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«Golden Girls» neu bei Netflix: mit Jane Lynch und Cyndi Lauper

Nachdem das schwule Update «Silver Foxes» gescheitert war, wurde jetzt eine neue Variante mit lesbischem Star bestätigt

Die «Golden Girls» mit Estelle Getty, Bea Arthur, Rue McClanahan und Betty White: ein schwuler Kultklassiker (Foto: NBC)

Die «Golden Girls» waren ein schwuler Klassiker. Das Identifikationspotenzial mit den taffen Ladies rund um Dorothy und Blanche lag bei gefühlten 99,9 Prozent. Jetzt hat die lesbische Schauspielerin Jane Lynch («Glee», «The Marvelous Mrs. Maisel») mitgeteilt, sie habe Netflix eine neue Serienidee verkauft, die «so ist wie Golden Girls für heute». Ebenfalls dabei: Popstar Cyndi Lauper.

In der Kultserie, die von 1990 bis 1994 in Deutschland erstausgestrahlt wurde, spielt zwar weit und breit (fast) keine schwule Figur mit. Aber die starken Frauen mit ihrem betont aktiven Liebesleben, ihrem versauten Humor und ihrer «Wahlfamilie», in der sie als Senioren zusammenleben, um sich umeinander zu kümmern, hat in den Herzen vieler LGBTIQ eine grosse Echokammer gefunden, die selbst von ihren Familien verstossen worden waren. (Wir erinnern uns: Anfang der 1990er-Jahre war die Aids-Krise noch auf ihrem Höhepunkt und damit verbunden eine virulente Homophobie allgegenwärtig.)

Mit der Rolle der Cheerleader-Trainerin Sue Sylvester in «Glee» wurde Jane Lynch weltberühmt (Foto: FOX)

Zum Golden-Girls-Team gehörten schwule Drehbuchautoren wie Stan Zimmerman, der seine besondere «queere» Sicht auf Dinge in die Dialoge einfliessen liess. Zimmerman hat seither eine Pilotfolge für eine schwule «Golden Girls»-Variante geschrieben mit dem Titel «Silver Foxes». Diese hat aber bislang keinen Abnehmer gefunden.

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Ohne Ehemänner und Kinder
Und dann kommt auf einmal Jane Lynch, die gerade einen Emmy Award für ihre Rolle in «Marvelous Mrs. Maisel» gewonnen hat, und verkündet: «Ich habe Netflix die Idee für eine Show unterbreitet, und sie haben sie gekauft. Ich weiss nicht, ob ich das überhaupt erzählen darf, aber Cyndi Lauper spielt auch mit. Also, jetzt ist es raus. Mal sehen was draus wird. In der Serie haben wir unser eigenes Alter: Ich bin fast 60, sie ist 65. Und wir suchen unseren nächsten Lebens- bzw. Karriereabschnitt, ohne dass wir je Ehemänner oder Kinder gehabt hätten. Es wird noch zwei Leute geben, die aber noch nicht besetzt wurden. Aber es wird eine Art ‹Golden Girls› für heute.»

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Die beiden entwickeln die Serie zusammen mit der lesbischen Komikerin und Comedy-Autorin Carol Leifer. Diese Emmy-nominierte Autorin und Stand-up-Komikerin hat bereits Drehbücher für «Saturday Night Live», «Seinfeld» und andere erfolgreiche Sendungen geschrieben.

Bislang ist nicht bekannt, wann die Sendung online verfügbar sein wird. Netflix hat noch keinerlei Kommentar dazu abgegeben. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass Lynch, Lauper und Leifer dieses Projekt in den Griff bekommen und einen Hit produzieren, ist hoch. Und wird Golden-Girls-Fans sicher in Scharen anlocken. Lauper hatte übrigens auch das glitzernde Cross-dressing Broadwaymusical «Kinky Boots» komponiert. Sie wurde dafür 2013 mit einem Tony Award ausgezeichnet, Grammys fürs Beste Cast Album folgten.

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Altersdiskriminierung in Hollywood
Das US-amerikanische Out-Magazin hat darauf hingewiesen, dass das neue Serienprojekt ein bisschen nach «Frankie & Grace» klinge, die am längsten laufende Netflix-Serie mit Jane Fonda und Lily Tomlin als besten Freundinnen, deren Ehemänner sich als schwul outen und heiraten, worauf die beiden Frauen zusammenziehen.

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2017 hatte Stan Zimmerman dem Sender Fox News erzählt, dass sein Golden-Girls-Update «Silver Foxes» von vier älteren schwulen Männern in Palm Springs handeln sollte. Aber: «Wir konnten leider keinen Sender dazu bringen, das Drehbuch zu lesen. Nicht mal ein Produzent wollte es sich anschauen. Es scheint, dass Altersdiskriminierung und Homophobie in Hollywood sehr lebendig und gesund (‹alive and well›) sind. Vielleicht bekommen wir noch genug Unterstützung und können das Projekt bei Hulu oder Amazon platzieren.»

Daraus wurde aber nichts, trotz des geplanten Gastauftritts von Betty White. Ob sie diesen Gastauftritt nun bei Lynch und Lauper absolvieren wird, ist nicht bekannt.

Kevin Clarke

Geschrieben von

Dr. Kevin Clarke hat in Berlin und Mailand Musikwissenschaft sowie Literaturgeschichte studiert. Er spezialisierte sich früh auf LGBTIQ-Themen im Kulturbereich. 2007 veröffentlichte er das Buch «Glitter and be Gay: Die authentische Operette und ihre schwulen Verehrer», ab 2010 kuratierte er im Schwulen Museum verschiedene Ausstellungen, u. a. «Porn That Way» und «Superqueeroes». Von ihm gibt es mehrere international erfolgreiche Bücher, z. B. «Beards: An Unshaved History» und eine Biografie von Charles Leslie («The Art of Looking»). Clarke lebt mit seiner Familie in Berlin. Er unterrichtet an verschiedenen Hochschulen im In- und Ausland.

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