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Rassistisch? Hella von Sinnen verteidigt Ralf König

Wegen seines Wandgemäldes in Brüssel wird dem Kölner Comiczeichner Rassismus und Transphobie vorgeworfen

Ralf König
Foto: Ralf König/RainbowHouse
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Es war vor ziemlich genau vier Jahren: Am 1. Mai wurde in Brüssel feierlich das auf Initiative vom RainbowHouse entstandene riesige Gemälde von Ralf König in der Nähe des Grand Place eingeweiht. Nun wird dem Künstler Rassismus und Transphobie vorgeworfen.

Von den 12 königlichen Figuren, die die Brüsseler Wand schmücken, beruhen zwei Figuren auf «transphoben und rassistischen Vorurteilen», liess das queere Zentrum den Kölner Künstler in einem Brief wissen, aus dem jetzt Der Spiegel zitierte.

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Neu ist die Kritik nicht. Im vergangenen Sommer hatten unbekannte Sprayer die Worte «Transphobia» und «Racism» über zwei Figuren gesprüht – eine Dragqueen und eine schwarze Frau. Neu ist, dass das Rainbow House nun forderte, König solle sein Gemälde nachbessern; im RainbowHouse sind verschiedenste queere Organisationen der Region Brüssel untergebracht. Bei der Schwarzen störten etwa die grossen geschminkten Lippen. Zudem wirke «ihr Gesichtsausdruck «unintelligent und abweisend».

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König hielt in einem Facebook-Post dagegen, «dicke» Lippen habe auch die Drag Queen – und zwar weil sie stark geschminkt sei -, und spricht – Achtung, Ironie! von «Lippophobie».

Solche Aktionen sagten mehr aus über die Intoleranz dieser selbst ernannten Zensurbeauftragten, so König auf Facebook. «Denn wenn’s nach denen ginge, wäre jede Ironie, jede satirische Übertreibung, jeder selbstironische Blick auf die Szene ein Angriff auf wen auch immer. Mich schaudert bei dem Gedanken, in so einer Gesellschaft zu leben: verbissen, aggressiv, immer einen Grund suchend, sich selbst und sein Weltbild zum Alleingültigen zu erklären. Ich zucke mit den Schultern und mache weiter wie bisher.»

Damals, 2015, hatte das RainbowHouse zur Wahl Königs noch erklärt: «Wenn du auf Ausgrenzung und Diskriminierung hinweisen willst, sind Humor und eine positive Einstellung die besten Mittel, um gegen Stereotypen anzugehen». Vor eineinhalb Jahren wurde König mit dem Wilhelm-Busch-Preis ausgezeichnet, wegen der «unbändigen Komik» und «pointierten Gesellschaftskritik» seiner Werke.

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König sagte gegenüber MANNSCHAFT, er sei über den Brief aus Brüssel sehr verdattert gewesen, der ihn im März erreichte. «Ich hatte ihnen geschrieben, dass sie es überstreichen sollen, wenn es wirklich jemanden beleidigt oder verletzt. Es ist ihre Wand, sie können damit machen, was sie wollen! Wäre schade, klar, ich kriege immer noch spassige Fotos von schwulen Männern, die sich vor den kleinen Paul stellen und auch ihr T-Shirt heben! Das scheint eine kleine Sitte zu werden.»

Von Übermalen ist nun in Brüssel nicht mehr die Rede. Das RainbowHouse ruderte vergangene Woche etwas zurück. Man lässt das Gemälde, wie es ist – inklusive der aufgesprühten Kritik. Ein Schild erklärt zusätzlich, warum der Riesen-Comic problematisch sei.

Haben sich meine Brüder und Schwestern den Restverstand aus der Hirse blondiert?

Wir wollten von prominenten queeren Persönlichkeiten wissen, wie sie die Kritik an König sehen. Hella von Sinnen liess uns auf Anfrage wissen, sie habe von der Auseinandersetzung bislang nichts mitbekommen und «muss nun mit aufgerissenen Augen und einem fetten KRAIIIISCH fragen, ob sich meine Brüder und Schwestern den Restverstand aus der Hirse blondiert haben?!»

Hella von Sinnen (Foto: Facebook)

Ralf König Transphobie und Rassismus vorzuwerfen, sei der Gipfel der Unverfrorenheit. «Kennt ihr eure eigenen Leute nicht?», fragt die lesbische Kölner Entertainerin. «Falls die LGBTIQ-Community bei aller Opferattitüde ihren Humor tatsächlich verloren haben sollte, werde ich nicht zur Beerdigung gehn, denn die Hoffnung stirbt zuletzt.»

Die MANNSCHAFT beschäftigt sich in der Juli/August-Ausgabe (Deutschland) ausführlich mit dem Thema. Hier geht es zum Abo Deutschland und hier zum Abo Schweiz.

Kriss Rudolph

Geschrieben von

Kriss Rudolph lebt mit seinem Hund Mompa in Berlin. Bei MANNSCHAFT ist er als Online-CvD und als Chefredakteur der deutschen Print-Ausgabe tätig.

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