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Sven Ratzke ist zurück als David Bowie

«Where are we now» feiert in Berlin Weltpremiere

Sven Ratzke
Sven Ratzke (Foto: Promo/Edland Man)

Sven Ratzke feiert am 14. Oktober mit seinem zweiten David-Bowie-Programm „Where are we now» in der Berliner Bar Jeder Vernunft Deutschland-Premiere und spielt Ende des Monats u. a. auch in Luzern. Wir sprachen mit dem deutsch-niederländischen Musiker und Entertainer über freche Zuschauer, die neue Zugeknöpftheit der Menschen und natürlich: über Bowie.

Sven, wie waren die Reaktionen auf die Ankündigung für ein weiteres Bowie-Programm – eher: nicht schon wieder, oder: wie toll, mehr davon?
Eher letzteres. Ich habe das häufig von Leuten gehört, die sagten: Bitte mehr davon, das berührt mich so, deine Stimme klingt wie Bowie – dabei mache ich den ja gar nicht nach. Als «Starman», dein erstes Programm mit Bowie-Songs, Premiere hatte, lebte er noch. Wir waren damals auf einer Riesentour, und mittendrin stirbt er (MANNSCHAFT berichtete). Das war ein totaler Schock, und mit einem Mal wurde das Programm als Tribute Show gesehen.

Sven Ratzke
Sven Ratzke (Foto: Denis Veldmann)

Als die Nachricht von seinem Tod kam (am 10. Januar 2016, Anm. d. Red.), stand ab morgens um halb 7 mein Telefon nicht still mehr. Ich hatte die Auswahl aus allen grossen Talkshows in den Niederlanden, als ob ich ein Angehöriger von Bowie gewesen wäre. Das war schon sehr absurd.

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Du machst jetzt mit «Where are we now» ein zweites Programm. Was ist diesmal anders?
Die neue Show hat eine ganz andere Energie, einen viel intimeren Ansatz. Da sind Themen und Songs, die ich vorher nicht hätte machen können. Dieser Song «Lazarus» mit den Zeilen «Look up here, I‘m in heaven» – Wahnsinn, dass man seinen eigenen Tod schon besingt! Wir machen alle Songs nur mit Piano, und das knallt total. Wir haben eine Test-Preview gemacht und mitten in der Show gab es Standing Ovations, die Leute fingen an zu heulen, andere lachten, das waren so heftige Reaktionen.

Das ist dann vielleicht eher das, was man unter einer Tribute-Show verstehen würde.
Ich erzähle Geschichten über ihn, wie er am Schluss durch New York gelaufen ist und keiner hat ihn erkannt. In dem Song «Where are we now» schaut er zurück auf seine Zeit in Berlin. Im neuen Programm erzähle ich die Geschichte, wo er sich mit Iggy Pop und Romy Haag im KaDeWe einschliesst, und dann klettern die aufs Dach zusammen … Die ist imaginär, aber sie hätte stattfinden können.

«Now Apocalypse» – mehr Raum für queere Figuren

Du hast über ein paar Jahre «Hedwig and the angry Inch» gespielt und warst so überzeugend, dass Zuschauer nach der Show zu dir kamen und dir Sexangebote machten.
Die dachten, es ist mein Leben. Es gab damals ein paar Herren, die mir solche Angebote machten. Hedwig hatte ja diese laszive Haltung, es gab den Prostitutionshintergrund … Ich habe das immer als Kompliment genommen. Es gab aber auch ganz andere Momente. Einmal hat eine Zuschauerin in Berlin mir ihr Getränk ins Gesicht geschüttet, die konnte die Figur nicht ertragen. Dann hab ich eine Wasserflasche genommen und sie über ihr auskippt. Ein anderes Mal hat mir im Publikum jemand an die Brüste gefasst, dem hab ich eine gescheuert. Das macht man nicht!

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Hedwig ist aber jetzt definitiv durch, oder?
An Hedwig denke ich mit viel Liebe zurück, aber jetzt ist Zeit für was Neues. Das nächste grosse Projekt ist die «Rocky Horror Show».

Dein erstes Mal als Frank’n‘Furter?
Ja. Die Rolle wurde mir immer mal angeboten, an Staatstheatern, aber ich hatte immer andere Sachen, und einfach nur den Part spielen, wollte ich nicht. Hier habe ich totale künstlerische Freiheit, ich konnte mir auch die Regisseurin aussuchen. Es wird nächstes Jahr ab September in Holland und Belgien als Tourproduktion laufen. Da freue ich mich drauf.

Ein Kuss gegen Christen-Protest wegen «Rocky Horror Show»

 

Bei «Rocky» geht es ja um sexuelle Befreiung. Und das hat auch jetzt einen aktuellen Anlass, finde ich. Alles ist heute so verpönt, die Menschen so konservativ durch die ganze MeToo-Geschichte. In «Rocky» kommt man in diese Orgiensituation, mich reizt das: Wenn dann jemand im Publikum so zugeknöpft vor mir sitzt, nach dem Motto: Das ist ja total pervers! Dann halte ich dagegen: Nein, leben Sie!

Das ausführliche Interview mit Sven Ratzke ist im deutschen Oktober-Heft der MANNSCHAFT erschienen. Hier geht es zum Abo Deutschland und hier zum Abo Schweiz.

Kriss Rudolph

Geschrieben von

Kriss Rudolph lebt mit seinem Hund Mompa in Berlin. Bei MANNSCHAFT ist er als Online-CvD und als Chefredakteur der deutschen Print-Ausgabe tätig.

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