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Alte Meister zelebrieren Vielfalt in Wien

Die Drag Queen Tiefe Kümmernis führt in der österreichischen Hauptstadt durchs Museum – aber nur noch bis Mitte des Monats

Alte Meister

Wenn Wien Europride feiert, geht das auch am Kunsthistorischen Museum nicht spurlos vorüber. Wobei man dort ganzjährig queere Lebensweisen in den Werken Alter Meister wie Corregio oder Spranger bewundern kann. Text: Tiefe Kümmernis

Das Kunsthistorische Museum Wien bewahrt und zeigt Objekte aus fünf Jahrtausenden – vom altägyptischen Reich, über die klassische Antike in Griechenland und Rom, bis hin zu Renaissance und Barock. Und nicht nur das. Während andere Museen Hinweise auf LGBTIQ-Personen ignorieren oder vielleicht sogar verstecken, geht man hier ganz offen damit um.

Die Pride-Ausgabe der MANNSCHAFT ist da!

Um deutlich zu machen, dass die Vergangenheit nicht nur heterosexuell und binärgeschlechtlich war, gebe ich als Drag Queen Themenführungen im Kunsthistorischen Museum Wien. Darin stelle ich queere Sagengestalten sowie historische Persönlichkeiten vor. Queere Menschen gehören ganz selbstverständlich zur Menschheits- und Kunstgeschichte dazu. Hier ein Beispiele aus meinen Führungen.

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Die Entführung des Ganymed von Correggio, um 1530, Kunsthistorisches Museum Wien
Aus dem antiken Sagenreich entstammen die «Liebschaften des Zeus»– Begegnungen, die nicht immer freiwillig waren und mitunter auch Vergewaltigungen genannt wurden. Wesentlich häufiger jedoch wurden sie früher als einvernehmlich und sinnlich-erotisch dargestellt.

Ein perfektes Beispiel dafür bildet die Entführung des Ganymed von Correggio. Der junge Mann gibt sich ohne Angst dem Zeus hin, der ihn in Gestalt eines Adlers entführt. Im Olymp angekommen soll Ganymed, laut Ovid, zum Bettgenossen Zeus’ und zum göttlichen Mundschenk werden.

Bisexuelle Affären des Zeus
Corregios Werk entstand als Dekoration für ein Gemach des Herzogs von Mantua, Federigo Gonzaga. Die anderen drei Bilder dieser Serie zeigen den verwandelten Gott mit Frauen. Scheinbar waren die bisexuellen Affären des Zeus kein Problem für den Herzog. Dies ist nicht verwunderlich – im 16. Jahrhundert gab es einige italienische Stadtstaaten, in denen sexuelle Handlungen zwischen Männern zwar nicht legal, aber dennoch allgegenwärtig waren. Für Florenz ist dies besonders gut dokumentiert. Im Falle einer Verurteilung musste man moderate Geldsummen zahlen oder Sachspenden ableisten.

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In späteren Jahrhunderten sorgte Correggios Entführung jedoch für Unwohlsein. Man begann, die sexuelle Komponente durch christliche Interpretationen zu negieren. Zum Beispiel wurde Ganymed als Sinnbild für die unsterbliche Seele bezeichnet, die zu Gott in den Himmel aufsteigt.

Entblösster Hintern
Folgende Dinge sind jedoch sehr deutlich zu sehen: Der Adler hält den jungen Ganymed nur an seinem Gewand fest, um ihn nicht zu verletzen. Dabei rutscht der Stoff nach oben und entblösst den Hintern des jungen Mannes. Dessen Gesicht lässt auch keinerlei Angst oder Protest erkennen. Da Zeus es scheinbar gar nicht abwarten kann, leckt er mit seiner Adlerzunge schon über das Handgelenk Ganymeds. Die sinnlich-erotischen Anteile des Bildes sind schwer von der Hand zu weisen.

EuroPride Vienna 2019 – Together & Proud

Der ausführliche Artikel mit weiteren Beispiel ist in der deutschen April-Ausgabe der MANNSCHAFT erschienen. Hier geht es zum Abo Deutschland und hier zum Abo Schweiz. 

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