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Die Liebe fühlen in Slowenien

Eine Reise in das wohlhabendste und vielleicht schönste Land des ehemaligen Jugoslawiens

Ljubljana Pride
Ljubljana Pride 2018 (Foto: Nika Lapkovski)

Im Norden Österreich, im Westen Italien und im Nordosten Ungarn und Kroatien im Südosten: In Slowenien muss man sich einfach wohlfühlen – mittendrin in Europa.

Slowenien rühmt sich gerne, das einzige Land auf der Welt zu sein, das die Liebe im Namen trägt – in der englischen Schreibweise jedenfalls. I feel slovenia lautet denn auch der Claim, den die Tourismus-Beauftragten dem Land verpasst haben. Nur etwas über 2 Millionen Menschen leben hier, im wohlhabendsten Land des ehemaligen Jugoslawiens. Wenn man übers Land fährt – und das sei allen Besucher*innen dringend empfohlen – und einem die Alpen den Blick auf den Horizont versperren, könnte man fast auf die Idee kommen, man sei im Allgäu gelandet.

Die Slowenin Ana Roš ist ein Star (Foto: Hiša Franco)

Die Republik Slowenien hat zwei berühmte Töchter: Die eine heisst Ana Roš, ist Star einer «Chef´s Table»-Folge auf Netflix und gilt spätestens seit ihrer Kür zur Weltköchin 2017 zu den grössten Attraktionen des Landes. Ihr Restaurant Hiša Franco, wo sie u. a. «In Heu gekochte Kartoffel mit Eigelb und Lamm» serviert, findet man kurz vor der italienischen Grenze, in der kleinen Gemeinde Kobarid. Wer hier speisen will, sollte besser vorbestellen.

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Die andere, noch etwas berühmtere Tochter, hat einst für Gucci und Camel gemodelt und lebt längst in den USA, wo sie mit dem Präsidenten des Landes verheiratet ist. Melanija Knavs, besser bekannt als Melania Trump, stammt aus dem knapp 18.000 Einwohner-Städtchen Sevnica, 80 km östlich von Ljubljana entfernt. Hier werden seit ein paar Jahren «Melania Tours» angeboten.

Wander-, Trekking- und Aktivreisen für Gays und Friends

Der Veranstalter wirbt auf seiner Homepage mit den Fragen: Was, wenn man sehen könnte, wo sie zur Schule gegangen ist? Was wenn man sehen könnte, wo sie mit Freunden gespielt hat? Antwort: Man kann, und da bei der Tour regionales Essen und ebensolcher Wein inklusive ist, dürfte sich der Trip sogar lohnen. Zum Naschen empfiehlt sich möglicherweise auch ein Stück Torte aus weisser Schokolade mit Goldverzierung namens «Melania», die eine lokale Bäckerei anbietet, oder ein goldgesprenkelter «Crêpe Melania», die Spezialität des örtlichen Pfannkuchenhauses

Und wenn man schonmal hier ist, dann sind es nur noch 40 km weiter südöstlich bis nach Brežice, kurz vor der kroatischen Grenze. Wer ein bisschen Zeit übrig hat, dem sei ein Besuch im Posavski Muzej empfohlen. Das Museum zeigt in einem seiner Räume einen Schrank voller «unpassender Geschenke»: Hier findet sich u.a. ein Titten-Teddy, den mal ein schwuler Slowene von seinen besonders lustigen Freunden zum 18. Geburtstag geschenkt bekommen hat. Humor haben sie auch, die Slowenen.

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Katholische Kirche macht Politik gegen LGBTIQ
Den braucht man auch. Denn selbst wenn es in Artikel 7 der Verfassung heisst: Die Religionsgemeinschaften sind vom Staat getrennt, so mischt sich doch die katholische Kirche auf unangenehm penetrante Art immer wieder in die Politik ein. Nachdem das Parlament hier im Jahr 2015 ein Gesetz verabschiedet hatte, das gleichgeschlechtlichen Paaren eine vollwertige Ehe ermöglichte, wurde es in einem Referendum kurz vor Weihnachten 2015 wieder ausser Kraft gesetzt. 63,5 Prozent der Stimmberechtigten sagten Nein zur Eheöffnung, mobilisiert von der katholischen Kirche und ihrem Oberhaupt Papst Franziskus, die für ein Nein plädiert hatten. Ein gutes Jahr später im Februar 2017 trat schliesslich ein Gesetz in Kraft, das gleichgeschlechtliche Partnerschaft der Ehe fast gleichstellten – die Adoption fremder Kinder bleibt verboten.

Slowenien Urlaub
Foto: Pixabay

Wer sich in Ljubjlana umsieht, wo über eine Viertelmillion Menschen leben, erlebt eine junge Hauptstadt-Bevölkerung, die umwerfend gastfreundlich ist, gerne feiert und singt. Die Pride dagegen – eine der kleineren in Europa, aber definitiv dafür umso politischer – nimmt man hier sehr ernst.

Es begann mit 200 Leuten
Die formell erste Pride fand in Ljubljana in 2002 statt, erzählt die Pride-Chefin Simona. «Wir zählen aber schon 2001 mit, damals gab es den ersten Protestmarsch in der Stadt, als Reaktion auf einen homophoben Vorfall auf der Terrasse eines Cafés mitten in Ljubljana.»

In den ersten Jahren kamen etwa 200 bis 300 Leute zur Parade. Mehr Teilnehmer wurden es erst nach dem verlorenen Referendum im Jahr 2012, in dem die Liberalisierung des Familiengesetzbuches abgelehnt wurde. Die von der Katholischen Kirche unterstützte «Slowenischen Zivilinitiative für die Familie und Kinderrechte» erzielte damals 55 Prozent Zustimmung. Viele Mitglieder der LGBTIQ-Community waren geschockt von dem Ergebnis, erzählt Simona. Es wurden dann irgendwann 500 Teilnehmer, und in den letzten Jahren wuchs die Zahl sogar auf 2000 queere Demonstrant*innen und mehr (MANNSCHAFT berichtete).

Pride – und die Stadt feiert mit
Seit ein paar Jahren finden sich sogar immer mehr Zuschauer. Touristen, die Pride Paraden vielleicht aus ihren Ländern kennen, sehen vom Rand zu. Auch Anwohner hängen inzwischen aus Solidarität Flaggen aus ihren Fenstern. Und dieses Jahr hat auch Maribo, die zweitgrösste Stadt des Landes, Kulturhauptstadt 2012, mit 800 Leuten die erste Pride gefeiert. Alles verlief friedlich.

Trotzdem bleiben Homo- und Transphobie ein Problem, auch in der Hauptstadt. Immer gibt immer wieder Übergriffe auf Menschen, die von Partys der LGBTIQ-Community kommen und nach Hause gehen. Die Pride-Organisator*innen raten darum, in Gruppen nach Hause zu gehen oder ein Taxi zu nehmen. Immerhin, man hat einen guten Dialog mit der Polizei in der Stadt, so die Pride-Präsidentin …

Der vollständige Artikel ist im September-Heft der MANNSCHAFT erschienen. Hier geht es zum Abo Deutschland und hier zum Abo Schweiz.

Kriss Rudolph

Geschrieben von

Kriss Rudolph lebt mit seinem Hund Mompa in Berlin. Bei MANNSCHAFT ist er als Online-CvD und als Chefredakteur der deutschen Print-Ausgabe tätig.

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