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«Schwuchteln sind hier nicht gewollt» – Sachsen wählt (4)

LGBTIQ-Organisationen leisten wertvolle Arbeit im Freistaat. Und sie werden dafür angefeindet

Sachsen wählt
Foto: CSD Pirna
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Bislang wurde Sachsen von einer Koalition aus CDU und SPD regiert, doch die hat nach aktuellem Stand keine Mehrheit mehr. Das Institut Insa ermittelte jetzt für Bild eine Zustimmung von 29 Prozent für die CDU und 25 für die AfD, die SPD käme nur auf 8 Prozent. Zwar hat die CDU eine Koalition mit den homofeindlichen Rechtspopulisten ausgeschlossen, aber was politisch möglich ist und was nicht, wird man erst am Wahltag wissen. Teil 4 unserer Serie über die Stimmung in Sachsen.

LGBTIQ-Organisationen leisten wertvolle Arbeit, auch in Sachsen. Der Pride-Veranstalter der sächsischen Stadt Pirna, eine halbe Stunde von der Hauptstadt Dresden entfernt, wurde für sein LGBTIQ-Begegnungszentrum und den Einsatz für die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt geehrt und erhielt im vergangenen November den Förderpreis für Demokratie – 2016 war er an den Verein CSD Dresden gegangen.

LGBTIQ? «Solche Leute haben wir hier nicht» – Sachsen wählt (2)

Seit März 2018 gibt es das LGBTIQ-Begegnungszentrum – ein Novum im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Sachsens Gleichstellungsministerin Petra Köpping (SPD) fördert das Haus mit 24.000 Euro im Jahr. Wir wollten wissen, wie die Stimmung dort ist, so kurz vor dem Wahltermin rückt.

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«Angst hat hier keiner», erzählt CSD-Chef Christian Hesse. «Wir versuchen den Leuten offen zu sagen, was ist wenn eine AfD in die Regierung kommt, das z.B. das Begegnungszentrum oder auch der CSD so nicht mehr stattfinden wird.»

Der CSD Pirna war dieses Jahr der erste in ganz Sachsen, der am Rathaus die trans Fahne hisste, neben der Regenbogenflagge. «Unser OB Klaus-Peter Hanke ist sehr offen, und er steht völlig hinter dem CSD Pirna. Darauf sind wir alle sehr stolz», so CSD-Chef Hesse gegenüber MANNSCHAFT.

Doch so viel demonstrierte Vielfalt kommt nicht bei allen gut an. Immer wieder werden queere Vereine und Organisation in Sachsen angefeindet, teils auch bedroht oder sabotiert. Beim CSD in Pirna wurde in der Nacht vorm CSD 2017 die gesamte Bühnenplane eingeschnitzt und auch die Regenbogenfahnen am Bühnendach wurde abgerissen.

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Auch 2018 gab es solche Vorfälle. «Trotz Nachtwache haben es Leute geschafft Müllsäcke die gefüllt waren mit Papierschnipseln und Sprüchen wie Fuck CSD, NO Homo u.s.w dies auf dem gesamten Marktplatz zu verstreuen», erzählt Christian Hesse. Er und seine Kolleg*innen mussten am Samstag Früh den gesamten Marktplatz reinigen, um dort ihre Kundgebung abhalten zu können.

Sachsen hat viele LGBTIQ-Baustellen – und die AfD legt zu

Beim Verein «different people» in der drittgrössten Stadt Chemnitz wurden im Februar 2018 die Scheiben eingeschlagen. Während eines Gruppentreffens tauchte ein Mann vor dem Haus auf, brüllte Sätze wie «Verpisst euch! Schwuchteln sind hier nicht gewollt» und drohte den versammelten Menschen minutenlang, sodass die Polizei gerufen werden musste.

Grosse Solidarität nach Anschlag
Immerhin, nach dem Angriff bekam der Verein so viele Spenden, dass der Schaden vollständig bezahlt werden konnte, zudem erhielten die «different people» eine grosse Solidaritätsbekundung und Unterstützung. Man erstattete eine Anzeige, doch die verlief ins Leere. Einen vergleichbaren Anschlag hat es nicht gegeben, allerdings wurde die Einfahrt immer wieder mit brauner Farbe beworfen und beschmiert.

Die September-Ausgabe der MANNSCHAFT ist da!

Nun gibt es solche Vorkommnisse auch in Berlin, doch anders als in der Hauptstadt werden in Sachen Straftaten mit vorurteilsmotiviertem Hintergrund nicht explizit erfasst; auch hat die Polizei hier keine LGBTIQ-Ansprechpartner und die Beamten sind für LGBTIQ-feindliche Straftaten nicht sensibilisiert. Auf Seiten der Community ist das Vertrauen in der Ermittlungsbehörden entsprechend gering, die Bereitschaft, eine Straftat anzuzeigen, ebenso.

Mehr zur Wahl in Sachsen und zur Situation der LGBTIQ-Vereine im Freistaat steht in der September-Ausgabe der MANNSCHAFT (Deutschland): Hier geht es zum Abo Deutschland und hier zum Abo Schweiz.

Kriss Rudolph

Geschrieben von

Kriss Rudolph lebt mit seinem Hund Mompa in Berlin. Bei MANNSCHAFT ist er als Online-CvD und als Chefredakteur der deutschen Print-Ausgabe tätig.

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