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Der Neffe von Singapurs Premierminister heiratet in Südafrika

Im südostasiatischen Kleinstaat sind homosexuelle Handlungen gesetzlich verboten

Huanwu Li (rechts) und Yirui Heng am Pink Dot Festival 2018 in Singapur. (Bild: Instagram.com Facebook/Dear Straight People)

Li Huanwu ist der Neffe des singapurischen Premierministers. Seine Hochzeit setzt im kleinen Stadtstaat, in dem homosexuelle Handlungen offiziell als Straftat gelten, ein klares Zeichen setzen.

Li Huanwu ist der Neffe des singapurischen Premierministers Lee Hsien Loong und der Enkel des Staatsgründers Lee Kuan Yew. Letzten Freitag heiratete Li seinen langjährigen Partner Yirui Heng in einer kleinen Zeremonie in Kapstadt, Südafrika.

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Homosexuelle Handlungen zwischen Männern sind in Sinagpur gesetzlich verboten – ein Relikt aus dem britischen Strafgesetzbuch der Kolonialzeit, das Analverkehr und Oralsex zwischen hetero- und homosexuellen Paaren kriminalisierte. 2007 wurde das Verbot aufgehoben, allerdings nur für heterosexuelle und lesbische Paare.

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Homosexuelle Handlungen oder Verstösse gegen den «moralischen Anstand» können gemäss Absatz 377A des heute geltenden Strafgesetzbuchs mit bis zu zwei Jahren Haft geahndet werden. Zwischen 2007 und 2013 wurden neun Männer wegen grob unsittlichem Verhalten verurteilt. Strafprozesse aufgrund homosexueller Handlungen gab es in jüngster Vergangenheit jedoch keine.

 

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Today I marry my soul mate. Looking forward to a lifetime of moments like this with @hero.unit

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Li Huangwu ist stets zu seiner Sexualität und seinem Partner gestanden. In den sozialen Medien zeigen sie sowohl ihre Liebe als auch ihren Einsatz für mehr Sichtbarkeit offen. 2018 besuchten sie gemeinsam das «Pink Dot»-Festival, ein jährlich stattfindendes LGBTIQ-Festival in Singapur. Der Schwerpunkt des Events liegt vor allem in Kultur und Unterhaltung sowie in der Erhöhung der Sichtbarkeit von gleichgeschlechtlichen Paaren und Gendervielfalt, da öffentliche Demonstrationen ohne Bewilligung im Kleinstaat verboten sind.

Im Juni 2018 hob das höchste Gericht Indiens den Artikel 377 – ebenfalls ein Gesetz gegen homosexuelle Handlungen aus der britischen Kolonialzeit – auf. Das Urteil beflügelte die singapurische LGBTIQ-Community und bewegte den DJ und Aktivisten Johnson Ong dazu, eine Verfassungsklage einzureichen. «Indien ist eine so konservative Gesellschaft, in mancher Hinsicht viel konservativer als Singapur,» sagte er, «wenn Indien es kann, warum können wir das nicht?» Bis November 2018 musste der 44-Jährige Beweise einreichen, im Februar 2019 fand eine erste Anhörung statt.

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Petition: Homosexualität in Singapur soll illegal bleiben!

Der historische Entscheid aus Indien rief in Singapur jedoch auch Gegner*innen auf den Plan. Eine Petition gegen die Entkriminalisierung von homosexuellen Handlungen erreichte innert wenigen Tagen über 100’000 Unterzeichnungen. Man wolle nicht, «dass eine lautstarke Minderheit ihre Werte und Praktiken einer stillen Mehrheit aufzwängt, die immer noch weitgehend konservativ ist», so der Initiativtext. Eine Gegenpetition von LGBTIQ-Aktivist*innen konnte hingegen nur etwas über 36’000 Unterschriften zusammenbringen.

Im Dezember 2018 sprach das höchste Gerichte Singapurs erstmals ein per Leihmutter geborener Junge dem Vater zu.

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