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«Sie drängen uns zu einem heterosexuellen Verhalten»

LiGay-Präsident Josué Machado kämpft gegen Homophobie in Brasilien

Ligay
Foto: Facebook/Ligay
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Josué Machado ist seit diesem Jahr Präsident der LiGay, einer Liga für queere Fussballer*innen in Brasilien. Als Profi spielte er in den unteren Ligen von Brasilien und Argentinien und outete sich nach Beendigung seiner Karriere.  Mit Spiegel Online sprach er über seine Erfahrungen und die Pläne der LiGay.

Die Situation für LGBTIQ in Brasilien ist hart. Präsident Jair Bolsonaro ist ein bekennender Homohasser. «Ich könnte keinen schwulen Sohn lieben. Ich hätte lieber, dass er bei einem Autounfall sterben würde», gab er einst im Playboy zu Protokoll (MANNSCHAFT berichtete). Und in keinem Land der Welt wurden im vergangenen Jahr so viele trans Personen ermordet (MANNSCHAFT berichtete).

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Entsprechend rau geht es in den brasilianischen Fussballstadien zu. Erst im Juni wurde der Verband zu einer 15.000 Dollar-Strafe verurteilt, weil Zuschauer*innen beim Eröffnungsspiel der Copa América homophobe Lieder anstimmten. Das ist auch der Grund, warum Machado nicht mehr zu Spielen geht. «Da wird der Torwart beim Abstoss als Bicha beleidigt und ein Spieler, der nicht trifft, ist ein Viado» – beides abwertende Bezeichnungen für Homosexuelle. «In einem Ligaspiel von Palmeiras wurde ein schwules Paar von Fans aus dem Stadion vertrieben und beleidigt.» Leider passiere so etwas in allen Stadien des Landes, darum werden sie von vielen LGBTIQ-Menschen gemieden.

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Er selber sei als Profi nicht direkt diskriminiert worden, aber von ihm wurde ein bestimmtes Verhalten erwartet. «Jeder Agent rät dir zu einer Familie und Kindern. Sie drängen uns zu einem heterosexuellen Verhalten. Aber es ist nie etwas, dass dir direkt ins Gesicht gesagt wird.»

Die Schuld an LGBTIQ-feindlichen Verhalten gibt er auch dem Präsidenten des Landes. Seine Hasskommentare trügen dazu bei, dass es solche Verbrechen weiterhin gebe. «Bolsonaro nimmt die Waffe nicht in die Hand, aber er klopft den Tätern auf die Schulter.»

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Vom Verband aus geschehe zu wenig. Manche Klubs posteten zu besonderen Anlässen Regenbogenfahnen in ihren sozialen Netzwerken, aber das hält Machado für wirkungslos. Vielmehr plädiert er in dem Spiegel-Interview für Punktabzüge oder sogar Zwangsabstiege, wenn sich homophobe Vorkommnisse häuften. Geldbussen hält er für ineffektiv, weil die meisten Teams millionenschwere Sponsorings hätten.

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Mit der LiGay will Machado, der aktuell für Bharbixas, eines der Teams in der LiGay, spielt, einen Fussball ohne Diskriminierung schaffen sowie sichere Räume für Menschen, die unter Vorurteilen leiden mussten. Sein Plan für die Zukunft: Für die Gay Games in Hongkong will er eine Nationalmannschaft zusammenstellen. Im vergangenen Jahr belegte ein Team aus Rio de Janeiro Platz Zwei, 2022 sollen Spieler aus dem ganzen Land antreten.

Kriss Rudolph

Geschrieben von

Kriss Rudolph lebt mit seinem Hund Mompa in Berlin. Bei MANNSCHAFT ist er als Online-CvD und als Chefredakteur der deutschen Print-Ausgabe tätig.

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