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Ultra-Religiöse wollen den Regenbogen zurückerobern

Die konservativen Christen ärgern sich über den Regenbogen als Symbol für die LGBTIQ-Bewegung

Bild: iStockphoto

Nicht nur die «Ehe für alle» ist Christlich-Konservativen in den USA ein Dorn im Auge. Sie stören sich daran, dass der Regenbogen heute fast ausschliesslich mit der LGBTIQ-Community in Verbindung gebracht wird. Dieser sei – sagen sie – ein Symbol Gottes.

Nichts ist vor dem Wandel der Zeit gefeit. Das gilt auch für Worte und Symbole. Noch vor wenigen Jahrzehnten wurden neugeborene Jungs rosa angezogen, Mädchen hingegen blau. Das Wort «gay» bedeutete im Englischen nichts weiter als «fröhlich» und «ausgelassen». Und der Regenbogen ging mit der Botschaft Gottes einher.

An der neuen Bedeutung des Wortes «gay» scheint nichts mehr zu retten zu sein, hat es sich doch weltweit und auch in anderen Sprachen als Synonym für «homosexuell» etabliert. Den Regenbogen wollen christlich-konservative Stimmen in den USA jetzt aber wieder zurück.

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«Gottes Regenbogen an sich zu reissen und mit einem sexuellen Verhalten gleichzusetzen, das sowohl im Alten als auch im Neuen Testament verurteilt wird, ist mehr als ein kleines spirituelles Vergehen», wetterte der Ex-Gay-Aktivist Scott Lively Ende April in seinem Blog. Hochmut und Stolz, die er mit den jährlichen Pride-Festlichkeiten gleichsetzt, seien nicht umsonst unter den sieben Todsünden aufgeführt.

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Der 61-jährige Publizist ist Teil der US-amerikanischen Ex-Gay-Bewegung, die eine «Therapierbarkeit» der sexuellen Orientierung propagiert. Gemeinsam mit den Anti-LGBT-Aktivisten Don Schmierer und Caleb Lee Brundidge war er massgeblich an der Vorbereitung des Gesetzes zur Verschärfung der Strafbarkeit von homosexuellen Handlungen in Uganda beteiligt. Geradezu abstrus klingen seine Behauptungen im Buch «The Pink Swastika». So seien es Homosexuelle gewesen, die die Nationalsozialistische Bewegung ins Leben gerufen hätten und für die vom Hitlerregime begangenen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantwortlich wären.

Lively ist jedoch nicht der einzige, der den Regenbogen als Symbol Gottes beanspruchen will. Nachdem der ehemalige US-Präsident Barack Obama zur Feier der Eheöffnung für gleichgeschlechtliche Paare das Weisse Haus mit Regenbogenfarben beleuchten liess, empörte sich der evangelikale Pastor Franklin Graham in einem Facebookbeitrag. «Gott hat uns den Regenbogen als Zeichen seiner Botschaft gegeben», schrieb er.

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In der Bibel gilt der Regenbogen als Symbol der Hoffnung, beispielsweise in der Geschichte von Noah und der Flut. Für Graham ist er aber vor allem ein Vorbote des Zorn Gottes: «Wenn wir den Pride-Regenbogen auf Werbeanzeigen und Facebookprofilen sehen, soll er uns an das kommende Gericht Gottes erinnern.»

Selbst die New York Times musste realisieren, dass sich die Zeiten änderten und mit ihnen auch die Bedeutung von Worten und Symbolen. Bis 1987 versuchte die renommierte Zeitung nämlich, das Wort «gay» als Bezeichnung für Homosexualität zu meiden. Kommen auch Christlich-Konservative bald zur Einsicht, dass am Regenbogen als Symbol für LGBTIQ-Gleichstellung nichts mehr zu rütteln gibt? «Ultra-Religiöse werden immer einen Weg finden, um uns zu verurteilen», schreibt John Gallagher für LGBTQ Nation. «Lassen wir uns doch einfach den Regenbogen geniessen.»

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