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Schwuler Jugendlicher flieht vor Eltern und postet Abschiedsbrief

«So fühlt sich kein Zuhause an und ich glaube, dass es auch nie eins sein wird.»

Eltern schwul
Kent Mendez hielt es zuhause nicht länger aus. (Bild: instagram.com/kentmdz)

In den USA flüchtete ein 19-Jähriger von zuhause, weil ihn seine Eltern nicht akzeptierten. Er hinterliess ihnen einen Abschiedsbrief, der nun viral geht.

Kent Mendez wollte keine Lüge mehr leben. Aus Rücksicht auf sich selbst und sein Wohlergehen nahm der 19-Jährige von zuhause Reissaus. Bevor er sich aus dem Staub machte, hinterliess er seinen Eltern einen Abschiedsbrief, den er vor ein paar Tagen in einer englischer und einer spanischer Version auf Twitter postete. Darin erklärt er ihnen, weshalb er nicht mehr mit ihnen leben kann: Sie akzeptieren ihn nicht als schwuler Mann.

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«Es gab keinen Tag, an dem ich nicht geweint oder mich zusammenreissen musste, um die Energie zu finden und aus dem Bett zu kommen», schrieb er. «Jedes Mal, wenn ich mein Zimmer verlasse, fühle ich mich gefangen und manipuliert. So fühlt sich kein Zuhause an und ich glaube, dass es auch nie eins sein wird.»

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Seinen Zeilen zufolge versuchten seine Eltern mehrmals, ihn von seiner Homosexualität zu bekehren. «Mit Geld wolltet ihr mich kontrollieren und meine Natur unterdrücken», schrieb er. Unter anderem sei er auch gezwungen worden, Videos anzusehen, um sich vor sich selbst zu schämen. Es scheint, dass seine Eltern auch nicht für sein Studium bezahlen wollten. «Ihr habt mich gezwungen, mich zwischen meinem Glück und meiner Ausbildung zu entscheiden – Dinge, die eigentlich Hand in Hand gehen sollen.»

Im Brief erwähnt Kent auch Zahlen. Das Selbstmordrisiko ist fünf Mal höher bei LGBTIQ-Jugendlichen als bei heterosexuellen. Bei queeren Jugendlichen mit ablehnenden Eltern sei dieses Risiko sogar bis zu 8,4 Mal höher. «Ich will nicht derjenige sein, der die Statistik erfüllt», so Kent. «Ich muss mich heilen und das bedeutet, euch zu verlassen.»

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Kents Post mit einem Foto seines Abschiedsbriefs ging schnell um die Welt. Innert weniger Tage kamen über 90’000 Likes und 15’000 Retweets zusammen. Die Twitter-Community lobte seinen Entschluss und sprach ihm Mut zu. «Ich habe ein wundervolles Leben ohne meine Eltern. Ich habe einen Mann, der mich liebt», schrieb der User @2TexasFeralHogs. Es habe eine Weile gedauert, bis er finanziell unabhängig geworden sei, aber er habe es geschafft. «Du bist ein mutiger Mann. Höre nie auf, diejenige Person zu sein, die du bist – für niemanden.»

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Auf Twitter schrieb Kent, dass er den Brief nicht geteilt habe, um Mitleid zu kriegen, sondern weil er wisse, dass viele Menschen zuhause Unterdrückung erleben. «Ich will ein Vorbild sein und zeigen, dass man nie feststeckt und sich ein Licht am Ende des Tunnels befindet.»

Zurzeit ist Kent bei einem Freund untergekommen und sucht nach Arbeit, um auf den eigenen Beinen zu stehen. «Ich möchte so schnell wie möglich zurück zur Schule», twitterte er.

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Mit seinen Eltern hat Kent jedoch nicht endgültig abgeschlossen. «Ihr werdet immer meine Eltern sein und ich immer euer Sohn», schrieb er im Abschiedsbrief. Für eine Versöhnung müsse man sich jedoch auf Augenhöhe begegnen. «Bitte kontaktiert mich nicht, bis ihr soweit seid, mich zu akzeptieren.»

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