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LGBTIQ-freundlicher Urlaub: Schweden auf Platz 1

Nicht jeder bekannte Ferienort eignet sich für LGBTIQ-Menschen als Reiseziel.

LGBTIQ-freundlicher Urlaub
Bild: iStockphoto
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Während die Temperaturen abnehmen, nimmt bei vielen die Sehnsucht nach wärmeren Destinationen zu. Doch nicht jeder populäre Ferienort eignet sich für die LGBTIQ-Community als Urlaubsparadies. Der «LGBTQ+ Travel Index» zeigt, welche Reiseziele sicher sind und welche Länder besser gemieden werden sollten. Österreich und Deutschland belegen dabei die Plätze 20 und 21 – die Schweiz schafft es nur auf Rang 44.

Die kalte Jahreszeit steht bevor und so manche Menschen, die jeden Morgen fröstelnd auf den Bus warten oder das Eis von der Windschutzscheibe abkratzen, träumen von exotischen Orten, wo man nicht den eigenen Atem vor dem Mund sieht. Damit dieser Traum nicht zum Albtraum wird, sollte man vorher einen Blick auf ein neues Ranking werfen: LGBTIQ-freundlicher Urlaub ist nicht in jedem beliebten Touristenort möglich.

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Pluspunkte für Schutz
Die amerikanischen Reisejournalisten Asher und Lyric Fergusson haben die 150 meist besuchten Länder der Welt aufgelistet und nach LGBTIQ-Freundlichkeit bewertet. Die Rangliste soll nicht nur Reisenden helfen, sondern auch auf die «schreckliche Behandlung» von Schwulen und Lesben in vielen Teilen der Welt aufmerksam machen, wie sie gegenüber The Guardian sagen.

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Asher und Lyric Fergusson berücksichtigten dabei acht Faktoren. Positive Punkte sind etwa die Ehe für alle und das Adoptionsrecht. Weiter fiel ins Gewicht, ob die LGBTIQ-Community im betreffenden Land durch Gesetze – etwa am Arbeitsplatz – geschützt ist. Auch relevant für die Wertung ist, ob homophobe Hassverbrechen als solche bestraft werden.

Darüber hinaus berücksichtigten die Autor*innen eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Gallup. Bei dieser Erhebung konnten Schwule, Lesben und Bisexuelle weltweit bewerten, wie wohl sie sich in ihrem Land fühlen.

Nigeria und Katar am gefährlichsten
Minuspunkte hingegen gab es für Gesetze, die gezielt gegen Homosexualität vorgehen. Dabei berücksichtigten die Autor*innen der Rangliste auch die Härte der Bestrafung. In Nigeria, das auf dem letzten Platz liegt, droht die Todesstrafe. Das zweitgefährlichste Reiseziel für die LGBTIQ-Community ist Katar, wo in drei Jahren die Fussball-WM stattfinden soll. Auch dort steht Homosexualität unter Todesstrafe.

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Die fünf Länder mit der besten Bewertung sind Schweden, Kanada, Norwegen, Portugal und Belgien. Deutschland liegt mit Platz 21 unmittelbar hinter Österreich. Der entscheidende Unterschied zwischen den beiden Ländern ist das Fehlen eines expliziten Gesetzes gegen homophobe Hasskriminalität in Deutschland.

«Staaten, die LGBTIQ verfolgen, sind keine akzeptablen Gastgeber»

Fehlender Schutz vor Diskriminierung und das Verweigern des Adoptionsrechts für gleichgeschlechtliche Paare werfen die Schweiz weit zurück. Mit Platz 44 liegt sie hinter Ländern wie Albanien und Taiwan. Wegen ihrer gesetzlichen Defizite schneidet die Schweiz jeweils auch in ähnlichen Rankings schlecht ab (MANNSCHAFT berichtete).

Allerdings übertrifft die Schweiz in der Gallup-Umfrage sowohl Albanien und Taiwan als auch Österreich und Deutschland. Dies zeigt, dass die Gesetzgebung eines Landes nicht immer ein verlässlicher Indikator für die gesellschaftliche Akzeptanz ist.

Vorsichtsmassnahmen empfohlen
LGBTIQ-freundlicher Urlaub ist auch in einigen prominenten Feriendestinationen nur schwer möglich: So raten die Autor*innen von Aufenthalten in Ländern wie Jamaica, Ägypten, Marokko oder Malaysia ab. Allerdings bestünden lokale Unterschiede. Es sei durchaus möglich, dass es in einem sonst homophoben Land bestimmte Touristenorte gebe, die nicht gefährlich seien. Sich vorher genau darüber zu informieren, ist das A und O.

Für viele Länder empfehlen Asher and Lyric generell Vorsichtsmassnahmen wie das Ausschalten der Lokalisierung bei Dating-Apps. Diese Einstellung wird nämlich mancherorts von der örtlichen Polizei oder von homophoben Gewalttäter*innen missbraucht.

Silvan Hess

Geschrieben von

Silvan Hess (*1992) lebt in der Nähe von Zürich, hat an der Uni Zürich Deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft im Hauptfach und Filmwissenschaft und Philosophie in den Nebenfächern studiert und arbeitet seit 2012 als freischaffender Journalist.

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