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Trans Frau beleidigt – Passant will helfen, wird geschlagen

Zwei junge Männer belästigten und beleidigten am Samstagabend am Berliner Alexanderplatz zwei Frauen

trans Frau
Symbolbild (Foto: Pixabay)
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Als in der Nacht zum Sonntag in Berlin-Mitte eine Frau von zwei jungen Männern sexuell belästigt sowie eine trans Frau beleidigt wurde, bewies ein Passant Zivilcourage und wollte helfen. Daraufhin soll er von einem der Pöbler geschlagen worden sein.

Die beiden 23-Jährigen sassen auf einer Steinmauer am Alexanderplatz zwischen der Marienkirche und dem Fernsehturm. Gegen 23.20 Uhr näherten sich ihnen zwei Männer, von denen einer Kontakt zu der Frau suchte und ihr ans Bein grabschte. Die 23-Jährige wies den Mann lautstark ab.

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Ihre gleichaltrige Begleiterin, eine 23-jährige trans Frau, soll sie hierbei unterstützt und ebenfalls von dem Mann gefordert haben, sie nicht zu belästigen. Daraufhin sollen beide Männer im Alter von 18 und 22 Jahren die trans Frau «homophob beleidigt» haben, so die Polizei.

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Ein 29-jähriger Passant mischte sich nun in das Geschehen ein und wurde von beiden Pöblern attackiert. Hierbei soll einer der Männer ihn am T-Shirt festgehalten und sein Begleiter ihm mit der Faust gegen den Kopf geschlagen haben. Alarmierte Polizist*innen nahmen die beiden Männer vorübergehend fest. Auf sie warten nun Strafermittlungsverfahren wegen sexueller Belästigung, gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung.

Im Mai hatte das schwule Anti-Gewalt-Projekt in Berlin MANEO aktuelle Zahlen über Gewalt gegen LGBTIQ vorgelegt. Demnach stiegen die Fälle angezeigter Gewalt gegen LGBTIQ in der Hauptstadt um 58 auf 382 an. Gegenüber 2017 ist ein Zuwachs von fast einem Drittel zu verzeichnen.

Am 18. Juli wird das ehrenamtliche Engagement von MANEO in einer Feierstunde im Berliner Rathaus Schöneberg gewürdigt. Als Gastrednerin wird Margarete Koppers, Generalstaatsanwältin in Berlin, erwartet.

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Auch die erhobenen Zahlen muss man noch mit Vorsicht geniessen, denn längst nicht alle Straftaten werden angezeigt. Expert*innen gehen von einer Dunkelziffer aus, die bei 80 % oder noch höher liegt. Einer der Gründe: Viele queere Menschen, vor allem die älteren, erinnern sich noch gut an die Zeiten, als die Polizei nicht ihr Freund und Helfer war, sondern der Gegner. Paragraph 175, der Homosexualität unter Strafe stellte, wurde in Deutschland erst 1994 abgeschafft.

Auch wenn sich die Polizei mittlerweile «vom Verfolger zum Partner» der Community entwickelt hat, wie es der ehemalige Berliner Polizeipräsident Klaus Kandt mal ausgedrückt hat, sitzt das Misstrauen teilweise noch tief.

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