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16 LGBTIQ-Personen in Uganda verhaftet und gefoltert

Die LGBTIQ-Organisation «Let’s Walk Uganda» schickt einen Notruf an die internationale Community

Uganda schwul
In einem Videoanruf schildern Aktivisten die Festnahme. (Bild: Screenshot Facebook)

Ein gewalttätiger Mob überfiel eine LGBTIQ-Unterkunft in Kampala, doch die zu Hilfe gerufene Polizei nahm 16 Personen fest und führte Analuntersuchungen durch.

Am Abend des 21. Oktober griff eine Gruppe junger Erwachsener die Unterkunft und die Büros der LGBTIQ-Organisation «Let’s Walk Uganda» in der Peripherie von Kampala, der Hauptstadt Ugandas, an. Der Mob soll homophobe Schimpfwörter und Obszönitäten gerufen und mit dem Lynchmord gedroht haben.

Die Anwesenden – Aktivist*innen von «Let’s Walk Uganda» sowie Personen in der Unterkunft – verbarrikadierten sich in den Räumlichkeiten und riefen die Polizei. «Wie sich traurigerweise herausstellte, kam die Polizei nicht, um uns zu retten, sondern um 16 Personen aus der Unterkunft zu verhaften und ihnen homosexuelle Handlungen vorzuwerfen», schrieb John Grace, Kassier bei «Let’s Walk Uganda», in einer E-Mail an MANNSCHAFT.

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Die Polizei beschlagnahmte auch mehrere «Beweise» für die Homosexualität der Verhafteten, darunter Kondome und wasserbasierte Gleitmittel, die von «Let’s Walk Uganda» zur HIV-Prävention verteilt werden, sowie antiretrovirale Medikamente. «Die Polizei hat zudem schmerzhafte Analuntersuchungen durchgeführt, um weitere Beweise für Homosexualität zu sammeln», schrieb Grace in seiner E-Mail.

Mit seinem Schreiben bittet Grace die internationale Community um Hilfe. «Mit möglichen Massnahmen möchten wir diese LGBTIQ-Personen zu einem sicheren Ort bringen», sagt er. «Die Nachricht über solche Vorfälle zu verbreiten, verhilft unserer Situation zu mehr Sichtbarkeit, da die lokalen Medien zum Thema schweigen.»

Ugandas Botschafter für Vielfalt

Homosexuelle Handlungen zwischen Männern und Frauen sind in Uganda verboten und können mit bis zu sieben Jahre Haft bestraft werden. Das berüchtigte «Kill The Gays»-Gesetz sah die Einführung der Todesstrafe vor und wurde 2014 von Präsident Yoweri Museveni unterschrieben. Im selben Jahr erklärte das Verfassungsgericht das Gesetz für ungültig.

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Anfang Oktober behauptete der Minister Simon Lokodo, das Parlament wolle die Verhandlungen für die Todesstrafe wieder aufnehmen (MANNSCHAFT berichtete). Obwohl die Regierung Ugandas eine neue Lancierung der Todesstrafe für Homosexuelle bestreitet, nimmt die homophobe Stimmung im Land zu. Unter anderem seien auch die Aussagen des Ministers dafür verantwortlich, sagte Frank Mugisha, CEO von «Sexual Minorities Uganda» gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters: «In einer kurzen Zeit konnten wir eine Zunahme solcher Angriffe beobachten – das ist nicht normal.»

Wie Reuters berichtet, wurde am 20. Oktober ein schwuler Flüchtling aus Ruanda Opfer eines Überfalls in Kampala. Eine Woche zuvor schlugen Unbekannte auf zwei trans Frauen ein, nachdem sie einen Nachtclub verlassen hatten. Für internationale Schlagzeilen sorgte der brutale Mord an den LGBTIQ-Aktivisten Wasswa «Brian» John Anfang Oktober (MANNSCHAFT berichtete).

Wer John Grace von «Let’s Walk Uganda» helfen beziehungsweise Hilfe vermitteln kann, meldet sich bitte bei Redaktor Greg Zwygart: greg (at) mannschaft.com. Aus Sicherheitsgründen werden die Kontaktangaben an dieser Stelle nicht veröffentlicht.

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