberkens Blister GmbH sie an die kooperierenden Apotheken. Dort kann der Kunde sie nach einem Beratungsgespräch gegen Einlösung des Original-Rezepts abholen.

Seit Montag beliefert Tenberken die folgenden Apotheken:

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Berlin: Witzleben-Apotheke & Apotheke in der Axel-Springer-Passage
Düsseldorf:  Albert-Schweitzer-Apotheke
Frankfurt am Main: Eichwald-Apotheke
Hamburg: Alexander-Apotheke St. Georg
Hannover: Leibniz- Apotheke
Köln: Birken-Apotheke
München: Marien-Apotheke & Regenbogen-Apotheke

30 Apotheken auf der Warteliste
Tenberkens Initiative, die er in den vergangenen eineinhalb Jahren vorbereitet hat, wollen sich weitere Apotheken aus ganz Deutschland anschliessen. 30 stehen bereits auf seiner Warteliste, u.a. Apotheken aus Jena, Ulm, Stuttgart und Nürnberg, sagte der Apotheker gegenüber der Mannschaft.

Die Deutsche Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte in der Versorgung HIV-Infizierter e. V. (dagnä) begrüsst den Vorstoss des Kölner Apothekers ausdrücklich. Dagnä-Vorstand Knud Schewe sagte auf der 27. Jahresversammlung der HIV-Schwerpunktärzte, in Köln: „Unsere Zahlen zeigen, dass die PrEP nicht nur sinnvoll, sondern sogar kostensparend ist. Gretchenfrage waren bisher die Preise. Eine 50-Euro-PrEP ist deshalb ein riesiger Fortschritt. Eine PrEP braucht aber immer gute ärztliche Begleitung.“

Studie sucht PrEP-User
Vor dem Hintergrund der Einführung der kostengünstigen PreP läuft eine Studie in Zusammenarbeit der Deutschen Arbeitsgemeinschaft HIV- und Hepatitis-kompetenter Apotheken DAH2KA sowie des Instituts für HIV Forschung am Universitätsklinikum Essen. Damit will man Daten und Fakten schaffen, damit die PrEP auch dauerhaft zu diesem Preis angeboten werden kann. Hintergrund: Eine Kostenübernahme durch gesetzliche Kassen würde sich bei der 50-Euro-PrEP auf jeden Fall lohnen, wenn man dem die Kosten einer lebenslangen HIV-Therapie gegenüberstellt. Zahlen der Universität Rotterdam belegen, dass die PrEP sogar zu aktuellen Preisen von 820 Euro im Monat kosteneffizient wäre; eine täglich eingenommene PrEP wäre ab einer Summe von 580 Euro oder weniger bereits kostensparend.

Mitmachen kann bei der Studie, wer PrEP nimmt – egal, aus welcher Quelle er oder sie sie bezieht.

Generikum aus Slowenien
Mittlerweile gibt es noch ein weiteres Angebot zum Preis von 52 EUR für eine monatliche Ration, ebenfalls initiiert in Nordrhein-Westfalen, genauer gesagt in Bochum, allerdings auch nur dort erhältlich: von Dr. Inka Krude von der Alten Apotheke 1691 und Prof. Norbert Brockmeyer, Präsident der Deutschen STI-Gesellschaft (DSTIG), die sich als aktive medizinische Fachgesellschaft zur Förderung der sexuellen Gesundheit versteht und die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Kenntnisse über sexuell übertragbare Infektionen zu gewinnen und zu verbreiten.

50-Euro-PrEP
Prof. Dr. Norbert H. Brockmeyer (Foto: Deutschen STI-Gesellschaft)

In Verhandlungen mit einer Pharmafirma aus Slowenien haben Krude und Brockmeyer erreicht, dass deren PrEP-Therapie ab sofort hierzulande erhältlich ist. TAD mit Hauptsitz in Novo mesto produziert u.a. in Deutschland, Österreich und Polen und stellt für den deutschen Markt vorwiegend Generika her.

PrEP hilft nicht gegen andere sexuell übertragbare Infektionen

Ermöglicht wird nach Einschätzung Brockmeyers mit dem Präparat „Emtenovo“ schon bald eine flächendeckende Versorgung von Menschen, die ein entsprechend hohes HIV-Risiko haben. Seit Freitag, dem 29. September sind bereits die ersten Menschen im Bochumer WIR „Walk In Ruhr“ damit versorgt worden, dem Zentrum für Sexuelle Gesundheit und Medizin, das Prof. Brockmeyer leitet. Krude lädt interessierte Apotheker ein, sich bei ihr zu melden und sich über das Vorgehen zu informieren.

Brockmeyer weist im Gespräch mit der Mannschaft darauf hin, dass die PrEP nur gegen HIV hilft, aber nicht gegen andere sexuell übertragbare Infektionen (STI). Der Vorteil bei einer über einen Arzt verordneten PrEP liege darin, dass hier Menschen beraten und eine Vorsorge gegen andere lSTI durchgeführt werden kann. Und: Im Gegensatz zur Online-Bestellung von Präparaten aus Indien oder Grossbritannien, wo viele MSM bisher ihre PrEP-Pillen bezogen haben, ist hier die Qualität des Medikaments gesichert.

Es geht ein schwuler Mann zum Arzt …

Wer wird die neue (oder alte) Miss Homophobia?