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CSD Berlin: Fahne angezündet, Besucher angegriffen

Am Rande der Hauptstadt Pride kam es am Samstag zu unschönen Vorfällen

CSD Berlin
Das war der CSD Berlin 2019 (Foto: Kriss Rudolph)

Rund eine Million Menschen haben am Samstag beim CSD Berlin gefeiert. Allein 250.000 bis 300.000 Menschen hätten sich allein an der Parade beteiligt, teilte Mitorganisator David Staeglich-Büge mit. Doch am Abend kam es zu mehreren homophoben Zwischenfällen.

Eine Gruppe von sechs Männern wurde am Samstagabend von einem Mann angegriffen. Einer von ihnen, Dieter H., wurde an Kiefer und Fussgelenk verletzt, erklärte er gegenüber MANNSCHAFT. Einem seiner Freunde wurde zwischen die Beine getreten, einem anderen ins Gesicht geschlagen. Die Polizei war binnen weniger Minuten vor Ort und nahm den Angreifer fest. Die Männer erstatteten Anzeige.

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Zwei bisher unbekannte Jugendliche oder junge Männer haben aussdem in der Nacht zum Sonntag in Köpenick versucht, eine Regenbogenfahne in Brand zu setzen. Nach Angaben von Zeugen sei einer der beiden Unbekannten gegen 0.30 Uhr den Fahnenmast vor dem Köpenicker Rathaus hinauf geklettert und habe dann mehrfach versucht, die gehisste Regenbogenfahne zu entzünden.

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Der zweite Unbekannte hatte ihm laut Polizeibericht zuvor beim Erklimmen des Mastes geholfen. In der Fahne ist ein kleines Brandloch entstanden. Die beiden Tatverdächtigen flüchteten anschliessend. Die Zeugen filmten die Tat und stellten das Video der Polizei zur Verfügung. Die Ermittlungen wegen Sachbeschädigung mit homophobem Hintergrund dauern an.

Zudem hat ein betrunkener 19-Jähriger am Samstagabend in der U-Bahn mehrere Fahrgäste beleidigt und bedroht. Nach Angaben von Zeugen hatte der junge Mann zunächst in einem Zug der Linie U3 mehrfach zwei Männer schwulenfeindlich beleidigt: Sie trugen T-Shirts mit Regenbogenflaggen.

CSD Berlin
Das war der CSD Berlin 2019 (Foto: Kriss Rudolph)

Eine 72-jährige Passagierin hatte den alkoholisierten 19-Jährigen daraufhin aufgefordert, damit aufzuhören, woraufhin er auch sie mehrfach beleidigte. Die beiden zuerst beschimpften Männer verliessen die Bahn, dafür richtete sich die Wut des jungen Mannes nun gegen mehrere andere Fahrgäste, die ihren Unmut über sein Verhalten äusserten. Er beleidigte und bedrohte sie und äusserte sich volksverhetzend.

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Als die Zeugen schliesslich die Polizei verständigt hatten und gemeinsam mit der ebenfalls alkoholisierten 61 Jahre alten Mutter des Pöblers die Bahn verliessen, fuhr sie weiter. Seine Mutter nannte den Polizisten jedoch seinen Namen. Die Ermittlungen wegen Beleidigung, Bedrohung und Volksverhetzung dauern an. Auch nach der Zurich Pride gab es einen homophoben Angriff.

Zuvor hatte am Freitagabend ein betrunkener Mann in einer Strassenbahn in Weissensee den Hitlergruss gezeigt und Frauen homophob beleidigt. Eine von ihnen schubste er gegen die Tür.

Das Motto des CSD Berlin lautete in diesem Jahr «Stonewall 50 – Every riot starts with your voice» («Jeder Aufstand beginnt mit deiner Stimme»). Es war an jedem der rund 100 Trucks angebracht und für jeden zu sehen.

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Auch in Stuttgart wurde am Samstag CSD gefeiert. Dort waren 94 Formationen mit etwa 7000 Teilnehmer*innen dabei – ein neuer Rekord, wie bei vielen Pride-Veranstaltungen in diesem Jahr. Die Demo fand unter dem Motto «Mut zur Freiheit» statt. «Pöbeleien auf der Strasse und Sprüche hören wir wieder häufiger», sagte Organisator Christoph Michl. Es gehe nun auch darum, erkämpfte Freiheiten zu verteidigen. Auch die Hamburg Pride am kommenden Wochenende erwartet einen neuen Teilnahme-Rekord.

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