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Erneut brutale Verfolgungen in Tschetschenien

Verhaftet, verprügelt und mit Polizeistock vergewaltigt: Die Gewalt gegen homo- und bisexuelle Männer in Tschetschenien nimmt kein Ende

Symbolbild (iStockphoto)

Die Verfolgungswelle gegen homo- und bisexuelle Männer in Tschetschenien dauert weiter an. Zwischen Dezember 2018 und April 2019 nahmen die lokalen Behörden 23 Männer fest, die sie mit Schlägen und Elektroschocks folterten und teils sogar mit einem Stock vergewaltigten.

Die Polizei in Tschetschenien – eine autonome Republik innerhalb Russlands – geht weiterhin mit Gewalt gegen Männer vor, die sie als homo- oder bisexuell vermuten. Human Rights Watch spricht von rechtswidrigen Verhaftungen, Schlägen und Erniedrigungen gegen mindestens 23 Männer im Zeitraum vom Dezember 2018 bis April 2019. Die Menschenrechtsorganisation fordert die russischen Behörden dazu auf, eine Untersuchung einzuleiten und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

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Human Rights Watch konnte nach eigenen Angaben mit vier Männern sprechen, die zwischen drei und 20 Tagen in einer Haftanstalt des Ministeriums für innere Angelegenheiten in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny festgehalten wurden. Polizeioffiziere sollen sie dort mit Stiefeln an den Füssen getreten und mit Stöcken und PVC-Rohren geschlagen haben. Der Meldung der Organisation zufolge sind drei der vier Männer mit Elektroschocks gefoltert worden, einer wurde mit einem Polizeistock vergewaltigt.

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Die einzelnen Berichte der verhafteten Männer sind auf der Website von Human Rights Watch aufgeführt (hrw.org). «Einer von ihnen fing an, mich zu treten. Ich fiel auf den Boden, flach auf den Bauch. Ein anderer schlug mich mit einem Stock von der Hüfte abwärts, während fünf Minuten schlug er immer wieder kräftig auf mich ein», erzählt einer mit dem Pseudonym Anzor. Darauf sei ein Elektroschocker zum Einsatz gekommen und man habe ihm Metallklammern an die Daumen geheftet. «Er betätigte den Drehknop, zuerst langsam, dann immer schneller … Mit jedem Dreh hüpften meine Hände auf und ab und ein entsetzlicher Schmerz ging durch sie durch. Er hörte auf, nachdem ich schrie, dass mein Herz bald explodieren würde.»

Die Folter sei gemäss den vier Männern vor allem ein Mittel zum Verhör gewesen. Die Polizei habe sie dazu aufgefordert, die Namen anderer homo- oder bisexueller Männer zu verraten, und ihnen zum Teil auch Fotos gezeigt. Um an weitere Kontakte zu gelangen, seien alle Mobiltelefone beschlagnahmt worden.

Im Gespräch mit Human Rights Watch berichteten alle vier Männer, dass sie nichts zu essen und nur beschränkt Wasser bekommen hätten. Die Polizei hätte ihnen die Haare und Bärte rasiert oder sie dazu gezwungen, einander zu rasieren. Zudem habe man sie gegenüber den anderen Inhaftierten als «schwul» bezeichnet und sie mit homophoben Schimpfwörtern erniedrigt. Anders als die anderen Häftlinge mussten sie «Frauenarbeiten» erledigen, darunter beispielsweise die Toiletten putzen und den Boden reinigen.

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Die Interviews mit den vier Männern fanden gemäss Human Rights Watch in einem sicheren Umfeld zwischen Februar und März 2019 statt, nachdem sie aus Tschetschenien flüchten konnten. Im Januar ermöglichte das Russian LGBT Network verfolgten Personen die Flucht aus Tschetschenien.

«Die russischen Behörden sollten sofort eine Untersuchung in die neue Welle von Verhaftungen und Erniedrigungen der tschetschenischen Polizei einleiten», sagte Rachel Denber, Vizedirektorin für Europa und Zentralasien bei Human Rights Watch. Diese Untersuchungen sollten auf Bundesebene mit Sicherheitsgarantien durchgeführt werden, um die Sicherheit der Opfer, Zeug*innen und ihrer Familien zu gewährleisten. «Ansonsten müssen wir mit weiteren Missbrauchsfällen rechnen.»

Die ersten Bilder der Verfolgung in Tschetschenien aus 2017. (Bilder: Novaya Gazeta)

In einem gemeinsamen Statement an den UNO-Menschenrechtsrat drückten 30 Länder, darunter auch Deutschland, Österreich und die Schweiz, ihre grosse Besorgnis über die Berichte von Verfolgungen gegen LGBTIQ-Menschen in Tschetschenien aus und forderten eine gründliche und unabhängige Untersuchung.

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