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Mahnmale sollten besser geschützt und überwacht werden

Es ist nicht länger hinnehmbar, dass Berliner Gedenkorte regelmässig beschädigt oder beschmiert werden

verfolgte Homosexuelle
Das Berliner Denkmal für verfolgte Homosexuelle wurde beschädigt (Archivbild, Foto: Angel Ivanov/LSVD)

Es trifft Berliner Gedenkorte für homosexuelle Opfer der nationalsozialistischen Terrorherrschaft genauso wie jene für jüdische: Regelmässig werden sie beschädigt oder beschmiert. Das kann nicht länger ohne Konsequenzen bleiben, meint Kriss Rudolph in seinem Samstagskommentar*.

Wenn ich in Tel Aviv bin oder wie neulich in München, stelle ich einen wesentlichen Unterschied zu Berlin fest, der mich immer wieder staunen lässt. Man stellt da am Strand Fitnessgeräte auf oder hier hübsche neue Bänke in der Innenstadt, und schaut man dann nach einem oder zwei Jahren nochmal vorbei, dann ist nichts abgeschraubt, draufgesprüht oder eingeritzt. Man erkennt höchstens witterungsbedingte Veränderungen. That’s it. In Berlin undenkbar.

Homophobe Schmiererei am Bahnhof Steinibach

Das hat zwei Gründe. Da sind einerseits die Menschen, die keine Achtung haben vor dem Eigentum anderer Menschen (auch nicht vor öffentlichem, das ja auch das ihre ist); die anderen stecken voller Hass. Es mag eine Schnittmenge geben, die gar nicht mal klein ist. Diese Menschen machen auch vor Denkmälern nicht Halt. Ein paar Beispiele:

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Das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen im Berliner Tiergarten wurde diesen Sommer zum wiederholen Mal mit Farbe beschmiert; im Oktober hatten die Täter die Buchstaben HIV in die Steinplatte vor dem Sichtfenster des Denkmals eingebrannt. Auch die Gedenktafeln am Magnus-Hirschfeld-Ufer, die an die erste homosexuelle Emanzipationsbewegung erinnern, wurden beschädigt.

Nicht nur das Gedenken an homosexuelle Nazi-Opfer ist den Tätern offenbar ein Dorn im Auge. Erst am Donnerstag wurden an den Glaswänden des Denkmals für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas Beschädigungen festgestellt. Im Mai war das jüdische Mahnmal in Moabit beschmiert worden. Solche Beschädigungen sind übrigens nicht das einzige Problem:

Ich wohne ganz in der Nähe: Im Sommer findet sich dort abends eine Gruppe von vier oder fünf Männern zum Biertrinken ein. Soweit in Ordnung, wenn nicht am nächsten Morgen die leeren Flaschen in dem Mahnmal stehen würden, als handelte es sich bei dem künstlerisch umgestalteten Eisenbahnwaggon um die Theke einer OpenAir-Bar.

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In diesem Land wird eine Menge dafür getan, die Erinnerung wachzuhalten. Auch damit jeder halbwegs intelligente Mensch in der Lage ist, Äusserungen von geistigen Brandstifter wie AfD-Chef Alexander Gauland einzuordnen, wenn er von Hitler und den Nationalsozialisten als einem «Vogelschiss» in der deutschen Geschichte schwafelt. Deutschland erinnert sich und die Menschen, die hier leben, immer wieder daran, was unter der Nazi-Herrschaft Entsetzliches in diesem Land geschehen konnte. Und mahnt, dass es sich nicht wiederholt.

Deine MANNSCHAFT-Sommerlektüre ist da!

Aber es reicht nicht, dafür Denkmäler zu errichten und Mahnorte zu etablieren. Sie müssen auch geschützt werden. Man kann sie nicht einfach so dem Mob überlassen. Ende des vergangenen Jahres sprachen sich die Mitglieder des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg  mit einer Mehrheit von 76,2 Prozent für eine Videoüberwachung von Gedenk- und Erinnerungsorten aus, die mehrere Male beschädigt wurde. Es wird Zeit, dass sich dieser Forderung auf politischer Eben jemand annimmt und diese Massnahmen durchsetzt.

*Jeden Samstag veröffentlichen wir auf MANNSCHAFT.com einen Kommentar zu einem aktuellen Thema, das die LGBTIQ-Community bewegt. Die Meinung der Autor*innen spiegelt nicht zwangsläufig die Meinung der Redaktion wider.

Kriss Rudolph

Geschrieben von

Kriss Rudolph lebt mit seinem Hund Mompa in Berlin. Bei MANNSCHAFT ist er als Online-CvD und als Chefredakteur der deutschen Print-Ausgabe tätig.

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