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«Queere Repräsentation im Kino ist wichtig»

Der schwule Regisseur und Autor Paul Downs Colaizzo bringt «Brittany Runs a Marathon» ins Kino

Brittany Runs a Marathon
Brittany Runs a Marathon kommt ins Kino - der Regisseur mit seiner Hauptdarstellerin Jillian Bell (Foto: Instagram/Paul Downs Colaizzo)

Schwule und ihre besten Freundinnen – das ist, so sagt man, eine ganz besondere Angelegenheit. Aber nicht immer ist sie so besonders wie im Fall von Paul Downs Colaizzo, dem Regisseur von «Brittany Runs a Marathon».

Paul Downs Colaizzo hat über seine (frühere) Mitbewohnerin Brittany direkt einen Film gedreht – und mit «Brittany Runs a Marathon» in den USA einen der Überraschungshits des Jahres abgeliefert. Wir trafen den sonst vor allem am Theater arbeitenden New Yorker in seiner Heimatstadt zum Interview, um nicht nur über die Geschichte seiner zur Marathonläuferin werdenden Freundin zu sprechen, sondern auch seine Unterstützung für den schwulen Präsidentschaftsanwärter Pete Buttigieg, der in Umfragen recht gut dasteht (MANNSCHAFT berichtete).

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Mr. Colaizzo, wie sehr entspricht die Geschichte in «Brittany Runs a Marathon» den realen Erfahrungen Ihrer Freundin Brittany?
Meine Brittany und ihr plötzlicher Entschluss, mit dem Laufen anzufangen, um damit irgendwie ihr Leben in den Griff zu bekommen, inspirierte mich einfach. Ich dachte, das könnte eine tolle Geschichte für meinen ersten Film sein, denn ich sah aus nächster Nähe mit an, wie sie, die eben noch hoffnungs- und mutlos war, plötzlich wieder zu träumen anfing. Und weil Brittany eine unglaublich witzige, emotionale Person ist, erschien sie mir die ideale Protagonistin zu sein. Aber natürlich habe ich mich sowohl bei der Figur als auch bei der Handlung immer wieder von der Realität gelöst. Angefangen mit Brittanys Nachnamen.

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Erkennen Sie in Ihrer Filmheldin auch sich selbst wieder?
Auf jeden Fall. Schon allein, weil ich selbst kaum fitter sein dürfte als sie zu Beginn des Films. Überhaupt kenne ich manche ihrer Eigenschaften von mir selbst, etwa die Art und Weise, wie sie zu Beginn ihre eigene Unsicherheit und Frustration hinter Humor und Partylaune versteckt. Wie sie dann anfängt, irgendwann ihren Schutzpanzer fallen zu lassen, sich selbst in einem anderen Licht betrachtet und auch hinterfragt, wie andere sie sehen – das alles hat auf jeden Fall auch mit der Entwicklung zu tun, die ich selbst durchgemacht habe.

In welcher Weise?
Ich bin in der konservativen Provinz aufgewachsen, in einer ziemlich religiösen Familie. Da habe ich auch vieles hinter einer Fassade versteckt und in mich hineingefressen. Aber genau wie Brittany habe ich es geschafft, schliesslich vom lustigen Sidekick zum Hauptdarsteller meiner eigenen Lebensgeschichte zu werden.

Brittanys schwuler Jogging-Freund, den im Film Micah Stock spielt, ist also nicht Ihr Alter Ego?
Haha, nein. Ich bin nie mit Brittany laufen gegangen. Das wäre auch gar nicht gegangen, denn ich hatte mein Leben lang kaputte Knöchel, die mir Sport quasi unmöglich machten. Allerdings hat der Film mich dazu inspiriert, mich nach den Dreharbeiten endlich operieren zu lassen. Marathon-Ambitionen habe ich deswegen aber trotzdem keine.

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Empfinden Sie so etwas wie Pflicht, als schwuler Regisseur auch schwule Figuren in Ihre Geschichten zu integrieren?
Ich würde das nicht als Pflicht bezeichnen. Was ich will, ist Geschichten mit Herz und Empathie zu erzählen. Da ist es erst einmal zweitrangig, ob es da um Schwule oder Heteros oder wen auch immer geht. Aber natürlich weiß ich sehr genau, wie wichtig Repräsentation ist. Und ich freue mich, wenn ich dazu beitragen kann, dass immer mehr queere Menschen im Kino, am Theater oder im Fernsehen zu sehen sind. Ich ordne dieser Aufgabe nur nicht alles unter.

Wie sich an Ihrem Instagram-Account erkennen lässt, unterstützen Sie im US-Wahlkampf Pete Buttigieg als potentiellen Kandidaten der Demokraten. Glauben Sie, die USA sind bereit für einen schwulen Präsidenten?
Ehrlich gesagt möchte ich nicht in einer Welt leben, in der sich diese Frage überhaupt stellt. Denn ich blicke nicht durch eine solche Brille auf Menschen. Was ich weiss, ist Folgendes: wenn ich Pete Buttgieg zuhöre, dann spüre ich, dass ich ein besserer Mensch und ein besserer Amerikaner sein möchte. Von unserem aktuellen Präsidenten kann ich so etwas nicht behaupten. Ich finde es schrecklich, dass wir in einer Zeit Leben, in der es eine Qual ist, sich die Nachrichten anzuschauen, ganz gleich wo man sich selbst auf dem politischen Spektrum verortet. Das kann und muss doch einfach wieder besser werden. Und dafür erscheint mir Buttigieg der richtige Mann zu sein.

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Aber dass er schwul ist, ist doch nicht unerheblich, oder?
Natürlich nicht. Allerdings bei der Suche nach eigneten Präsidenten eigentlich egal. Es würde mir jedenfalls nicht einfallen, jemanden nur zu wählen, weil er schwul ist. Oder eine Frau nur weil sie eine Frau ist. Das ist mir zu oberflächlich und einseitig. Ich unterstütze Buttigieg, weil er mir moralisch aufrichtig erscheint, klug und anpackend. Er inspiriert mich und vermittelt mir Hoffnung. Darum geht es.

«Brittany Runs a Marathon» ist ab 24. Oktober in ausgewählten Kinos und ab dem 15. November bei Amazon Prime zu sehen.

Mitarbeit: Nadia Neophytou

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