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Elton John macht «Der Teufel trägt Prada» zum Bühnenmusical

Im Sommer 2020 geht in Chicago eine Adaption des Filmklassikers in Premiere. Aber wer wird Miranda Priestly spielen?

Meryl Streep als «bitchy» Miranda Priestly und Anne Hathaway in der Filmversion von «Der Teufel trägt Prada» (Foto: Fox Deutschland)
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Das James M. Nederlander Theatre in Chicago hat diese Woche bekanntgegeben, dass dort im Juli 2020 eine Musical-Version von «Der Teufel trägt Prada» in Premiere gehen wird, mit neu komponierter Musik von Elton John. Der Kartenvorverkauf beginnt bereits am 6. Oktober, man geht also von grosser Nachfrage aus.

Die LGBTIQ-Zeitschrift The Advocate schreibt dazu: «Millionen Mädchen würden alles dafür geben, in dieser Musical-Adaption mitzuspielen – und nun bekommen sie die Gelegenheit dazu.» Allerdings würden sicher auch Millionen schwule Showqueens alles dafür geben, in die Rollen von (wahlweise) Meryl Streep, Anne Hathaway oder Emily Blunt zu schlüpfen.

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Doch es wird keine genderverdrehte oder cross-dressed Version, so wie kürzlich das Stephen-Sondheim-Musical «Company» mit etlichen Hauptrollen in Gender-Umkehrung im West End neu Furore machte und jetzt auf dem Weg zum Broadway ist, oder wie «Hello Dolly» mit Stars wie Christoph Marti (alias Ursli Pfister) ein Hit war in Bern. Ganz zu schweigen von Martis aktueller «Roxy und ihr Wunderteam»-Produktion an der Komischen Oper Berlin.

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Stattdessen wird es für den konservativen kommerziellen US-amerikanischen Musical-Markt eine 1:1-Umsetzung geben, aber mit deutlich «schwuler» Note: Das Buch (also die Dialoge) schreibt Paul Rudnick, die Musik übernimmt direkt nach seinem «Rocketman»-Triumph Elton John, die Liedtexte werden von Shaina Taub beigesteuert. Die Regie liegt in den Händen von Anna D. Shapiro.

Das klingt schon mal ziemlich vielversprechend was ein «Queering» des Romans von Lauren Weisberger aus dem Jahr 2003 angeht oder den Film von 2006 mit Meryl Streep als Miranda Priestly. (Muss man da überhaupt noch etwas «queeren»?)

Von Adam & Steve bis zu den ersten Lesben
Paul Rudnick hat 1994 das wunderbare Aids-Stück «Jeffrey» geschrieben, aus dem später der gleichnamige Film wurde mit sehr schrillen Musical-Sequenzen. Rudnick schrieb 1999 auch die Bibel-Satire «The Most Fabulous Story Ever Told» über die Bemerkung evangelikaler Anti-LGBTIQ-Prediger «Gott hat Adam und Eva erschaffen, nicht Adam und Steve». Bei Rudnick tut Gott genau dies und erschafft auch gleich noch die ersten Lesben: Jane und Mabel. 2013 steuerte Rudnick zwei Stücke bei für die Anthologie «Standing On Ceremony: The Gay Marriage Plays».

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In Hollywood war Rudnick an den Drehbüchern von «The Addams Family» und «The First Wives Club» beteiligt, natürlich auch an «In & Out» mit Tom Selleck und Kevin Kline sowie den «Stepford Wives». Man kann das ohne Übertreibung eindrucksvoll nennen – zudem sind quasi alle diese Filme auf der Top-100-Liste von Klassikern, die Heteronormativität mit viel Humor dekonstruieren, im Fall von «Jeffrey» wird auch Homonormativität brillant dekonstruiert.

Bei Elton tanzen gelernt
Zu Elton John muss man sicher kaum noch etwas sagen, ausser dass er bereits 1994 fürs Film-Musical «König der Löwen» die Musik schrieb, woraus dann später ein Bühnenhit wurde. Er komponierte mit Tim Rice 1998 die Musik zum Musical «Aida», 2005 dann die Lieder für die fulminante Musical-Version von «Billy Elliot», die weltweit erfolgreich war und immer noch tourt. Als Billy trat zwischenzeitlich auch Tom Holland auf, der jetzt als Spiderman weltberühmt ist und bei Elton tanzen lernte.

Die Karten für die Aufführungen in Chicago zwischen 14. Juli und 17. August 2020 dürften schnell weg sein. Und wie Elton/Rudnick den grossen Auftritt von Miranda musikalisch umsetzen, darüber darf man sich bis dahin gehörig den Kopf zerbrechen.

Im Film kommt natürlich auch die schwule Figur des Nigel vor, Creative Director des fiktiven Modemagazins «Runway», das nach dem Vorbild von Vogue modelliert ist. Stanley Tucci spielt die Rolle und schlägt sich wacker neben der geballten Frauenübermacht um sich herum.

Deutschland und Südkorea
Wer all diese Rollen in der Musical-Version übernehmen wird ist noch nicht bekannt. Bei einer Lesung des Skripts in New York spielte kürzlich Emily Skinner («The Cher Show») die Rolle der Miranda und Krystina Alabado (aus der Broadway-Produktion «Mean Girls») die Assistentin Andy Sachs. Mario Cantone war der Nigel – er ist bekannt aus «Sex and the City», wo er den tuntigen Innenausstatter gibt. (Sehr viel klischeehafter als Tucci das jemals tat; aber das wäre ein anderes Thema.)

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Man kann aber auf alle Fälle davon ausgehen, dass das Stück nach den Try-outs in Chicago an den Broadway kommt, wenn’s nicht ein totaler Flop werden sollte. Und falls erfolgreich, wird dieser Elton John/Paul Rudnick «Teufel» von dort in die ganze restliche Welt weitergereicht. Der größte Markt für Broadwaymusical ist (neben London) übrigens: Deutschland und Südkorea!

Kevin Clarke

Geschrieben von

Dr. Kevin Clarke hat in Berlin und Mailand Musikwissenschaft sowie Literaturgeschichte studiert. Er spezialisierte sich früh auf LGBTIQ-Themen im Kulturbereich. 2007 veröffentlichte er das Buch «Glitter and be Gay: Die authentische Operette und ihre schwulen Verehrer», ab 2010 kuratierte er im Schwulen Museum verschiedene Ausstellungen, u. a. «Porn That Way» und «Superqueeroes». Von ihm gibt es mehrere international erfolgreiche Bücher, z. B. «Beards: An Unshaved History» und eine Biografie von Charles Leslie («The Art of Looking»). Clarke lebt mit seiner Familie in Berlin. Er unterrichtet an verschiedenen Hochschulen im In- und Ausland.

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