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Pascal Erlachner tritt als Schiedsrichter zurück

Eineinhalb Jahre nach dem medialen Coming-out tritt der erste offen schwule Schiri der Schweizer Super League zurück

Bild: zvg

Im Dezember 2017 gab er als erster offen schwuler Schiedsrichter der Super League sein Coming-out. Jetzt tritt Pascal Erlachner zurück. Es sei an der Zeit, ein neues Kapitel aufzuschlagen.

Nach der gestrigen Partie Xamax gegen Lugano gab Schiedsrichter Pascal Erlachner überraschend seinen Rücktritt mit sofortiger Wirkung bekannt. Um sich beim letzten Spiel nicht unter Druck zu setzen, habe er den Entscheid nicht im Vorfeld kommuniziert, sagt der 39-Jährige gegenüber dem Blick. «Der Zeitpunkt ist perfekt. Ich höre auf, wenn es am Schönsten ist», begründet er gegenüber dem Boulevardblatt seinen Entscheid. Es sei an der Zeit, ein neues Kapitel aufzuschlagen.

Erlachner hatte sich im Dezember 2017 zeitgleich im Schweizer Fernsehen und im Blick als schwul geoutet. Homosexualität und Profifussball passen auch heute noch nicht zusammen, sagte er damals gegenüber der Mannschaft. «Das Thema Homosexualität wird komplett tabuisiert.»

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Pascal Erlachner: «Das medial inszenierte Coming-out war nötig»

Das mediale Coming-out bereut Erlachner heute nicht, wie er gegenüber dem Blick bestätigt. Auf dem Spielfeld sei kein einziger negativer Kommentar bezüglich seiner Sexualität gefallen. Auch nicht nach einem Fehlentscheid. «Im Gegenteil: Ich hatte sogar das Gefühl, dass man mir nach dem Outing sogar mehr Respekt entgegengebracht wurde.»

Das Coming-out war lange geplant
Öffentlich zu seiner Sexualität zu stehen war ein Neujahrsvorsatz, den sich Erlachner Ende 2016 fasste. «Mein Partner und ich waren über die Feiertage in Punta Cana und ich spürte, dass 2017 mein Jahr werden würde», erinnert er sich. Pascal nahm sich Grosses vor: Erstens wollte er die Privatpilotlizenz machen, zweitens in den Gemeinderat seines Wohnorts gewählt werden und drittens der Welt mitteilen, dass er schwul ist. Sein engstes Umfeld, darunter Familie, Freundeskreis und Schiedsrichterkollegen wusste bereits Bescheid.

Auf die Frage, wie sich die Homophobie im Fussball denn äussere, erinnert sich Pascal: «Im Training sagt man einem Kollegen zum Beispiel, er solle doch nicht so schwul spielen oder den Ball nicht wie eine Schwuchtel werfen. Es sind diese feinen Sticheleien, die einem einen Schlag in die Magengrube versetzen, wenn man denn selbst schwul ist.» Dabei würden viele das Wort «schwul» als Schimpfwort gebrauchen, ohne dabei unbedingt an die sexuelle Orientierung zu denken. Manchmal ist es Spass, manchmal provozierend und manchmal halt eben auch als Abwertung oder Erniedrigung des Gegen­übers gemeint.

Sensibilisierung der Trainer
Seit 2017 durchlaufen angehende Fussballtrainer beim Schweizerischen Fussballverband (SFV) ein anderthalbstündiges Modul zum Thema «Homophobie im Fussball». Ziel ist es, genau solchen latenten oder offensichtlichen homophoben und beleidigenden Sprüchen Einhalt zu gebieten und die Nachwuchssportler zu sensibilisieren.

Frankreich: Gefängnis für homophobe Fussballfans

Seit dem medialen Coming-out vor anderthalb Jahr hat sich Erlachner auch weiterhin für mehr Akzeptanz im Profifussball engagiert. Dabei habe er viel Positives erleben dürfen, wie er gegenüber dem Blick erzählt. «In diversen Amateurklubs durfte ich über Homosexualität im Fussball reden. Die Uni hat mich zu einer Podiumsdiskussion zu diesem Thema eingeladen.»

Besonders gefreut hätten ihn die Zuschriften junger Fussballer, die sich bei ihm bedankten. Dank Erlachner hatten sie den Mut aufbringen können, sich zu outen. «Das waren die schönsten Reaktionen. Mein Freund Mike und ich wollen auch in Zukunft für mehr Offenheit und Toleranz weiterkämpfen.»

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