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Ein Ombudsmann gegen «schwule Pässe»

Der schwule Amateurfussballer Oliver Egger kämpft gegen Homophobie im österreichischen Fussball

Oliver Egger
Oliver Egger im Dokumentarfilm «Der Tag wird kommen». (Screenshot ORF)
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Österreichs Fussballinstitutionen haben auf die aktuelle Saison hin eine Homophobie-Ombudsstelle eingerichtet. Mit Oliver Egger fungiert der erste und einzige offen schwule Fussballer Österreichs als Leiter der unabhängigen Anlaufstelle für LGBTIQ-Menschen.

«Schwule Pässe» sind auf Fussballplätzen an der Tagesordnung. Genau wie der Spruch «Du spielst wie eine Schwuchtel». Solche homophoben Beschimpfungen sollen die Härte und Stärke des Adressaten in Frage stellen. Über diese Klischees kann Oliver Egger, der erste offen schwule Fussballer Österreichs, nur schmunzeln. Als Verteidiger beim FC Gratkorn sei der 26-Jährige fürs Grobe zuständig. «Wenn ich attackiere, bleibt kein Auge trocken», sagt Egger gegenüber diePresse.com.

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Wie eine Befreiung
Seit diesem Sommer ist Egger nicht mehr nur Spieler in der Oberliga Mitte West, sondern auch Ombudsmann einer unabhängigen Anlaufstelle für LGBTIQ-Menschen. Diese Einrichtung ist in ganz Europa einzigartig. Die Bundesliga und der Österreichische Fussballverband (ÖFB) wollen damit Diskriminierungen mit homophobem Hintergrund bekämpfen.

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Oliver Egger selbst outete sich 2016 bei seiner Geburtstagsfeier in Graz vor den Teamkollegen, indem er seinen damaligen Freund küsste. Dies sei für ihn wie eine Befreiung gewesen; niemand habe ablehnend reagiert. Eggers Geschichte war auch Gegenstand einer 25-minütigen ORF-Dokumentation mit dem Titel «Der Tag wird kommen».

Der Grazer mit der Rückennummer 13 weiss, wie sehr ein Spieler homophobe Beschimpfungen treffen können. Er selbst wurde bei manchen Spielen vor und während des ganzen Matches auf das Übelste mit schwulenfeindlichen Beschimpfungen eingedeckt. Das tue weh, sagt Egger gegenüber 90minutenFM. Er könne sich in solchen Fällen nur schwer auf das Spiel konzentrieren und Spass haben.

Als «Wunderkind» gegen Homophobie im Fussball

Unterschiedliche Massstäbe
Heute startet in Deutschland mit der Partie FC Bayern München gegen Hertha BSC Berlin die neue Bundesliga-Saison. Auch beim 57. Kampf um die Meisterschale gibt es keinen einzigen schwulen Spieler auf dem Platz. Thomas Hitzlsperger (Spitzname «Hitz The Hammer») ist der bisher einzige deutsche Fussballprofi, der sich geoutet hat – allerdings nach seinem Karriereende 2013.

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Dass man Homophobie eher toleriert als andere Formen von Diskriminierung, ist auch die Schuld der obersten Instanzen, die mit ihren Entscheidungen falsche Signale senden. So sollte im Jahr 2007 Weidenfeller vom Deutschen Fussball-Bund (DFB) wegen rassistischen Äusserungen für sechs Wochen gesperrt werden. Der Dortmunder soll während des Revierderbys gegen Schalke einen gegnerischen Spieler als «schwarzes Schwein» beschimpft haben. Dortmund verteidigte ihren Torwart jedoch mit der Begründung, er habe bloss «schwules Schwein» gesagt. Daraufhin wurde die die Strafe um drei Wochen reduziert. Für Homophobie und Rassismus gelten im Fussball weiterhin völlig andere Massstäbe. Egger fordert, dass sich das ändern müsse.

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Er glaubt, dass vor allem Ignoranz für Homophobie im Fussball verantwortlich sei, denn viele hätten schlicht keine Ahnung von Homosexualität. «Sie sehen bunte Fotos einer Gay-Parade und glauben, dass alle Schwulen so wären.» Dazu wirkt das Stadion als Bastion der «Männlichkeit» wie ein Katalysator für Vorurteile und Klischees. Dennoch hofft Egger, dass er mit seiner Geschichte Mut machen könne. Er will jungen schwulen Spielern zeigen, «dass es geht».

Silvan Hess

Geschrieben von

Silvan Hess (*1992) lebt in der Nähe von Zürich, hat an der Uni Zürich Deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft im Hauptfach und Filmwissenschaft und Philosophie in den Nebenfächern studiert und arbeitet seit 2012 als freischaffender Journalist.

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