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Nazi-Hetzjagd gegen Pride im ukrainischen Charkiw

Rechtsextreme griffen Demonstrant*innen an – es gab zwei Verletzte und 17 Verhaftungen

Charkiw Pride
Die erste Charkiw Pride in der Ostukraine (Foto: Twitter/Matthew Schaaf)
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In der ukrainischen Stadt fand erstmals die Charkiw Pride statt. Selbst zahlreiche Drohungen aus unterschiedlichen Kreisen konnten die LGBTIQ-Community nicht davon abhalten, für Sichtbarkeit und Akzeptanz zu demonstrieren. Nach dem Marsch wurden jedoch zahlreiche Teilnehmer*innen angegriffen.

Rund 2’000 Menschen marschierten zu Parolen wie «Wir sind alle gleich, wir sind alle anders» über einen Platz in der Innenstadt von Charkiw. Die zweitgrösste Stadt der Ukraine liegt unweit der russischen Grenze und war zum ersten Mal Durchführungsort einer Pride. Am Tag danach twitterte die US-Botschaft in Kiew: Man sei traurig über die Gewalt, aber auch dankbar für die Bemühungen der Behörden, die freiheitlichen Grundrechte der Teilnehmer*innen durchzusetzen.

Grosses Polizeiaufgebot
Im Vorfeld warnte Bürgermeister Hennadiy Kernes davor, rechtlich gegen die Organisator*innen vorzugehen. Ausserdem kündigten rechts-nationalistische Aktivist*innen gewalttätige Angriffe an, sollte es zur Pride kommen. Menschenrechtsgruppen wie Amnesty International forderten die ukrainische Regierung auf, die Demonstration zu erlauben und den Beteiligten ausreichend Schutz zu bieten.

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Schliesslich wurde die Pride auf einen Platz vor einer U-Bahnstation in der Innenstadt begrenzt. Die Teilnehmer*innen – vor allem junge Menschen – marschierten dort während zweier Stunden hin und her. Die Polizei war mit einem Grossaufgebot vertreten und überwachte das Geschehen.

Eskalation nach Pride
In der Nähe fand eine Gegendemonstration mit ein paar Dutzend Personen statt. Viele von ihnen waren maskiert, einige warfen Eier auf die Pride-Teilnehmer*innen. Ein weitaus grösseres Problem stellte eine Horde Rechtsradikaler dar, die in einem Park der Millionenstadt auf die Polizei traf. Die Einsatzkräfte mussten Tränengas einsetzen.

Morddrohung wegen Unterstützung für Pride in Katowice

Nach der Pride griffen rechtextreme Hooligans mehrere Teilnehmer*innen an und jagten sie regelrecht durch die Stadt. Mindestens zwei Personen wurden durch Schläge und Tritte verletzt. Als Folge dieser gewalttätigen Auseinandersetzungen wurden 17 Personen festgenommen.

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Niedrige Akzeptanz
Drei Monate zuvor erlebte Kiew die bisher grösste Pride des Landes. Anders als bei der Charkiw Pride gelang es der Polizei dort, die etwa 1’000 Gegendemonstrant*innen von den 8’000 Pride-Besucher*innen fernzuhalten.

Ukraine: Polizei führt aggressive Razzia in Schwulenclub durch

Homosexualität ist in der Ukraine zwar seit 1991 legal – doch die Akzeptanz in der Gesellschaft ist äusserst niedrig. In Umfragen zu LGBTIQ-Toleranz liegt der osteuropäische Staat sogar hinter Russland.

81,3 Prozent der Bevölkerung halten gleichgeschlechtliche Beziehungen gemäss einem kanadischen Meinungsforschungsinstitut unter keinen Umständen für akzeptabel. Homosexualität wird demnach in der Ukraine negativer bewertet als Ehebruch und Steuerhinterziehung. Die verbreitete Homophobie dürfte vom religiösen Konservatismus und von den Nachwirkungen der Sowjet-Zeit herrühren, als Homosexualität noch unter Strafe stand.

Ein Bericht über die Situation für LGBTIQ in der Ukraine folgt im (deutschen) Oktober-Heft der MANNSCHAFT. Hier geht es zum Abo Deutschland und hier zum Abo Schweiz.

Silvan Hess

Geschrieben von

Silvan Hess (*1992) lebt in der Nähe von Zürich, hat an der Uni Zürich Deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft im Hauptfach und Filmwissenschaft und Philosophie in den Nebenfächern studiert und arbeitet seit 2012 als freischaffender Journalist.

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